"Gatekeeper": Neues vom Psycho-Prekariat

Szenenbild aus "Gatekeeper"

Szenenbild aus "Gatekeeper"

Kunstszenenkomödie und Migrationsdrama: Lawrence Tooleys exzentrische Allegorie „Gatekeeper“ ist im Wiener Metro-Kino zu sehen.

Minutenlang versucht eine überforderte Frau, einen leblosen männlichen Körper durch ihre Wohnung zu ziehen. So beginnt „Gatekeeper“, unvermittelt und leise verstörend. Der junge Rumäne ist am Boden, in jeder Hinsicht – ein schwer Traumatisierter, der von den Schockerfahrungen, die er als Arbeitssklave und Opfer von Menschenhändlern machen musste, heimgesucht wird. Eine reiche Galeristin (Loretta Pflaum) beherbergt und verführt ihn, aber die Beziehung bleibt problematisch.

Thriller- und Noir-Versatzstücke

Der in Texas geborene Wahlwiener Lawrence Tooley, der 2010 mit dem ungewöhnlichen Berlin-Thriller „Headshots“ auf sich aufmerksam gemacht hat, arbeitet im Indie- und Low-Budget-Bereich. Im Wiener Metro-Kino, wo er nun bis inklusive 16.10. zu sehen ist, gibt man Tooleys „Gatekeeper“, diesem kleinen, aber zu Unrecht übersehenen österreichischen Film – den der Regisseur gemeinsam mit Loretta Pflaum geschrieben und produziert hat – nun mit zweieinhalb Jahren Verspätung eine Chance. Er ist aus Thriller- und Noir-Versatzstücken gebaut, hat Anflüge eines Eifersuchtsdramas, sogar ein paar verquere Screwball-Momente zu bieten. In stilisierten Sequenzen, elegant fotografiert von Tom Jide Akinleminu, wird zu modernistischer Musik (Salvatore Sciarrino, Manfred Stahnke, John Zorn) das psychisch prekäre Leben der Heldin detailliert. Zu den stärksten Momenten gehören die Auftritte ihrer hochneurotischen Horrorschwester (Antje Hochholdinger); unter der Oberfläche eines sich auf Kafka berufenden Sozialkritik- und Kunstprojekts zeichnet sich in „Gatekeeper“ eine gar nicht so heimliche Comedy ab.