„Woman in Gold“: ein Spielfilm aus profil-Recherchen

„Woman in Gold“: ein Spielfilm aus profil-Recherchen

Helen Mirren als Maria Altmann, Daniel Brühl als Hubertus Czernin: Zur Berlinale-Premiere eines fürs Kino aufbereiteten Kunstrestitutionsfalls.

Berlinale-Filmgala, Friedrichstadt-Palast, 9. Februar 2015: Auf der Leinwand wird der britischen Charakterdarstellerin Helen Mirren und dem linkischen jungen Mann, der da ihren Anwalt spielt (Ryan Reynolds), eine Ausgabe des profil aus den späten 1990er-Jahren über den Tisch gereicht. Dem Paar gegenüber sitzt ein investigativer Journalist, der nicht nur mit der Geschichte dieser Zeitung eng verbunden ist, sondern auch mit vielen jener medialen und politischen Anstrengungen, die nötig waren, um besonders vergessliche Repräsentanten der Republik Österreich zur späten Übernahme historischer Verantwortung zu bringen: Der einstige profil-Herausgeber Hubertus Czernin, gespielt von Daniel Brühl, taucht in einem neuen, immerhin von den gewichtigen Weinstein-Brüdern koproduzierten Unterhaltungsfilm auf, der sich mit dem wohl prominentesten Kunstraub- und Restitutionsfall der vergangenen 20 Jahre befasst – „Woman in Gold“ rekapituliert die komplexe Historie des Klimt-Gemäldes „Adele Bloch-Bauer I“ von 1907.

Gerichtsaaldrama: Ryan Reynolds, Helen Mirren, Daniel Brühl

Heitere Zuspitzung

Der sich von 1998 bis 2006 erstreckende Rechtstreit um die kostbare Arbeit, in langjähriger Recherche auch von profil-Redakteurin Marianne Enigl dokumentiert, wurde so zu einem heiter-dramatischen Stück Entertainment, das abseits des Wettbewerbs, aber als Special gesetzter Programmpunkt bei der Berlinale lief. Und es war schön zu sehen, wie sehr die Lebensgeschichte der von Mirren verkörperte Maria Altmann, die mit Anwalt Randy Schoenberg die Restitution von fünf Klimt-Gemälden gerichtlich erstritt, sich dazu eignet, im Kino für ein großes Publikum aufbereitet zu werden. „Woman in Gold“ macht nämlich, dem ernsten Thema (und der konventionellen Machart) zum Trotz, durchaus Spaß, was sich einerseits der Komik verdankt, die Mirren und Reynolds als ungleiche Komplizen miteinander entwickeln, andererseits aber auch der sanft zugespitzten Darstellung österreichischer Kulturverhältnisse: Kultur- und Bildungsministerin Elisabeth Gehrer und insbesondere die damalige Direktion des Belvedere werden hier als arglistige Gegenspieler in Position gebracht, die alles daran setzen, eine Rückgabe an die rechtmäßige Eigentümerin zu verhindern. Der britische Regisseur Simon Curtis („My Week with Marilyn“, 2011) nimmt zwar die üblichen Abkürzungen, vereinfacht komplizierte bürokratische Abläufe und in sepiafarbenen Rückblenden auch die Familiengeschichte der Bloch-Bauers, aber er bringt seine durchaus spannende Story zu einem im Kino bislang leider unüblichen Sujet charmant ins Ziel.