Word-Rap: „Nimm sie nicht hin“

Frauenministerin Maria Rauch-Kallat über …

… die Definition von Gewalt: Sie beginnt bei verbaler und psychischer und hört bei tätlicher auf.

… Gewalt in der Familie: Soweit wir informiert sind, ist das Ausmaß der häuslichen Gewalt in etwa gleichgeblieben. Allerdings haben die Interventionsstellen wesentlich dazu beigetragen, dass weitaus mehr Fälle gemeldet werden. Es nehmen Frauen von sich aus Kontakt auf, aber auch die Mitarbeiter der Interventionsstellen, wenn ihnen von der Polizei ein Fall gemeldet wird.

… die Notwendigkeit von Frauenhäusern: Im Gegensatz zu den Interventionsstellen sind Frauenhäuser private Vereine oder Gemeindeeinrichtungen; aber natürlich werden sie auch von uns unterstützt.

… die finanzielle Ausstattung der Hilfseinrichtungen: Jeder wünscht sich immer mehr Mitarbeiter und mehr Geld. Ich habe den Betrag in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht: 2001 waren 3,5 Millionen Euro bereitgestellt, 2004 werden es knapp vier sein.

… die Veränderungen der Rollenbilder: Die gab es, zweifelsohne. Nur: Das schützt nicht vor Gewalt, sondern kann es auch herausfordern, weil Männer mit dem neuen Selbstbewusstsein von Frauen nicht so leicht umgehen können und dies als Provokation empfinden. Deswegen können wir aber nicht an den neuen Rollenbildern rütteln.

… „The Bachelor“: Ich kann nicht beurteilen, ob die Sendung traditionelle Rollenbilder verstärkt hat, weil ich sie nie gesehen habe.

… Erziehungsmethoden: Die Erziehungsbilder haben sich zweifelsohne geändert. Ich bin noch so erzogen worden, dass ich zu schweigen hatte, wenn Erwachsene sprachen. Bei meinen Kindern war das schon ganz anders.

… die g’sunde Watschn: Wenn eine Frau die g’sunde Watschn bekommt, würde ich sagen: Nimm sie nicht hin, sondern tritt dagegen auf. Wenn jemand die g’sunde Watschn austeilt, würde ich raten, das eigene Tun zu reflektieren: Warum ist das passiert? Oft ist es auch Überforderung.

… eigene Erfahrungen im Bekanntenkreis: Ich kann mich Gott sei Dank nicht daran erinnern, dass es das gab.

… die Stärkung der weiblichen Eigenständigkeit: Die Politik kann der Frau nicht die Verantwortung abnehmen, sie kann nur Rahmenbedingungen schaffen. Die Letztentscheidung liegt bei ihr. Klar ist: Der Schlüssel zur Eigenständigkeit ist Qualifikation, Qualifikation, Qualifikation.

… Sensibilisierung für das Thema „Gewalt“: Es liegt an der Öffentlichkeitsarbeit. Die Artikulationsfähigkeit von Frauen muss gestärkt werden. Je mehr Frauen sich zur Wehr setzen, desto mehr Frauen wird Mut gemacht. Betroffenen Frauen muss das Gefühl gegeben werden, dass sie nicht alleine dastehen.

… ökonomische Ursachen von Gewalt: Finanzielle Notlagen können zu Alkoholabhängigkeit oder zu Drogen führen, das wieder zu Gewalt. Es muss aber nicht.

… die Vorbildwirkung des politischen Umgangs: Demokratische Strukturen wirken von oben nach unten und von unten nach oben. Ich glaube aber, die Art und Weise der politischen Kommunikation hat nur bedingt Einfluss auf das Kommunikationsverhalten in Familien.