„Viel Freunderlwirtschaft“

Leopold Maurer, österreichischer EU-Diplomat, Chefverhandler für den EU-Beitritt Zyperns, Sonder­gesandter von EU-Kommissions­präsident José M. Barroso.

Interview: Otmar Lahodynsky

Über Bedenken vor dem EU-Beitritt Zyperns 2004:
Es gab dort seit dem Libanon-Krieg viele „Offshore“-Banken. Wegen des Verdachts auf Geldwäsche arbeitete die EU damals sehr eng mit den USA zusammen. So unterhielt Serbien unter Milosevic eine Filiale der Beogradska-Banka auf Zypern, und der spätere zypriotische Präsident Papadopoulos war Anwalt dieser Bank. Aber wir konnten damals nichts nachweisen. In einem so kleinen Land können durch enge persönliche Beziehungen Spuren leicht verwischt werden. Die Zyprioten waren immer Musterknaben in den Verhandlungen. Und Griechenland hat mit der Drohung, die Osterweiterung zu blockieren, den EU-Beitritt Zyperns forciert.

Über das Steuersystem:
Zypern galt als Steueroase. Es gab damals für Offshore-Firmen einen niedrigen Steuersatz von 4,25 Prozent, für die anderen mehr als 20 Prozent. Diese Diskriminierung wurde auf unseren Druck abgestellt, indem Zypern einen einheitlichen Steuersatz bei rund zehn Prozent einführte.

Über den Euro-Beitritt Zyperns 2008:
Zypern hat alle Kriterien dazu erfüllt, und anders als bei Griechenland wurden auch keine gefälschten Daten geliefert. Später gewährten die Banken ähnlich wie in Irland oder Spanien sehr großzügig Kredite für den Kauf von Häusern und Wohnungen. Das zypriotische Bankensystem ist zudem von politischen Parteien beherrscht. Da gab es halt viel Freunderlwirtschaft. Und die hat dann auch hochspekulative Anlagen begünstigt.