Peter "Flax" Flicker (Bass und Gesang), Thomas "Ems" Grüner (Gitarre und Gesang) und  Josef "Pepé" Schrenk (Schlagzeug)
Peter "Flax" Flicker (Bass und Gesang), Thomas "Ems" Grüner (Gitarre und Gesang) und Josef "Pepé" Schrenk (Schlagzeug)

© privat

Kultur
12/16/2019

Flowers in Concrete: „Manche Texte sind aktueller denn je"

Die steirische Hardcore-Punk-Band "Flowers in Concrete" über die Neuauflage ihres Albums "aufrecht", Altern in Würde und neue Musik.

von Stephan Wabl

Drei Dinge, die man über die steirische Kleinstadt Weiz wissen sollte:

1) Frank Stronach wurde in Weiz geboren.

2) Der Energieversorger ELIN ist in der Stadt zuhause (Notiz am Rande: Frank Stronach - damals noch Franz Strohsack - hat dort seine Lehre gemacht).

3) 1993, als dank Nirvana die wilde Musik auch die letzte steirische Dorfdisco erreicht hatte, gründete sich in Weiz die Band Flowers in Concrete und erfreute die jungen Menschen von Rudersdorf über Ilz bis Graz mit ihrem Hardcore-Punk. Flowers in Concrete, das war damals Seattle, New York, Washington DC und Los Angeles verdichtet in einer steirischen Kleinstadt mit vier Buchstaben. Und alle waren froh, dass was los war.

Und jetzt schummel ich ein bisschen und füge noch einen Punkt hinzu:

4) Weiz ist auch die Heimatstadt des DIY-Labels Numavi Records, das seit der Jahrtausendwende die Tradition des gepflegten Undergroundsounds - man könnte ihn auch Smartcore nennen - weiterträgt.

Nun haben sich Punkt drei und vier, also Flowers in Concrete und Numavi Records, zusammengetan, und gemeinsam ein Album veröffentlicht. Also genau genommen hat Flowers in Conrete das Album schon vor 20 Jahren veröffentlicht. Es heißt "aufrecht" und wurde 1999 von den damaligen Labelpionieren Sacro Kaabalismo und Jurassic Punk veröffentlicht.

Numavi Records hat die Platte nun remastered herausgebracht. Und Flowers in Concrete feiern dieses Jubiläum mit zwei Shows am Jahresende. Frank Stronach und die ELIN spielen keine Rolle auf dem Album. Zumindest nicht vordergründig. Aber Fragen zur Politik und Solidarität in Zeiten beinharter wirtschaftlicher Konkurrenz waren damals auch schon Thema. Der Rest? The daily struggle zwischen Weiz und Seattle.

profil hat mit Josef "Pepé" Schrenk (Bass), Thomas "Ems" Grüner (Gitarre) und Peter "Flax" Flicker über das Erbe von damals, die Platte von heute und die Zukunft von morgen gesprochen.

profil: Im Rockarchiv Steiermark steht unter dem Eintrag über eure Band: „Flowers in Concrete (1993 bis 2002) waren ein sehr umtriebige und innovative Hardcore- bzw. Punkband und waren für viele jüngere MusikerInnen ein maßgeblicher Einfluss." Wie liest sich das für euch? Flowers in Concrete: Unser Anteil an dieser Aussage ist eher gering. Wir waren zwar umtriebig und innovativ, aber nur eine von vielen großartigen Bands in der Steiermark, die nachfolgende Musiker*innen beeinflusst haben. Die Szene in den 1990ern war sehr vielfältig und bunt gemischt, was „laute, harte“ Musik mit verzerrten Gitarren anbelangte. Da war eigentlich alles dabei: von Rock bis Punk, von Heavy-Metal bis Hardcore und von Industrial bis Grind und Noise. Die Bands wirkten alternierend aufeinander ein und befruchteten sich wechselseitig.

profil: Das „aufrecht"-Album wurde nach 20 Jahren wieder neu aufgelegt. Was ist bei dem Album gut gealtert? Was schlecht? Flowers in Concrete: Dank der lieben Menschen von Numavi Records und Viktor Knebl von den „Deadends“, der das Album remastered hat, ist die „aufrecht“ zum 20. Geburtstag frisch nachgepresst worden. Zuvor hat es aber doch die Überlegung gegeben, die ganze LP überhaupt neu abzumischen, damit der Grundsound (ob der damals etwas chaotischen Umstände der Aufnahmen) hierfür „sauberer und fetter“ wird. Dann haben wir uns aber doch dazu entschlossen, den Charakter des Albums beizubehalten und das Ganze durch das Remastern einfach nur„aufzublasen“. Da könnte man dann sagen, dass der Sound nicht so gut gealtert ist. Im Gegensatz dazu sind einige Songs in Würde älter geworden, weil man die Dynamik und die Spielfreude von damals gut spürt. Manche Nummern sind sogar eher zeitlos, andere Songs wiederum sind gar nicht gealtert, die sind vom Text her aktueller denn je!

Soulside

profil: In Graz gibt es aktuell im Museum der Geschichte eine Ausstellung mit dem Titel „Pop 1900-2000. Populäre Musik in der Steiermark". Im letzten Teil kommt auch „Flowers in Concrete" vor. Wie sehr lastet die Geschichte auf euren Schultern? Flowers in Concrete: Last verspüren wir keine, wir haben ja keinen Druck oder etwas zu verteidigen. Es ist aber schön, irgendwie ein Teil des großen Ganzen zu sein. Und wie schon erwähnt, gab's da noch viele wunderbare Bands, die sich ebenfalls ein Platzerl in dieser Galerie verdient hätten. Wir haben gar nicht gewusst, dass wir dort vertreten sind. Wir haben aber auf alle Fälle noch vor, dass wir uns die Ausstellung ansehen.

Back in the Day

profil: Eure Heimatstadt Weiz wird gern als Punk City bezeichnet. Bei euch steht WEIZ für: Flowers in Concrete: Eigentlich müssten wir sogar „Metal-Noise-Punk-Core-City“ zu Weiz sagen...

W... WIRT. Ein ganz wichtiger Bestandteil der musikalischen Entwicklung in Weiz ist unser Stammwirt Luis (Cafe Loder, seit den 1960ern). Beim Luis gab und gibt es natürlich noch immer eine Musikbox, quasi einen Wurlitzer, gefüllt mit wunderbaren alten „Hodan“. Die Palette reicht von den Beatles über Hendrix und Deep Purple über Led Zeppelin bis hin zu Metallica. Es gehört irgendwie zur Sozialisierung jeder/jedes Jugendlichen in Weiz dazu, sich früher oder später beim Luis einzufinden und mit dieser „härteren“ Musik konfrontiert zu werden. Mittlerweile hat Luis Loder junior - oder „der Miniluis“ wie wir zu sagen pflegten - das legendäre Beisl übernommen und das harte musikalische Angebot Zug um Zug ausgebaut.

E... EXTREM. Durch diesen Nährboden „Luis“ und später durch die „Music-Hall“ (Musik-Konzert und Cafebetrieb 1990-1996) ergab es sich in Weiz, dass die Bands wie die Schwammerln aus dem Boden schossen. Ende der 80er- und den frühen 90er-Jahren entstanden mehr als 50 Bands mit einer extremen Diversität an Sounds bzw. Musikstilen. Von Rock über Blues bis zu Grindcore reichte die Bandbreite (Achtung Wortspiel!). Auch über die 2000er-Jahre hinaus entwickelten sich weitere musikalische Formationen. Einige Musiker*innen von damals sind auch heute noch - oder wie in unserem Fall wieder - aktiv.

I... INSPIRATION. Durch die zahlreichen Bands, die sich im Großen und Ganzen freundschaftlich, respektvoll und wertschätzend begegneten, kam es natürlich auch zu einem gegenseitigen Einfluss innerhalb der unterschiedlichsten Musikstile. So ist dann zum Beispiel auch irgendwie unser Song „Die Maschine mit dem Ping“ (letzter Track auf dem „aufrecht“-Album) entstanden…Punk meets Reggae!

Z... ZEHNTAUSEND. Hier sind natürlich nicht die üblichen oberen Privilegierten gemeint, sondern, dass Weiz eine Stadt mit rund 10.000 Einwohner*innen ist. Und für so eine mittelgroße Provinzstadt, in der jede/r jeden kennt, ist es nicht üblich, dass es so viele Bands gab bzw. gibt. Die Menschen, die früher schon zum Luis oder in die „Hall“ gegangen sind, trifft man auch immer wieder und überall dort, wo es gute Musik zu hören gibt. Der Zusammenhalt in der Szene ist auch nach wie vor gegeben, wie das Music-Hall-Revival-Fest „Legends of the Hall“, das mit fast 700 Menschen restlos ausverkauft war, im Jahre 2017 eindrucksvoll bewiesen hat. Nun heißt es aber auch dranbleiben, damit auch die jüngste „Fortgeh-Generation“ in die Punk-City eingebunden werden kann.

Alles neu

profil: Was erzählt uns "Flowers in Concrete" im Jahr 2020? Flowers in Concrete: Nach einer 15-jährigen Auszeit wieder ein Konzert zu spielen, war gar nicht so schwer, wie wir im Vorhinein angenommen haben. Es hat bereits bei der ersten Probe nach so langer Zeit sofort wieder Spaß gemacht, gemeinsam zu musizieren. Natürlich mussten wir zuerst unsere „alten Songs“ wieder auf die Beine stellen, damit wir überhaupt ein Programm haben. Und aus einem Konzert sind mittlerweile auch schon wieder 18 Konzerte geworden. Es macht noch immer Freude! So sehr, dass schon wieder ein paar neue Songs entstanden sind. Diese neuen Lieder haben wir nun Ende November 2019 mit Mario (Numavi Records) im Grazer S.T.R.E.S.S.-Studio aufgenommen und werden sie im Frühjahr in Form einer Split-LP (Vinyl und digital) mit unseren alten Freunden von „Dim Prospects“ aus Wien auf „Noise Appeal Records“ veröffentlichen. Also auf, auf zu neuen Ufern und auf zum einen oder anderen Konzert!

CU there!!!

20. Dezember, EKH Wien Flowers in Concrete "aufrecht" remastered 20 Jahre-Jubiläum

21. Dezember, Volkshaus Weiz Flowers in Concrete "aufrecht" remastered 20 Jahre-Jubiläum

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