Neue Alben: Joanna Newsom, Deerhunter

Joanna Newsom: Divers

Joanna Newsom: Divers

Musik als Überlebenselixier und Kammerspiel: profil unerhört bespricht die wichtigsten CDs der Woche.

Deerhunter: Fading Frontier (4AD)

„I was born already to the cross“, singt Bradford Cox im Song „Snakeskin“ und gibt die Marschrichtung seines neues Deerhunter-Albums „Fading Frontier“ schon mal eindringlich vor. Cox, der auch als Solokünstler (Atlas Sound) wunderbar entrückte Alben veröffentlicht, feiert mit seiner Band Deerhunter den Power-Pop als trauriges Kammerspielt; gibt Einblicke in sein Seelenleben (Cox laboriert an einer seltenen Bindegewebs-Krankheit), spielt sich von den psychedelischen Siebzigern zu einem One-Hit-Wonder der Achtziger, ist klassischer Gitarrenschrammler und verliert sich nur zu gern in aktuellen Elektro-Puzzleteilen. (6.9/10) Ph. D.

Deerhunter - Snakeskin

Joanna Newsom: Divers (Drag City)

Musik als Überlebenselixier: Die wunderbare kalifornische Folk-Sängerin Joanna Newsom (33) hat jetzt ihr neues, viertes Album veröffentlicht. Und „Divers“, wie das wunderbare Stück Popmusik heißt, ist das Eintauchen in eine geheimnisvolle und bezaubernde Klangexpedition. Das eigensinnige Hippiekind, dass sich ihr aktuelles Video („Sapokanikan“) von Regiequerkopf Paul Thomas Anderson anfertigen ließ, stellt auf ihren elf neuen Stücken ihre Harfenklänge in den Hintergrund, spielt Klavier und Gitarre, Trompete und steigert sich stimmlich in ungeahnte Höhen und Tiefen. Ihr erstes Album seit dem opus magnum „Have One On Me“ (2010) bewegt sich taumelnd und tänzelnd durch Avantgarde-Pop und Indie-Folk, Klassik und Country, grüßt zu Chamberpop und Glockenspiel und versucht erst gar nicht, sich musikalisch einordnen zu lassen. Joanna Newsom, diese Wunderfrau des Pop, schenkt uns ein Album des Jahrzehnts. (9.1/10) Ph. D.

Joanna Newsom - "Sapokanikan"