Elfriede Hammerl: Na bitte, es geht doch!

Elfriede Hammerl: Na bitte, es geht doch!

Wer suchet, die findet – nämlich hoch qualifizierte Frauen für Ministerposten.

Wir haben eine neue Bundesregierung, und sie besteht zur Hälfte aus – hoch qualifizierten! – Frauen. Das widerlegt die (vor allem von QuotengegnerInnen) immer wieder vorgebrachte Behauptung, Frauen seien in Spitzenpositionen nur deswegen unterrepräsentiert, weil sie erstens nicht in ausreichender Zahl den Anforderungen entsprächen und zweitens selten in die erste Reihe wollten. Denn siehe da, in Windeseile haben sich genügend hoch kompetente Frauen gefunden, die nichts dagegen hatten, Ministerin zu werden. Wer suchet, die findet eben – in diesem Fall die einstweilige Bundeskanzlerin, die dieses geschlechtergerechte Regierungsteam präsentiert hat. Auch in ihrer Bestellung kann man Grund zum Jubel sehen – oder den Jubel als Hinweis darauf, dass es an wahrer, weil selbstverständlicher Gleichstellung noch fehlt.

Schwenk auf Pamela Rendi-Wagner, die ihren „desaströsen“ „ZIB 2“-Auftritt am Abend vor dem Misstrauensantrag mittlerweile wie eine Fußfessel hinter sich her schleppt. „Sie kann es nicht“, urteilten die Medien, und, zugegeben, die Wirkung dieser düsteren Fehlinszenierung war jämmerlich, da kann man Erklärungen finden, so viel man will, souverän geht so nicht.

Dennoch hätte man die Ereignisse dieser Stunden auch anders erzählen können. Schließlich hat die SPÖ-Parteivorsitzende Rendi-Wagner tags darauf im Parlament einen Misstrauensantrag durchgebracht, der eine ganze Regierung stürzte, zum ersten Mal seit Bestehen des Nationalrats. Das mag man bedauerlich finden oder erfreulich, Tatsache ist, dass sie sich damit – wer auch immer wie sehr an der Vorbereitung dieses Schritts mitgewirkt hat – in die Geschichte der Zweiten Republik eingeschrieben hat. Vielleicht nur als Fußnote, aber immerhin. Und es stellt sich die Frage: Wäre sie ein Mann, hätte sie der „Standard“ dann zum „Kopf des Tages“ gemacht, statt ihr Versagen zu bescheinigen? Hm. Denken wir nach.

Rendi-Wagner ist Quereinsteigerin. Das könnte man von den neuen Übergangs-MinisterInnen auch sagen, aber anders als die SPÖ-Vorsitzende bleiben sie bei ihrem Leisten, also in ihrem Fachbereich, und sollen nicht politisch gestalten. Rendi-Wagner hingegen bewegt sich auf ungewohntem Terrain, für das sie zudem einen ausgeprägten politischen Gestaltungswillen und politischen Instinkt mitbringen sollte. Ob sie darüber verfügt, scheint fraglich. Sie ist damit kein Ausnahmefall, die meisten Quereinsteiger-Innen unterschätzen die Anforderungen des politischen Handwerks und überschätzen ihr wohlwollendes Interesse an Politik als strapazierbare Qualifikation. Auch Rendi-Wagner ist mehr strebsame Schülerin denn politisches Tier aus Charakter und Passion.

Und weil man sich von QuereinsteigerInnen mit hoher Wahrscheinlichkeit Schnitzer und Hoppalas verspricht, werden sie besonders aufmerksam beobachtet. Damit müssen sie rechnen. Kern wurde ebenfalls nicht mit Samthandschuhen angefasst. Als Prinzessin mit Glaskinn wurde er gar verhöhnt, derlei blieb Rendi-Wagner bisher erspart. (Allerdings stellt sich die Frage, warum es für Männer immer eine besondere Schande ist, Weib genannt zu werden, aber das nur als Anmerkung.)

Also, nein, am Gendermalus liegt es nicht, dass Pamela Rendi-Wagner, von den Medien zunächst mit viel Vorschusslob bedacht, mittlerweile medial so heftig kritisiert wird. Dass sie parteiintern gegen die männlichen Alphatiere zu kämpfen hat, ist durchaus vorstellbar, macht aber ihr Handicap nicht aus, sondern erhöht es bloß.

Falls sie die Wahl verliert, kommt jedoch ziemlich sicher wieder ihr Geschlecht ins Spiel. Dann werden wir lesen können, dass das Experiment, eine Frau an die Spitze der SPÖ zu stellen, gescheitert ist.

(Dabei ist Rendi-Wagner nur eine von mehreren SPÖ-Vorsitzenden mit einer schlechten medialen Nachred’. Auch Sinowatz, Klima, Gusenbauer oder Faymann blieben ohne Lorbeeerkränze im öffentlichen Gedächtnis. Das liegt nicht zuletzt am übermächtigen Bild Bruno Kreiskys, des Großbürgers, der der Arbeiterpartei gesellschaftliche Anerkennung und den Kindern des Proletariats Aufstiegsmöglichkeiten als selbstverständlichen Rechtsanspruch verschaffte. Seither wartet man innerhalb und außerhalb der SPÖ vergeblich auf einen neuen Wunderwuzzi, der revolutionäres Potenzial mit souveräner Auotorität verbindet. Und verglichen mit der Legende Kreisky wird jede Person, die den Vorsitz der SPÖ übernimmt, schnell zur herben Enttäuschung.)

Zum Schluss schnell wieder ein kleiner Exkurs ins Sprachliche. Kann vielleicht einer der engagierten Kurz-Berater seinem Herrl beibringen, dass Internas grammatikalisch ungefähr so richtig ist wie Wörters ? Und ihn auf den Unterschied zwischen der Gehalt und das Gehalt hinweisen? (Der Gehalt: gedanklicher, ideeller Inhalt, geistiger Wert. Das Gehalt: die regelmäßige Bezahlung von ArbeitnehmerInnen.) Er verzichte auf seinen Gehalt , sagte Kurz, als er erklärte, nicht ins Parlament übersiedeln zu wollen. Entlarvende Selbsterkenntnis oder sprachlicher Schnitzer?

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