Altes Eisen, neu im Kino: "Bewegungen eines nahen Bergs“

Szenenbild aus "Bewegungen eines nahen Bergs"

Szenenbild aus "Bewegungen eines nahen Bergs"

Magischer Realismus: Regisseur Sebastian Brameshuber gewährt in seinem dritten Dokumentarfilm Einblicke in eine postindustrielle Arbeiterexistenz.

Es braucht durchaus etwas Geduld, um sich diesem Film zu nähern. Einsam verrichtete Arbeit ist sein Thema, große Ruhe sein Stil, der genaue Blick seine Grundvoraussetzung. Seine Methode: ein ins Mythologische ausgebauter Naturalismus. „Bewegungen eines nahen Bergs“ kreist um eine selbstgenügsame Figur, um den Mechaniker Cliff, der als Ein-Mann-Unternehmen am Fuß des obersteirischen Erzbergs erstaunlich entspannt sein Gewerbe verrichtet. Er handelt mit gebrauchten und reparaturbedürftigen Autos, exportiert ihre Einzelteile in seine nigerianische Heimat. Der österreichische Kinodokumentarist Sebastian Brameshuber („Muezzin“, 2010; „Und in der Mitte, da sind wir“, 2014) hat zu Cliff und seiner Werkstatt – und, grundsätzlicher, zum Verhältnis von schwer arbeitenden Körpern, Raum und Metall – bereits 2014 einen feinen Kurzfilm gedreht: „Of Stains, Scraps and Tires“ hieß er. Nun hat Brameshuber dazu eine Art Feinzeichnung angefertigt: die poetisch aufgeladene Beschreibung der Existenz eines an sagenumwobenem Schauplatz werkenden Mannes.

Trailer: BEWEGUNGEN EINES NAHEN BERGS von Sebastian Brameshuber (AT/FR-2019)

In atmosphärisch starken Bildern (an der Kamera: Klemens Hufnagl) werden Außen- und Innenraum zu einer größeren Erzählung von Sehnsucht, Landschaft und Erwerbstätigkeit verbunden: im Inneren das alte Eisen der lädierten und ausgeweideten Autos, draußen die Eisenerz liefernde, oft träumerisch im Nebel abtauchende Berg- und Waldszenerie. „Bewegungen eines nahen Bergs“ zeigt Arbeitsroutinen, das tägliche Spiel mit dem alten Metall und die harten Verhandlungen mit den Kunden. Eine entschieden poetische Überhöhung ist diesem Porträt eines handfeste Arbeit leistenden Selbständigen eigen. „Die gesamte Umgebung, voll von Spuren und Erinnerungen, ist von einer Vorahnung der Vergänglichkeit durchdrungen“, sagt Sebastian Brameshuber. Wie sehr sich in seiner Arbeit Dokumentarisches und Fiktionales tatsächlich mischen, zeigen schon die ersten beiden Preise, die sein neuer Film seit der Uraufführung Mitte März 2019 gewonnen hat: Nur wenige Stunden, nachdem die Produktion bei der Grazer Diagonale die Auszeichnung für die beste Bildgestaltung (Klemens Hufnagl) im Bereich Spielfilm erhalten hatte, sprach man Brameshuber den Grand Prix des Pariser Dokumentarfilmfestivals Cinéma du Réel zu.

„Bewegungen eines nahen Bergs“ ist derzeit zu sehen im neuen Wiener Cinephilen-Hotspot Le Studio, im Innsbrucker Cinematograph, im Grazer Rechbauerkino, im Volkskino Klagenfurt sowie im Programmkino Wels.