Zu Hause bei Hohenbergs

Das ermordete Thronfolger-Paar wurde in einer Gruft in Artstetten bestattet. Ein angeschlossenes Museum gibt Einblick in ein merkwürdiges Leben.

Das hier sei falsch gebaut, murrte der Thronfolger. Um diese Ecke hier bringe man doch keinen Sarg in die Gruft, beschwerte sich Erzherzog Franz Ferdinand beim Baumeister, als der ihm 1910 das zum Zwecke der ewigen Ruhe ausgebaute Untergeschoss des Schlosses Artstetten in niederösterreichischen Donauland präsentierte.

Der Hausherr konnte nicht wissen, dass sein Leichnam – und der seiner Frau – schon vier Jahre später hier beigesetzt werden sollten. Franz Ferdinand hatte Recht: Als die Sargträger in jener dunklen Juli-Nacht des Jahres 1914 um die Ecke des Grufteingangs bogen, kratzten sie knirschend den Verputz von der Wand. Er fehlt bis heute.

Das im Schloss untergebrachte Museum wird von Anita Hohenberg geleitet, einer Urenkelin der Ermordeten. Es präsentiert ein Leben, das zu jenem der durchschnittlichen Bevölkerung in schrillem Kontrast stand. Dies nicht nur bezüglich der luxuriösen Wohnverhältnisse, sondern auch wegen der für jene Zeit dramatisch-aufregenden Lebensführung.

So begab sich der Erzherzog 1892 auf eine einjährige Weltreise, die ihn von Triest nach Bombay, Singapur und über Australien an die Westküste der USA brachte. Die Vereinigten Staaten durchquerte er mit der neuen Eisenbahn. Die noblen Reisemitbringsel füllen mehrere Räume des Schlosses.

Auf seiner großen Reise wollte der passionierte Weidmann auf sein geliebtes Hobby natürlich nicht verzichten. Eine detaillierte Tabelle gibt Auskunft über die Strecke: Insgesamt 1864 Tiere hat der Erzherzog bei seiner Weltumrundung erlegt, darunter sieben Tiger, drei Elefanten, acht Krokodile, neun Affen, sechs Mungos, 28 Pfauen und sogar zwei fliegende Fische.

Bis zu seinem Tod erlegte Franz Ferdinand laut Artstettener Liste mehr als 274.000 Stück Wild, darunter auch hunderte Eichhörnchen und ein paar tausend Tauben. Dazu kamen die Abschüsse der Gäste.

Bei dem Erzherzog mit rauer Schale – er galt als eher unnahbar – brach freilich mitunter offenbar eine gewisse Romantik durch. Im Artstettener Schloss sind von Franz Ferdinand selbst gedichtete G’stanzln ausgestellt, von teilweise freilich eher herber Note. Textprobe: „I wollt i war ein Messer/ recht scharf und schneidig gwetzt./ I schneidet di in d’Fingerl/dass mi die Herzbluat netzt.“

Franz Ferdinand und Sophie weilten nur selten in Artstetten, die meiste Zeit verbrachte das Paar auf seinem böhmischen Schloss Konopischt.

Ihr 1902 geborener Sohn Max brachte es allerdings bis zum Bürgermeister von Artstetten. Ausgerechnet die Rote Armee setzte den von den Nazis ins KZ Dachau verschleppten Adeligen nach 1945 auf Wunsch der Dorfbevölkerung als Gemeindeoberhaupt ein.