Autor Andreas Schober über das Schreiben: "Schwein gehabt!"

Autor Andreas Schober über das Schreiben: "Schwein gehabt!"

Unterm Radar – Gespräche vom Rand des Kulturbetriebs. Der Salzburger Autor Andreas Schober, 32, über sein Romandebüt „Ein zweites Leben“, Schreiben als Vergangenheits- und Fantasiebewältigung und Jugendjahre ohne Smartphone.

„Wir waren Teil einer Zeremonie, einer Predigt, einer neuen Religion. Alte Werften, Fabrikshallen, Diskotheken, Katakomben, Tunnel, Kellergewölbe und Höhlen waren die Gotteshäuser einer ganzen Generation. XTC war der Leib Christi und Laserlicht ersetzte sanften Kerzenschein.“ Teils fiktiv, teils autobiografisch erzählt der Salzburger Autor Andreas Schober in „Ein zweites Leben“ die Geschichte eines Jugendlichen in den 1990er- und frühen Nullerjahren, der zwischen geschiedenen Eltern, durchgefeierten Nächten und unkontrolliertem Drogenkonsum zu zerbrechen scheint. Aktuell schreibt Schober an einem weiteren Romanprojekt und hat die Fortsetzung zu „Ein zweites Leben“ bereits abgeschlossen.

Interview: Philip Dulle

profil online: Liebe, Drogen, geschiedene Eltern: Ihr Roman ist eine Coming-of-Age-Geschichte im besten Sinne. Bekommen Sie Zuspruch von jungen Menschen, die das heute genau so erleben?
Andreas Schober: Der Zuspruch kommt eher von Leuten meines Alters und deren Elterngeneration. Viele Menschen in meinem Alter haben ja ähnliches erlebt und tauchen durch das Buch in ihre eigene Vergangenheit ein. Manche Eltern haben durch das Buch auch erst einen Einblick in die Welt der Jugendlichen bekommen, den sie so noch nicht kannten.

profil online: Ihr Romandebüt übertitelten Sie mit „Ein zweites Leben“. Wie fühlt sich ein zweites Leben an?
Schober: Wenn jemand so etwas erlebt wie der Protagonist in dem Roman, gibt es erst mal nur einen Gedanken: Schwein gehabt! Ein zweites Leben erlaubt einem eine bewusstere Einsicht in das Leben. Es ist nicht mehr ganz so unbeschwert, aber um einen Baustein reicher, der einen definitiv zu einem anderen Menschen macht.

profil online: Wie unterscheiden sich die 1990er-Jahre von den Zehnerjahren?
Schober: Für die Jugendlichen wahrscheinlich gar nicht allzu sehr. Jede Zeit hat ihre Bewegungen und Stile, Musikrichtungen und Stars. Für mich liegt der gravierendste Unterschied allerdings in der persönlichen Zurschaustellung. Jetzt wird mittels Smartphone, Tablet, Facebook und Twitter alles in die Öffentlichkeit getragen. In den 1990er-Jahren, der Zeit meiner Jugend, haben wir tunlichst versucht, gewisse Dinge geheim zu halten.

profil online: Braucht man als Romanschriftsteller einen gewissen zeitlichen Abstand zu den Dingen?
Schober: Wenn man autobiographisch oder auch biographisch arbeitet ist das sicher von Vorteil. Bei Texten, die der Fantasie entspringen, zählt das Hier und Jetzt.

profil online: Sie schreiben gerade an zwei weiteren Büchern: Ist Schreiben für Sie Alltagstherapie?
Schober: Nein. Eher Vergangenheits- und Fantasiebewältigung. Aber die Zeit des Schreibens ist schon so was wie eine kleine Auszeit. Andere gehen Laufen oder Radfahren um abzuschalten – ich mache das mittels des Schreibens.

profil online: Wechseln Sie zwischen verschiedenen Schreibprojekten?
Schober: Eigentlich nicht. Ich schreibe gern einen Text fertig und widme mich dann dem nächsten. Allerding habe ich viele Ideen für Bücher, wo nur ein paar Schlagworte und ein grober Rahmen der Handlung existieren. Wenn mir dann während der Arbeit an einem Buch etwas Passendes zu einer anderen Geschichte einfällt, schreibe ich das auf jeden Fall auf.

profil online: War Schreiben für Sie ein Kindheitsraum?
Schober: Nein. Ich habe mich nie sonderlich fürs Schreiben oder Lesen interessiert. Erst Anfang oder Mitte zwanzig wurde zuerst das Lesen und dann das Schreiben zur Leidenschaft.

profil online: Ist Salzburg ein guter Ort für Sie als Autor?
Schober: Ich kenne keine anderen Orte, um als Autor zu leben. Aber generell ist Salzburg so gut wie Wien oder Linz. Als junger Autor muss man gelesen werden und da ist es meiner Meinung nach egal, wo man ist. Generell ist es überall schwierig. Allerdings ist Salzburg für mich eine sehr inspirierende Stadt.

profil online: Lesen Sie sich Ihre Texte laut vor?
Schober: Ja. Zum Beispiel wenn ein Absatz fertig geschrieben ist. Auch wenn ich mit der Satzstellung oder einem Teil der Geschichte unzufrieden bin, die richtigen Worte fehlen, ist das eine sehr gute Methode, um beim Schreiben weiter zu kommen.

profil online: Der Autor als Popstar: Können Sie damit etwas anfangen?
Schober: Fragen Sie mich in ein paar Jahren in einem Paralleluniversum wieder. Wenn ich jemals einer sein sollte, werde ich diese Frage mit einem Schmunzeln beantworten können.

Andreas Schober, geboren 1982, lebt und arbeitet in Salzburg. Sein Romandebüt „Ein zweites Leben“ (Edition Tandem) ist im Herbst 2013 erschienen.