Heumarkt: Der Status quo in der Kampfzone

Heumarkt: Der Status quo in der Kampfzone

Der Streit um die Neubebauung des Wiener Heumarkts spitzt sich weiter zu. Dabei geht es um gute Architektur, hohe private Investitionen in die Stadt – und eine verzichtbare Weltkulturerbe-Debatte. Neun Betrachtungen zum Status quo in der Kampfzone.

DIE GEPLANTE ARCHITEKTUR: HEUMARKT NEU - WELTERBE ADE?

Eher nüchtern ist der Entwurf, den der brasilianische Architekt Isay Weinfeld für das Areal am Wiener Heumarkt konzipiert hat: Er besteht aus einer Scheibe, einem 66 Meter hohen Turm und einem verbindenden Sockel. Bauliche Probleme bringt vor allem das Hochhaus mit sich: Um Platz für den Turm zu schaffen, muss die Fläche, die der Wiener Eislaufverein einnimmt, gedreht und in den Straßenraum erweitert werden. Zudem ist der Turm zu hoch - wenigstens für die Unesco. Sie hat der Stadt Wien bereits mehrfach mit dem Entzug des Weltkulturerbe-Siegels gedroht. Inzwischen wurde die geplante Höhe des umstrittenen Hauses um sieben Meter reduziert. Dies dürfte der Unesco, wie man hört, kaum genügen. Die Aberkennung des touristisch gut nutzbaren Welterbe-Labels droht.

WARUM WILL WIENS REGIERUNG EIN DERART KONTROVERSIELLES PROJEKT?

Wann genau sich das Blatt gewendet hat, kann heute niemand mehr sagen. Noch vor wenigen Jahren waren grüne wie rote Stadtpolitiker darüber empört, dass ein öffentliches Grundstück mitten in der Stadt verkauft werden sollte; über dunkle Geschäfte am Rande der Korruption wurde damals ebenso spekuliert wie über die Zukunft des traditionsreichen Eislaufvereins, der den geplanten Bauten womöglich weichen sollte. Heute spricht die rot-grüne Regierung vom "sozialen Mehrwert", den das Heumarkt-Projekt biete, allein die Sicherung und Runderneuerung des Eislaufvereins durch das Immobilien-Unternehmen Wertinvest erspart der Stadt rund 30 Millionen Euro. Die Infrastruktur des alteingesessenen Wiener Vereins soll erneuert und um eine unterirdische Eislauf- sowie eine Turnhalle erweitert werden.


Um dies alles finanzieren zu können, braucht es den Wohnturm

Planungsstadträtin und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou betont, das oberste Ziel der Stadt Wien sei die existenzielle Sicherung des Eislaufvereins. Zudem sollen das in die Jahre gekommene Hotel Intercontinental modernisiert sowie ein attraktiver öffentlicher Raum und neue Gehverbindungen geschaffen werden. Die aktuellen Planungen versprechen all dies und stellen fraglos, verglichen mit dem gegenwärtigen Zustand, eine Verbesserung dar. Doch warum ist dieses Hochhaus nötig, noch dazu für Luxuswohnungen? "Um dies alles finanzieren zu können, braucht es den Wohnturm", sagt Vassilakou. "Die Kostenkalkulation ist schlüssig, es geht um beträchtliche Summen, die von Wertinvest hier eingebracht werden." Tatsächlich will Investor Michael Tojner insgesamt 210 Millionen Euro in die Neugestaltung des Areals stecken.

Kritik an der Höhe des Turms weist die Chefin der Wiener Grünen zurück: "Das Grundstück ist bereits ein Hochhausstandort; auch das Hotel Intercontinental ist ein Hochhaus." Doch der Stein des Anstoßes sind eben nicht die 43 Meter Höhe des Hotels , sondern der 66 Meter hohe Turm, für den der Flächenwidmungsplan geändert und mit der Unesco gestritten werden muss. Nachdem das Wettbewerbsergebnis Anfang 2014 bekannt geworden war, ließ die Stadt Wien ihr Hochhauskonzept überarbeiten und erstellte einen Masterplan für das Glacis. Im alten Hochhauskonzept wäre in der Kernzone des Weltkulturerbes kein Hochhaus möglich gewesen; seit 2014 ist es nun erlaubt, wenn ein "außerordentlicher Mehrwert für die Öffentlichkeit" gegeben sei.

HEUMARKT IN DER FERNE, GESEHEN AUS DEM OBEREN BELVEDERE Variation auf den Canaletto-Blick.

HEUMARKT IN DER FERNE, GESEHEN AUS DEM OBEREN BELVEDERE Variation auf den Canaletto-Blick.

LOTTERIESPIEL, REVITALISIERUNG ODER ZU VIEL SALZ IN DER SUPPE: DIE ERHITZT GEFÜHRTE DEBATTE IN DER BRANCHE.

Während die Freunde des Projekts sich über Revitalisierung, neue Infrastruktur und öffentlichen Platz freuen, fordern dessen Gegner weiterhin den sofortigen Projektstopp. Die Architekturszene ist - wie die Allgemeinheit - gespalten. Doch machen sich die Befürworter des Weinfeld-Entwurfs zunehmend rar. Die meisten von ihnen äußern sich dieser Tage nur noch zurückhaltend zu den städtebaulichen Aspekten, verweisen lieber auf den aufwendigen, sich über fünf Jahre hinziehenden Entwicklungsprozess.

Als Michael Tojner 2012 den sogenannten "kooperativen Planungsprozess" mit zahlreichen Experten aus den Bereichen Stadtplanung und Architektur ins Leben rief - man entwickelte in Absprache mit den Nutzern, dem Investor und der Stadt Bebauungsstudien für den Heumarkt -, blieben sämtliche Architektenverbände und namhafte Experten wie Friedrich Achleitner, Hermann Czech, Friedrich Kurrent und Dietmar Steiner skeptisch bis ablehnend. Ihre Bedenken äußerten sie 2013 in einem offenen Brief an Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou. Alle Architekturinstitutionen und viele der am kooperativen Verfahren beteiligten Experten verwehrten sich damals gegen Visualisierungen, die der Investor als Ergebnis jenes Prozesses publik gemacht hatte: Sie zeigten ein Hotelgebäude und einen Turm, nicht unähnlich dem jetzigen Siegerprojekt. Man forderte die Stadt auf, einen Wettbewerb erst dann auszuschreiben, wenn es genug Erkenntnisse zu der für das Grundstück verträglichen Kubatur und Höhenentwicklung gebe - und wenn die Frage geklärt sei, ob der Hotelbau abgerissen werden müsse. Auch die Architektenkammer warnte vor einem "Lotteriespiel", das gegeben sei, "wenn solche Vorgaben vage oder wie in diesem Verfahren zum Teil nicht vorhanden sind".

Der zweistufige internationale Wettbewerb wurde 2013 dennoch ausgeschrieben, und mit Weinfelds Vorschlag gewann ein Entwurf, der für den Erhalt des Intercontinental plädierte. Üblicherweise sind die Ergebnisse ordnungsgemäß durchgeführter Architekturwettbewerbe in der Szene sakrosankt. Für den Heumarkt scheint diese ungeschriebene Regel nicht zu gelten, und das hat damit zu tun, dass die heftige Kritik seitens der Fachwelt schon vor der Ausschreibung aufgekommen war - und seither nicht verstummt ist. Zudem wurde die logische Weiterentwicklung des Bestandes mit Turm und Sockel, von der die Jury überzeugt war, bald ad absurdum geführt, da sich im Lauf der weiteren Planung herausstellte, dass das Hotel in so schlechtem Zustand sei, dass es abgetragen und neu errichtet werden müsse. Die fehlende Höhenbegrenzung erlaubte der Jury außerdem, Entwürfe außerhalb der bestehenden Flächenwidmung und der von der Unesco eingeforderten Maximalhöhe von 43 Metern zu nominieren. Diese Höhenregelung ist derzeit die einzig messbare Größe in der Diskussion, weshalb sich sämtliche Kritiker auf Einhaltung dieser Rahmenbedingung berufen. In ihren Petitionen fordern die Österreichische Gesellschaft für Architektur, IG Autoren und IG Kultur, die Initiativen Stadtbildschutz und Denkmalschutz sowie andere Organisationen unisono eine Reduktion der Baumasse und Bauhöhe, keine Hochhäuser für private Nutzungen und ein mit dem Welterbe verträgliches Projekt.


Die bleibt versalzen, auch wenn viele Köche daran gearbeitet haben. Und sie wird nicht besser, wenn man immer weiter daran kocht.

Im Falle eines Neustarts wären die vielen bisherigen Entwicklungsschritte umsonst gewesen. "Mit dem Heumarkt-Projekt ist es wie mit einer versalzenen Suppe", sagt der Architekturkritiker Christian Kühn im profil-Gespräch. "Die bleibt versalzen, auch wenn viele Köche daran gearbeitet haben. Und sie wird nicht besser, wenn man immer weiter daran kocht." Er ist überzeugt, dass eine Neuplanung, bei der alle bisherigen Erkenntnisse genützt werden, rasch zu guten Ergebnissen führen würde.

Von einem Einlenken ist die Stadt Wien aber weit entfernt. Man arbeitet an der Genehmigung der neuen Flächenwidmung. Um Weinfelds Projekt realisieren zu können, muss das Grundstück für eine höhere Bebauung umgewidmet werden. Zudem soll eben eine Teilfläche des Eislaufvereins für den Bau des Wohnturms genutzt werden. Da die oberirdische Eisfläche aber ausreichend groß bleiben soll, wird sie um 90 Grad gedreht und in den Straßenraum der Lothringerstraße erweitert. Hierfür muss der Straßenverlauf geändert werden -und der Eislaufverein einen Teil des öffentlichen Raumes wie einen Schanigarten von der Stadt für die winterliche Nutzung anmieten.

DRAHTZIEHER AM HEUMARKT: DER INVESTOR MICHAEL TOJNER BEZWEIFELT DIE ARGUMENTE DER UNESCO UND STILISIERT SICH ZUM STADTGESTALTER.

Als Heuschrecke lässt er sich ungern bezeichnen. Michael Tojner sieht sich vielmehr als Wohltäter; er sei stolz darauf, die Stadt mit seinen Investitionen und einem "architektonisch anspruchsvollen Projekt" zu bereichern und zu modernisieren, von seiner teuren Mission ist er überzeugt. 210 Millionen Euro will er in den neuen Heumarkt investieren, auch um anschließend in den Genuss der Rückflüsse aus den Luxuswohnungen zu kommen, die er in dem umstrittenen Hochhaus unterbringen wird. Die Argumentation der Unesco hält er für konservativ und gegenstandslos, da Wien das Etikett Weltkulturerbe zwar verdiene, aber nicht benötige -und die Unesco selbst hochgradig inkonsequent handle. Der gebürtige Niederösterreicher, 51, Chef des Immobilienentwicklungsgruppe Wertinvest und des Schweizer Industrie-Konglomerats Montana-Tech, gilt als Experte in Sachen Risikokapital, vom Finanzunternehmer hat er sich zum Industriellen entwickelt. Der promovierte Jurist und Betriebswirt ist im Vorstand der Industriellenvereinigung ebenso vertreten wie im Aufsichtsrat des Dorotheums.

ROTE LISTE DROHT: BRAUCHT WIEN DEN STATUS WELTKULTURERBE?

Auf der Liste der Weltkulturerbe-Stätten ist Wien zwei Mal vertreten: seit 2001 mit Schloss und Park Schönbrunn -und seit 2011 auch mit dem historischen Stadtzentrum, weil dieses in "seiner Geschlossenheit und seiner historisch gewachsenen Stadtstruktur zu den schönsten und bedeutendsten Stadtdenkmälern Europas" zähle. Zum historischen Kern gehören neben der Inneren Stadt auch das Glacis und das Belvedere. Das Heumarkt-Projekt berührt daher die Kernzone des Weltkulturerbes.


Es war von Anfang an klar, dass kein Hochhaus in die Zentralachse des Belvedere gesetzt werden darf

Die Stadt Wien wurde übrigens für die Weltkulturerbe-Liste nicht nominiert oder vorgeschlagen, sie hat sich, wie es den Unesco-Regeln entspricht, aktiv darum beworben. Mit der Unterzeichnung der Welterbe-Konvention hat die Stadt sich dazu verpflichtet, seine eigenen Kulturstätten zu schützen und zu erhalten. Icomos, der internationale Rat für Denkmalpflege, überprüft für die Unesco regelmäßig den Zustand der schützenswerten Orte. "Es war von Anfang an klar, dass kein Hochhaus in die Zentralachse des Belvedere gesetzt werden darf", erklärt Wilfried Lipp, Präsident von Icomos Austria, auf profil-Anfrage zum Bauvorhaben am Heumarkt. "Es ist schwer nachvollziehbar, dass sozialdemokratische Politik in Verknüpfung mit grünen Ideen ein Projekt wie dieses so bedingungs- und hemmungslos unterstützt." Lipp ist überzeugt davon, dass auch ein mit dem Weltkulturerbe vereinbares Projekt an diesem Ort möglich ist. Die Unesco wird im Juli darüber befinden, ob sie das Weltkulturerbe durch das Hochhausprojekt, die geplante Aufstockung neben der Karlskirche und die weitere Entwicklung auf dem Glacis gefährdet sieht - und Wien auf die rote Liste setzen will.

KLEINE RÜCKBLENDE: DIE MERKWÜRDIGEN VERFLECHTUNGEN RUND UM DEN VERKAUF DES HEUMARKT-AREALS.

2007 wurde ruchbar, dass der alte, sich in Auflösung befindliche Stadterweiterungsfonds, gegründet 1858, sein Grundstück am Wiener Heumarkt veräußern werde. Die Empörung bei Wiens Sozialdemokraten und den Stadt-Grünen war groß. In einer Gemeinderatssitzung vom Februar 2008 klagte der damalige Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SPÖ), dass der Fonds "in einer etwas merkwürdigen Art und Weise, ohne (...) Kontakt mit der Stadtpolitik aufzunehmen", Kaufinteressenten für das Areal gesucht und diese "glauben gemacht" habe, dass eine Umwidmung stattfinden werde. Dies jedoch widerspreche den Wiener Bauvorschriften. Denn "unmittelbar am Rande des Weltkulturerbes (...), in einer Schutzzone" sei es "undenkbar, Hochhäuser zu errichten". Schon 2008, als das Grundstück verkauft wurde, kamen Gerüchte auf, dass dem Käufer signalisiert worden sei, es könne auf dem Grundstück innerhalb von zehn Jahren zu einer Umwidmung für Hochhäuser kommen. Schicker sicherte deshalb zu, einen Baustopp für das Areal zu verhängen.

Drei Monate später wurde der Fall Heumarkt auf Antrag der Grünen im Wiener Gemeinderat debattiert. Schicker fand erneut beruhigende Worte: "Wir haben in Reaktion auf die Gerüchte, dass dieses Areal verkauft werden soll - denn öffentlich gemacht wurde das ja nicht vom Wiener Stadterweiterungsfonds - zusätzlich die Bausperre für dieses Gebiet beantragt, um klarzumachen, dass die Stadt Wien nie und nimmer beabsichtigt, diesen Platz für Hochbauten irgendwelcher Natur freizugeben." Noch am selben Tag wurde der umkämpfte Rayon verkauft. Für einen Preis, den der Rechnungshof 2012 als zu niedrig kritisierte, in einem Vergabeverfahren, das nach Ansicht der Prüfer gestoppt gehört hätte.

Als der Stadterweiterungsfonds 2008 seine letzten Grundstücke, darunter auch das Eislaufvereinsareal, abstieß, wurde dieser von Alexander Janda geleitet, einem ehemaligen Referenten des ÖVP-Klubs. Für das 10.000-Quadratmeter-Grundstück beim Stadtpark meldeten sich neun Kaufinteressenten, darunter der Eislaufverein selbst, dessen Pachtvertrag für die Liegenschaft bis 2058 läuft. Der Verein bot rund eine Million Euro, die Stadt einen symbolischen Betrag. Janda bestand laut Berichten in der Tageszeitung "Die Presse" auf dem marktüblichen Preis von 1000 Euro pro Quadratmeter, also rund 10 Millionen Euro.

Im Bieterverfahren lag das höchste Angebot bei neun Millionen Euro, dennoch bekam die eigens gegründete GmbH "Buntes Wohnen", Tochtergesellschaft einer gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft, die 2012 wegen fragwürdiger Geschäfte den Status der Gemeinnützigkeit verlor, den Zuschlag. Für nicht einmal die Hälfte: 4,2 Millionen Euro. Im Juli 2008 beschloss der Stadterweiterungsfonds auf Vorschlag Jandas, das Gros des Verkaufserlöses an Institutionen zu spenden - den Löwenanteil erhielten katholische Einrichtungen, wofür Janda und drei weiteren Mitarbeitern des Innenministeriums später päpstliche Orden verliehen wurden. Eine Million ging an den Integrationsfonds, dessen Geschäfte Janda selbst führte. 100.000 Euro bekam eine private Bildungsinstitution - die Austria-American Institute of Education - ein Verein, bei dem Janda zu jenem Zeitpunkt Obmann war.

2011 hieß die "Buntes Wohnen"-GmbH im Firmenbuch plötzlich "Entwicklungs-GmbH" - und 2012 hatte sie vier neue Eigentümer. Der Mehrheitseigentümer: Michael Tojner mit seiner Wertinvest. Wie viel er dafür gezahlt hat, ist nicht bekannt. Im März 2012 übernahm der Immobilienentwickler Tojner um rund 50 Millionen Euro auch das renovierungsbedürftige Hotel Intercontinental. Die Minderheitsanteile an der "Entwicklungs-GmbH" hält eine Andreas Adami-Privatstiftung; ein Anteil gehört Thomas Gruber, der auch Geschäftsführer der "Lothringerstraße 22 Projektentwicklungs GmbH" ist. Die restlichen 15 Prozent gehören einer Privatstiftung des ehemaligen FPÖ/BZÖ-Politikers Detlev Neudeck. Das Trio Adami, Gruber und Neudeck war in anderen Konstruktionen bereits bei Geschäften im Zusammenhang mit der Skandalbank Hypo-Alpe-Adria aktiv. Sie erwarben in Kroatien um einen Spottpreis Grundstücke, die, sobald diese in Bauland umgewidmet waren, mit großem Gewinn weiterverkauft wurden. Derzeit ermittelt die Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Leiter des Stadterweiterungsfonds .

GRÜNE NOT: KORRUPTION? SPEKULATION? URABSTIMMUNG!

Der grüne Nationalratsabgeordnete Wolfgang Zinggl, der sich als Gegner des Heumarkt-Projekts engagiert, erinnert sich, dass sich bei den Grünen mit dem Tojner-Engagement schon vor Jahren Skepsis breitgemacht hatte. Die Betreiber des Eislaufvereins waren anfangs ebenfalls alarmiert. Es wird berichtet, dass Funktionäre des Vereins vom Büro der Vizebürgermeisterin mit Terminwünschen vertröstet wurden -und als es schließlich zu einem Treffen kam, saß man nicht der Stadträtin, sondern dem Grünen Christoph Chorherr gegenüber, der sich bis heute energisch für das Wertinvest-Projekt starkmacht. Inzwischen hat die Tojner-kritische Fraktion der intern in dieser Frage heftig zerstrittenen Grünen eine Urabstimmung unter ihren Mitgliedern initiiert. Die Ergebnisse sollen Ende April vorliegen. Zinggls Parteikollege Peter Pilz nennt Tojner einstweilen auf Facebook einen "Spekulanten" und attestiert dem Bauplatz "eine lange Geschichte von Korruption und Schiebung". Die Wiener Grünen sollten jetzt, "im letzten Moment, die Notbremse ziehen". Daher stimme auch er "bei unserer Mitgliederbefragung mit Nein".

Bei der Landesversammlung der Grünen im November 2016 - das oberste Gremium der Grünen in Wien - beschloss die Mehrheit der Stimmberechtigten, dass der Status der Wiener Innenstadt als Weltkulturerbe erhalten bleiben solle. Bei der kleineren Landeskonferenz im Jänner 2017 allerdings wurde beschlossen, dem Projekt und der dazu nötigen Umwidmung die Zustimmung zu gewähren. Darüber wird im Gemeinderat vermutlich im Frühsommer abgestimmt werden. Der Widerspruch zwischen den beiden Beschlüssen war am Ende der Grund für die Einleitung der Urabstimmung.