Winzerhof Kirchknopf

Der dritte Mann.

„Seit ich 13 bin, weiß ich, dass ich Winzer werden will“, strahlt Michael Kirchknopf beim Spaziergang durch die Ried Haussatz in Kleinhöflein bei Eisenstadt, und dabei wird ganz schnell klar, dass es ein fantastisches Gefühl sein muss, Winzer zu sein, vor allem, wenn man Michael Kirchknopf heißt. Der Klee blüht, aus der Ferne strahlt der Schneeberg, von Nahem der Jungwinzer. Michael Kirchknopf hat gerade einen guten Lauf. Keine drei Jahre ist der Jungwinzer, Jahrgang 1990, hauptamtlich für den Wein zuständig, schon erntet er höchste Lorbeeren: Der 2011er-Jahrgang war nicht nur für den profil-Leithaberg-DAC-Sieg gut, sondern auch noch für einen ersten Platz bei der Falstaff-Burgunder-Trophy. Dabei war 2011 eigentlich ein horribles Jahr für Kirchknopfs, 70 Prozent der Ernte wurden vom Hagel vernichtet. Aber: „Eigentlich hat der Hagel uns sogar geholfen. Das war so eine Art natürliche Auslese.“ So etwas kann auch nur ein Qualitätsfanatiker sagen. Da unter seinen Stammkunden aber auch Preis-Leistung-Fans sind, lebt der Juniorchef seine Vision in einer eigenen Edition aus und füllt auch die angestammte Kirchknopf-Linie weiter ab, die ganz regionstypisch recht sortenvielfältig ausfällt (inklusive Rivaner und Muskat-Ottonel).

Begonnen hat alles vor gut 50 Jahren mit einem Hektar Müller-Thurgau, den Großvater Kirchknopf aussetzte, um seine gemischte Landwirtschaft besser zu durchmischen. Mittlerweile verarbeitet der Betrieb ausschließlich Wein, und dass Michael Kirchknopf seine Vorstellungen uneingeschränkt verwirklichen kann, hat mit der speziellen Konstellation des Kirchknopf’schen Familienbetriebs zu tun: Der klassische Generationenkonflikt wurde elegant übergangen. Kirchknopf senior stieg nie haupterwerblich in den Weinbaubetrieb ein, sondern heuerte bei einer Bank an (zu seiner Zeit war österreichischer Weinbau keine echte Zukunftsbranche). Der Junior muss seine Ideen also nur gegen den Großvater durchsetzen, was aber noch nie ein Problem war. Nur die Sache mit der biologischen Bewirtschaftung war dem Altbauern ein bisschen suspekt. Aber Michael Kirchknopf weiß halt, was er will. Darum darf man ihn heute auch über den grünen Klee loben.