Vienna Club Commission: Ein Kommissar geht um

Vienna Club Commission: Ein Kommissar geht um

Die Stadt Wien führt, nach langer Debatte, eine Servicestelle zur Förderung des Nachtfriedens ein. Ab Ende des kommenden Jahres soll die Vienna Club Commission zwischen Clubkulturveranstaltern, Behörden und Anrainern vermitteln.

Wiener Clubveranstalter haben ein etwas zwiespältiges Verhältnis zu Menschenansammlungen. Vor der eigenen Haustür ok, bei der MA 36: nicht so. Nun haben die meisten Wiener Clubveranstalter mit Letzteren wesentlich öfter zu tun, die Magistratsabteilung für Technische Gewerbeangelegenheiten, behördliche Elektro- und Gasangelegenheiten, Feuerpolizei und Veranstaltungswesen tut zwar, was sie kann, aber sie kann halt beim besten Willen nicht alles, und manchmal reicht es nicht einmal zum besten Willen. Das sorgt für schlechte Stimmung, manchmal sogar beiderseits, und schlechte Stimmung ist das letzte, was Clubveranstalter brauchen können. Aber: Es gibt Hoffnung.

Die Debatte läuft – auf informeller Ebene – seit über zwei Jahren: Braucht Wien, so wie Berlin, London oder Amsterdam, eine öffentliche Service- und Beratungsstelle für Clubkultur? Eine Art Vermittler zwischen Veranstaltern, Behörden und Anrainern? Und warum genau fördert die Kulturabteilung der Stadt mit einer gewissen Großzügigkeit (sub-)kulturelle Veranstaltungen, denen die Stadtverwaltung am anderen Ende einen Baum aufstellt? Warum hat die Stadt zwar ein „Büro für Sofortmaßnahmen“ zur akuten Krisenbewältigung, aber keine Instanz zur Krisenprävention, wenn es in der Nacht irgendwo kracht (und nein, möglicherweise unangemeldete Feuerwerke fallen nicht unter dieses Kapitel)?

Ein im Oktober publiziertes Forschungsprojekt zur Wiener Clubkultur identifizierte rund 50 mehr oder weniger intensiv an der Materie beteiligte Instanzen, von der MA 36 und das Stadtgartenamt über Arbeitsinspektorat und Landespolizeidirektion bis hin zum Tourismusverband (von den Veranstaltern und ihrem Publikum einmal ganz abgesehen).

„Wir sind sehr gut bei der Intervention in akuten Konflikten“, erklärt die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler im Gespräch mit profil: „Was uns fehlt, sind Ansprechpersonen, die schon aktiv werden, bevor Probleme entstehen.“ In diesem Sinn soll im kommenden Jahr die Vienna Club Commission eingerichtet werden. Schon am Dienstag geht der entsprechende Antrag in den Wiener Kulturausschuss, am 19. Dezember dürfte das Projekt im Gemeinderat abgesegnet werden. Mit der Projektentwicklung soll das mica (Music Information Center Austria) betreut werden, aus dem laufenden Kulturbudget stehen dafür 290.000 Euro zur Verfügung. Welche Form und Kompetenz die Vienna Club Commission am Ende haben wird, soll nach den Plänen von Kaup-Hasler und ihrem koalitionären Gegenüber, dem grünen Gemeinderat Martin Margulies, in einem ergebnisoffenen Prozess unter den betroffenen Stakeholdern geklärt werden. „Es ist uns wichtig, dass die Verwaltung als Teil der Lösung begriffen und nicht nur als Problem gesehen wird. Aber wir wollen keine Vorschläge von oben herab verteilen.“

Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler

Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler

Auch Bürgermeister Ludwig konnte letztlich von der Sinnhaftigkeit der neuen Service- und Beratungsstelle überzeugt werden. „Wir haben ein Window of Opportunity“, meint Kaup-Hasler und erinnert an die Wiener Club- und Musikszene der 1990er Jahre, „die eine Metropolisierung dieser Stadt bewirkt hat“. Wien wurde damals ein bisschen moderner, weltstädtischer, und nicht zuletzt auch touristisch cooler. Margulies: „Uns ist natürlich bewusst, dass der öffentliche Raum inzwischen wesentlich stärker reglementiert ist. Damit müssen wir klug umgehen.“ In erster Linie sollen von der neuen Institution nichtkommerzielle Initiativen profitieren, bei denen kulturelle Aspekte im Vordergrund stehen, also Musik und Kunst und nicht Caipirinha. „Wesentliche Anliegen wären etwa die erleichterte kulturelle Bespielung von öffentlichem Raum oder die vereinfachte Zwischennutzung brachliegender Gebäude“, sagt Margulies, und natürlich sei die Grenze zur kommerziellen Clubkultur „eine Grauzone. Eine trennscharfe Abgrenzung wird vermutlich nicht möglich sein. Aber das werden wir aushalten.“