Winzerhof Sax

Die Zwillingslauser.

Das Glück ist ein Vogerl aus Estland. Etwas mehr als drei Jahre ist es jetzt her, dass eine Weinhändlerin aus dem Baltikum die Langenloiser Walterstraße entlangflog und nicht, wie das unter Walterstraßenpassanten so üblich ist, beim Platzhirschen Bründlmayer einkehrte, sondern erst ein paar Häuser weiter in den Winzerhof der Gebrüder Sax abbog. Diese hatten damals mit Weinexport nicht viel am Hut, was sich nach dieser Begegnung rasch änderte. Heute, drei Jahrgänge später, macht das Auslandsgeschäft im Betrieb bereits ein gutes Drittel aus, was schon an sich eine sehr erfreuliche Sache ist, aber noch sehr viel erfreulicher wird, wenn man ausgerechnet im Kamptal Weinbau betreibt, wo die Konkurrenz unter anderem Jurtschitsch, Loimer, Hirsch, Bründlmayer oder Gobelsburg heißt. „Da bist du im heimischen Markt halt nicht unter den drei üblichen Verdächtigen, und welcher Gastronom hat schon mehr als drei Kamptaler Rieslinge auf seiner Karte? Das schöne am Export ist, dass der Name weniger zählt.“

Rudi Sax führt durch den Weinhof, den er gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Michael vor fünf Jahren vom Vater übernommen hat. Michael kann leider nicht mitführen, er ist gerade auf einer Präsentation, aber das ist er eigentlich das ganze Jahr. Die „Zwillingslauser“ (so heißt auch einer von sechs Veltlinern im Sortiment, nach dem Weingarten, der zur Geburt der heutigen Chefs ausgesetzt wurde) teilen sich den Job, Michael macht die Öffentlichkeits-, Rudi die Kellerarbeit. Beides gestaltet sich erfreulich: Inzwischen verarbeitet man 27 Hektar, der Winzerhof platzt aus allen Nähten. „Dabei haben wir erst vor ein paar Jahren ausgebaut“, meint Rudi Sax und erklärt die Schwierigkeiten, mitten in Downtown Langenlois seinen Hof zu vergrößern.

Aber das ist natürlich Jammern auf extrem hohem Niveau. Auch über die Tatsache, dass der Maifrost 2012 ihm 30 Prozent Ausfall bescherte, will der Jungwinzer nicht in Depression verfallen, schließlich reiften die Trauben, die verschont blieben, zu Spitzenweinen wie jenem Riesling Kamptal DAC, der sich in der profil-Verkostung gegen die prominente Konkurrenz durchsetzte. Er stammt aus drei Langenloiser Lagen, und Rudi Sax könnte jetzt natürlich ewig darüber fachsimpeln, wie die unterschiedlichen Bodentypen den Stil seines Siegerweins prägen. Machen wir es kurz: Geschmack ist kein Vogerl. Sondern eine Kunst. Beziehungsweise Arbeit.

Schöne Arbeit.