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Kultur
02/07/2020

"Parasite" als großer Gewinner: Das war die Oscar-Verleihung 2020

Großer Gewinner der 92. Academy Awards war die südkoreanischen Sozialsatire "Parasite" von Regisseur Bong Joon-ho - konnte der Film doch vier seiner sechs Nominierungen in Preise ummünzen.

Die "Fantastic Four" gehen in der Nacht von Sonntag auf Montag als dynamisches Favoritenquartett ins Rennen um die 92. Oscars, die in Hollywood verliehen werden. An der Spitze des Feldes steht Todd Phillips' "Joker" mit 11 Nennungen - Martin Scorseses "The Irishman", Sam Mendes' "1917" und Quentin Tarantinos "Once Upon A Time... In Hollywood" mit je 10 Siegchancen dicht auf den Fersen.

Das Favoritenquartett ist nicht nur jeweils in der Sparte Bester Film vertreten, sondern auch bei der Kategorie Beste Regie. Als kleiner "Störfaktor" ist hier noch der Südkoreaner Bong Joon-ho vertreten. Dessen Sozialsatire "Parasite" kommt auf insgesamt 6 Nominierungen. "Man kann sagen, dass dank des Internets, der Sozialen Medien und der Streamingdienste in der ganzen Gesellschaft die Sprachbarrieren an Bedeutung verlieren. Vielleicht hat 'Parasite' von diesem globalen Trend profitiert", freute sich der Regisseur in einem Reuters-Interview über den Zuspruch.

Kritik an Nominierten-Auswahl

Weniger Freude gab es nach Bekanntgabe der Nominierungen bei vielen Gender-Aktivistinnen. Schließlich findet sich wieder keine Regisseurin auf der Liste der besten Filmemacher. Immerhin schaffte es Greta Gerwigs feministisches Werk "Little Women" als einziges von einer Frau gedrehtes unter jene neun Werke, die in der Königskategorie Bester Film gegeneinander antreten. Und auch vonseiten der ethnischen Minderheiten erntete die Academy mit ihrer heurigen Auswahl Kritik, wurde mit der Britin Cynthia Erivo für ihre Interpretation einer Anti-Sklaverei-Kämpferin in "Harriet" lediglich eine dunkelhäutige Darstellerin bei den insgesamt 20 Nominierungen für Schauspieler und Schauspielerinnen bedacht - wenn man einmal von der kurz aufgeflammten Mediendebatte absieht, ob Antonio Banderas als "farbiger Schauspieler" zu bezeichnen sei.

Dafür gleich doppelt im Rennen um einen der begehrten Goldbuben ist dagegen Scarlett Johansson, die einerseits für ihre Rolle einer Scheidungsmutter in Noel Baumbachs "Marriage Story" bei den besten Hauptdarstellerinnen hoffen darf und andererseits bei den Nebendarstellerinnen für ihre Leistung als Mutter eines Hitlerjungen in der Satire "Jojo Rabbit". Als Favoritin bei den Hauptdarstellerinnen gilt indes Kollegin Renee Zellweger für ihre Verkörperung von Hollywoodlegende Judy Garland im Biopic "Judy". Das Quintett der Filmköniginnen komplettieren neben Erivo Saoirse Ronan ("Little Women") und Charlize Theron ("Bombshell"). Bei den Nebendarstellerinnen indes sieht sich Johansson altgedienten Hollywooddarstellerinnen wie Kathy Bates ("Richard Jewell") und Laura Dern ("Marriage Story") sowie den Nachwuchskräften Florence Pugh ("Little Women") und Margot Robbie ("Bombshell") gegenüber.

Pitt hofft auf ersten Oscar

Als Topfavorit bei den Nebendarstellern geht Brad Pitt ins Rennen. Der 56-jährige Hollywoodstar - bis dato noch Oscar-los - kann für seine Interpretation eines Stuntman in Tarantinos "Once Upon A Time... In Hollywood" auf einen Goldbuben hoffen - den ihm vier Altstars streitig machen wollen. Schließlich steht Pitt in Konkurrenz zu Tom Hanks ("A Beautiful Day in the Neighborhood"), Anthony Hopkins ("The Two Popes"), Al Pacino ("The Irishman") und Joe Pesci ("The Irishman"). Bei den Hauptdarstellern gilt indes Joaquin Phoenix für seinen "Joker" als gesetzt. Er muss sich dabei gegen Banderas für seine Almodovar-Verkörperung in "Leid und Herrlichkeit", Leonardo DiCaprio für seine Leistung in "Once Upon A Time... In Hollywood", Adam Driver als Johansson-Gegenspieler in "Marriage Story" und Jonathan Pryce für seine Papstdarstellung in "The Two Popes" durchsetzen.

Wer sich in jedem Falle jetzt schon als Gewinner fühlen darf, ist der Streaminggigant Netflix. Mit insgesamt 24 Nominierungen ließ das Unternehmen jedes der klassischen Hollywoodstudios hinter sich. So sind "The Irishman" und "Marriage Story" unter anderem in der Topkategorie des Besten Films mit dabei, wenn auch nicht als Favoriten.

Entscheiden über die Gewinner des Abends werden wieder die rund 9.000 Academy-Mitglieder. Die Abstimmung hatte am 30. Jänner begonnen und ist nun nach fünf Tagen ausgelaufen. Verliehen werden die Oscars dann in der Nacht von 9. auf 10. Februar im Dolby Theatre von Hollywood. Dabei erwartet die Galagäste wie im Vorjahr zwar kein offizieller Gastgeber, hat man auf einen Moderator doch verzichtet, dafür ein Büfett, das zu 70 Prozent vegetarisch sein wird, nachdem die Oscar-Nominierten bereits bei ihrem traditionellen Lunch im Vorfeld geröstete Maitakepilze und veganen Käse vorgesetzt bekamen. Dass Hollywood in Fragen der CO2-Bilanz einen Schritt nach vorne mache, sei sehr wichtig und für sie als Klimaforscherin unheimlich aufregend, so Brenda Ekwurzel vom Verband der besorgten Wissenschafter. Zugleich bleibe an Filmsets mit der Verwendung von erneuerbarer Energie und der Reduktion des Verpackungsmülls beim Catering noch viel zu tun. Nun leuchten aber erst einmal die (Film-)Sterne bei den Oscars - und das ganz ohne Strom.