Weinhof Edlinger

Der Frostverwalter.

Hannes Edlinger weiß aufs Jahr genau, wann der letzte Unglücksrabe am Röschitzer Galgenberg erhängt wurde. Man schrieb das Jahr 1856, und es ging um den Vorwurf der Brandstiftung. Weinfälschung jedenfalls wird man dem Delinquenten nicht vorgeworfen haben, damals war DAC hier, am westlichen Rand des Weinviertel, auf halbem Weg zwischen Maissau und Retz, nämlich nicht mehr als eine beliebige Ansammlung von drei Buchstaben. Das änderte sich erst vor 10 Jahren, als die ersten Weinviertel DACs auf den Markt kamen und ein bis dahin leise vor sich hindösendes Weinbaugebiet seine steile Karriere begann. Zur gleichen Zeit beschloss ein junger Bauernsohn namens Hannes Edlinger, den elterlichen Betrieb ganz in Richtung Weinbau zu drehen und von der guten alten Schankwein- auf die Qualitätsweinschiene umzusteigen.

Heute steht Weinviertel DAC für beispiellos erfolgreiches österreichisches Weinmarketing, und Hannes Edlinger stapft auf dem Galgenberg zu Röschitz herum, mit Blick auf die grandiose Hanglage, von der sein Siegerwein stammt: der Grüne Veltliner Galgenberg, der im profil-Test die recht zahlreiche Konkurrenz recht deutlich hinter sich ließ, was Hannes Edlinger wieder mit dem Jahrgang 2012 versöhnt. Eigentlich hat er zu dem Thema ja nur ein säuerliches Lächeln parat, Stichwort: Maifrost, 40 Prozent Ausfall. „Aber das ist halt die Herausforderung, auch in einem derart extremen Jahr einen guten Wein zu machen.“

Letzteres scheint in Röschitz überhaupt ganz gut zu gelingen: Im Vorjahr hieß der profil-DAC-Weinviertel-Sieger Ewald Gruber und stammte aus – genau. Das wundert Hannes Edlinger überhaupt nicht, man ist hier, am Galgenberg nebst Umgebung, schließlich Veltliner-Kernland: „Der Boden bietet eine ideale Mischung aus Löss und Urgestein. Dazu kommt, dass wir direkt ans Waldviertel angrenzen. Der nächtliche Kaltluftstrom wirkt sich sehr positiv auf die Frucht- und Säurebalance aus.“ Sagt der Frostgeschädigte? Im Ernst jetzt? Säuerliches Grinsen. Tja, das ist halt die Herausforderung. Dass seit dem internationalen Erfolg des Grünen Veltliner die lange geschmähte Sorte auf einmal in der halben Welt ausgesetzt wird, ja zum Teil sogar im Mittelburgenland, macht Edlinger übrigens gar keine Sorgen. „Man kann ja ruhig alles probieren. Viel Erfolg wird man halt nicht damit haben. Wir würden uns ja auch nicht wundern, wenn wir hier Blaufränkisch aussetzen und nicht mit den anderen mithalten könnten.“ Keine Angst: Das passiert natürlich nicht, hier, im Mutterland des GV.