Neue Alben: Wilco, Andreas Spechtl (Sleep) und Samantha Crain

Andreas Spechtl schläft auf seinem Soloalbum gerne und viel (Sleep: Sleep)

Andreas Spechtl schläft auf seinem Soloalbum gerne und viel (Sleep: Sleep)

Eine Wunderpackung Schlaf, sanfte Protestlieder, Rock’n’Roll und Klappe zu: profil unerhört bespricht die wichtigsten Alben der Woche.

Sleep: Sleep (Staatsakt/Caroline)

Die Welt ist ungerecht. Bei all dem Bilderbuchwanda-Dauerfeuer ist es um die nach Berlin übersiedelte Artrockband Ja, Panik im letzten Jahr doch recht ruhig geworden. Sänger Andreas Spechtl hat die Post-Album-Tour-Zeit nach ihrem Kritikererfolg „Libertatia“ aber nicht nur für einen ausgedehnten Schlaf genutzt, sondern auch gleich sein erstes Soloalbum veröffentlicht. „Sleep“, wie das Albumprojekt folgerichtig heißt, mäandert auch musikalisch zischen Dubstep, Jazz-Versatzstücken und Postpunk. So führt Spechtls assoziative Traummalerei den Künstler nicht nur in die Weiten des nächtlichen Berlins, sondern auch nach Uganda, wo er kleine Teile seiner Songs eingespielt hat; auch ein spanisches Lullaby hat der gebürtige Burgenländer geschickt eingestreut. „Sleep“ ist eine Wunderpackung im besten Sinne: kaum ein heimischer Musiker beherrscht die Kunst eskapistischer Popmusik so versiert wie Andreas Spechtl und führt den Hörer in eine schlafwandelnde Welt, in der jeder Traum greifbar nahe, aber unendlich weit entfernt scheint. (8.2/10) Ph. D.

Sleep: Sister Sleep

Samantha Crain: Under Branch & Thorn & Tree (Full Time Hobby)

Die junge Sängerin aus Oklahoma singt Protestlieder - auch wenn sie das so nicht sagen würde. Klar ist jedenfalls: Crain hat Anliegen. Sie singt über Diskriminierung, die Mühsal der an den Rand gedrängten Amerikaner und das Aufbegehren und Begehren von einsamen Großstadt- und Landbewohnern. Verpackt wird das Ganze in feiner Folk-Musik, verschnürt mit sanfter Stimme und verschickt mit einer unaufgeregten, aber einnehmenden Dringlichkeit. Derart herzlich, gleichzeitig eindringlich und mitunter auch tanzbar hat Protestmusik schon lange nicht mehr geklungen. (7.5/10) S. W.

Samantha Crain - Killer

Wilco: Star Wars (self released/Anti)

Ein Geschenk an die Fans: Jeff Tweedy und seine Band Wilco haben über Nacht ein neues, unangekündigtes Album auf der bandeigenen Website zum freien Download veröffentlicht. Ein guter Schachzug, vor allem, da „Star Wars“ nur eine begrenzte Zeit gratis zur Verfügung stehen wird und die richtigen Fans schon sehnsüchtig auf die Vinyl- oder CD-Version warten dürften. Dabei spielt Wilco vier Jahre nach dem letzten Studioalbum nicht nur optisch mit den Geek-Themen catcontent (Cover) und Filmfranchise (Titel), sondern führt ihren unverkennbaren Americana-Stil, der gerne etwas uninspiriert als Alternative-Country-Rock bezeichnet wird, auch bewusst Richtung widerborstigen Gitarrengeschrammel. Rock’n’Roll und Klappe zu. (7.4/10) Ph. D.

Wilco - Star Wars