<small><i>Elfriede Hammerl</i></small>
Kevin ist eine Diagnose oder Die Angst vor Gleichheit

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie wissen, wie ich heiße, und ich sage Ihnen, ich hätte es mir nicht ausgesucht. Als meine Eltern einen Vornamen für mich wählen sollten, plädierte meine Mutter für Elisabeth, mein Vater für Friederike, und herausgekommen ist ein Kompromiss, den ich nie für besonders geglückt gehalten habe. Elfriede heißen die bissigen Schwiegermütter in platten Witzen. Dass mehrere Literatinnen ebenfalls mit diesem Vornamen geschlagen sind bzw. waren, hat mich bisweilen vermuten lassen, es handle sich dabei um ein Trauma, das durch Schreiben kompensiert werden will. Wie auch immer: Vornamen sind Schicksal. Man trägt an ihnen ein Leben lang.

Ich stelle mir vor, Sie haben Kinder, vielleicht auch schon Enkel, und ich nehme vermutlich richtig an, dass darunter kein Sohn oder Enkelsohn mit dem Namen Kevin ist, es sei denn, Sie kämen aus dem angloamerikanischen Sprachraum. Für uns andere ist Kevin ein, wie man auf Neudeutsch sagt, No- go, wir – Sie und ich, die ich heute zur Eröffnung dieses wunderbaren Festes beitragen darf – wir wissen, was sich gehört, wenn man einen Vornamen für seinen Nachwuchs aussucht: Man wählt was Schlichtes, Traditionelles oder, wenn es denn originell sein soll, was intellektuell Bedeutsames, aber keinen Namen, der darauf hindeuten könnte, dass man sich danach sehnt, zur Welt der Yellow-Press-Promis zu gehören, unter die Taras, Laras und die Hotelerbinnen mit Städtenamen.

Vornamen als soziales Brandzeichen sind ein interessantes Forschungsgebiet. Adelige haben sie seit je verwendet, um die Kontinuität ihres Herrschaftsanspruchs auch dadurch zu signalisieren, dass eine Sammlung immer gleicher Namen, unterschiedlich gereiht – ein komprimierter Stammbaum sozusagen-, familienintern weitergegeben wird wie ein Zepter.

Die sogenannten niederen Stände mussten sich – in katholischen Gegenden – oft damit abfinden, dass der Pfarrer das Kind einfach auf den Namen des Heiligen taufte, der am Tag seiner Geburt oder seiner Taufe gerade im Kalender stand. Diese Kinder wurden zum Zweck der Unterscheidung und der Unterwerfung unter die christlichen Gebote benannt, die Taufe sollte kein Akt eitler genealogischer Überhöhung sein.

Das aufstrebende Bürgertum etikettierte seine Nachkommen dann durch ausgesuchte Vornamen als Angehörige einer gehobenen Gesellschaftsschicht, die zudem der Individualität ihrer Kinder Rechnung tragen wollte, während die Austauschbarkeit von Dienstboten sich auch in ihren verwechselbaren Rufnamen manifestierte, sie waren ein Menschenschlag aus Resis, Kathis und Johanns, deren spezielle Beschaffenheit nicht interessierte.

Heute, wir wissen es, stehen die Theresas und die Johannes’ oben auf der gesellschaftlichen Stufenleiter, während sich tief unten die Justins und die Cindy-Sues tummeln, deren Eltern damit das Gegenteil ihres angepeilten Ziels erreicht haben. Statt ihre Kinder in der Welt der Reichen und Schönen anzumelden, haben sie sie für die Unterliga gechipt.

Das Deutsche kennt mittlerweile, zumindest informell, den Terminus Kevinismus. Im Internet finden sich dazu grausam spöttische Definitionen, zum Beispiel diese: An Kevinismus Leidende hätten empfindliche synaptische Störungen, die dazu führten, dass sie unfähig seien, menschlichem Nachwuchs sozial verträgliche Namen zu geben.

„Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose!“ befand eine deutsche Grundschullehrerin, die eine Studentin für ihre Masterarbeit zu ihren Assoziationen mit bestimmten Vornamen befragte. Insgesamt 500 Pädagoginnen und Pädagogen beantworteten den online-Fragebogen dieser Studentin, der unter anderem wissen wollte, bei welchen Vornamen die Lehrerinnen und Lehrer am ehesten an Verhaltensauffälligkeiten dächten. Das Ergebnis ist nicht wirklich überraschend: Als leistungsstark und umgänglich wurden Charlotte und Alexander oder Marie und Jakob eingestuft. Als leistungsschwach und verhaltensauffällig gelten Chantal, Dennis, Marvin oder Jacqueline und, vor allem, Kevin, er führte die Rangliste der Versager an, deren Scheitern angeblich schon aufgrund ihrer Namen absehbar ist. Daher: Kein Name, sondern eine Diagnose.
Der unbarmherzige Satz wurde durchaus kritisch kommentiert, den Lehrerinnen und Lehrern wurde an Hand der Masterarbeit vorgeworfen, dass sie sich von Vorurteilen leiten ließen, aber, wenn wir ehrlich sind: ganz falsch kommt uns die Behauptung wahrscheinlich nicht vor.

Wen sehen wir vor uns, wenn wir an Kevin denken? Vorsichtig formuliert: kein Kind akademisch gebildeter Eltern. Eher das Gegenteil: bildungsfernes Elternhaus, genauer gesagt: ziemlich sicher kein -haus, vielleicht auch nicht Eltern-, sondern nur Mutter (was ja nach allgemeinem Dafürhalten auch schon so was wie eine Diagnose ist, eine bösartige, wenn Alleinerzieherinnen damit Unfähigkeit unterstellt wird, eine zutreffende, wenn gemeint ist, dass sich geteilte Verantwortung leichter trägt), ständige Geldnot, beengtes Wohnen, Stadtrandsiedlung im Nirgendwo, Junk Food statt selbstgerupftem Biohuhn, TV-Schrott ja, Klavierstunden nein, keine Unterstützung bei den Schulaufgaben.
Ist doch ziemlich wahrscheinlich, oder?
Also: Böse Vorurteile oder realistische Erfahrungswerte?

Die Sozialwissenschaften arbeiten seit längerem nicht mehr ausschließlich mit dem Begriff der Schichtzugehörigkeit, sondern auch mit dem der Milieus. Milieus werden, so die Definition, durch die – halbwegs übereinstimmenden – Wertvorstellungen derjenigen charakterisiert, die ihnen angehören, aber auch durch deren Lebensstil und ihre Konsumgewohnheiten. (Nicht zufällig spielen Milieumodelle im Marketingbereich ein wichtige Rolle.)

Die Stigmatisierung durch falschen Konsum kennen wir alle, und wer Kinder oder Enkel hat, weiß um die durch Gruppendruck erzeugte Markenhörigkeit schon der Jüngsten. Styling bestimmt Sozialprestige.

Über den Kevinismus, die hochansteckende Ausbreitung des Namens Kevin, dessen weibliches Pendant der Chantalismus oder die Schakkelinitis ist, finden wir im Internet auch die Anmerkung, dass zum Styling der befallenen Eltern und Großeltern der Lippenstift in Pink und stonewashed Jeans gehörten. Das ist insofern bedeutsam, als es nebenbei etwas Wesentliches festhält: Kevin und Jacqueline kommen nicht etwa aus Absteigerfamilien. Schon ihre Großeltern sind aus dem selben Milieu. Eine Karriere als Kevin ist über Generationen vorbereitet und wird sich vermutlich über Generationen fortsetzen.

Halt, was sage ich da? Wir sind doch längst keine Feudalgesellschaft mehr, in der Menschen in ein mehr oder weniger unausweichliches Schicksal hineingeboren werden. Unsere Gesellschaft ist sozial durchlässig. Darauf halten wir uns was zugute.

Kevin kann sein Milieu selbstverständlich verlassen. Schon seine Eltern und Großeltern waren ja nicht gezwungen, auf der Stonewashed-Jeans-Ebene zu verharren, jeder ist seines, jede ist ihres Glückes Schmied, hätten sie halt ihre Chancen genützt – oder waren sie zu blöd dazu?

Vielleicht sind sie ja wirklich nicht besonders intelligent. Das kommt vor, auch in Kreisen, in denen die Kinder Jakob heißen. In diesen Kreisen bedeutet es allerdings nicht, dass man ein Leben im Kevin-Milieu führt, nur weil man nicht gerade als Superhirn verschrieen ist.

Aber bleiben wir bei Kevin selbst, und nehmen wir einmal an, er fällt nicht durch Lernverweigerung und Terror auf. Nehmen wir an, er fällt gar nicht sonderlich auf, ist aber lernwillig und intelligent, wenngleich nicht ausdrücklich hochbegabt. Hat Kevin eine Chance, seinem Milieu zu entkommen?

Jetzt frage ich mich, ob Sie meine Frage überhaupt für angebracht halten. Ich meine, oder vielmehr Sie meinen ja vielleicht, dass das gar nicht sein muss, dass einer seinem Milieu entkommt. Was ist denn das für ein Hochmut, fragen Sie Ihrerseits vielleicht gerade oder würden Sie mich fragen, wenn ich Sie ließe, was ist denn das für eine Arroganz, anzunehmen, dass einer wie Kevin unglücklich ist mit seiner Herkunft und ihr entkommen will?

Denn auch das ist ein Übereinkommen, an das wir uns unabgesprochen halten: Dass es unzulässig, ja unanständig sei, mit seiner einfachen Herkunft zu hadern, sofern man denn mit ihr geschlagen ist, oder gar die Insignien der niedrigen Geburt ablegen zu wollen.

Wenn sich einer von seiner bildungsfernen Herkunftsfamilie ein Stück entfernt, weil er sich gebildet hat und mittlerweile anderen Interessen nachgeht als sie, ist er ein Charakterschwein, das seine einfache Verwandtschaft verleugnet .

Wenn eine mit ihrer bildungsnahen Familie bricht, weil sie politisch oder auch nur in puncto Lifestyle nicht mehr mit ihr harmoniert, dann respektieren wir das als souveränen Akt der Selbstbestimmung.

Das schaut auf den ersten Blick sehr anständig aus: Verleugne nicht deine schlichte Herkunft, denn der bildungsferne Verwandte fühlt wie du den Schmerz, während der sozial etablierte Ablehnung verkraften kann. Aber tatsächlich geht es gar nicht darum, die Schwachen vor Schmerz zu schützen. Es geht darum, dem Spross aus einfachen Verhältnissen seinen immerwährenden Platz zuzuweisen. Vergiss nie, woher du kommst. Vergiss nie, wohin du gehörst.

Deswegen ist das Bild, das von Kevin und seinem Umfeld gezeichnet wird – massenmedial und in Internetforen – reich an klischeehaften Details und vollkommen erbarmungslos. Und deswegen, weil die Beschreibung der Verhältnisse ihrer Zementierung dienen soll, führt sie weder zu der Frage, wie Kevin seinem Milieu entkommen kann, noch zu der Absicht, ihn dabei zu unterstützen.

Wir kennen die Schwachstellen in Kevins Biographie. Wir kennen die Fallen, die das Leben für ihn bereit hält. Aber wir finden es nicht notwendig, ihm herauszuhelfen. Gegebenenfalls entziehen wir uns mit einer sozialromantischen Konstruktion: Wer weiß, vielleicht ist Kevin im abgehausten Betonbunker ja eh viel glücklicher als Jakob im umgrünten Einfamilienhaus?

Naja, vielleicht. Aber wie passt dann unsere Verachtung für ihn dazu? Wie die Vermutung, dass er verhaltensauffällig und leistungsschwach sein wird?
Fast schon wie Hohn mutet es an, dass das weitverbreitete Modell der Sinus-Milieus – so benannt nach einer Marktforschungsfirma – die Gruppe der Hedonisten kennt, die jedoch laut Definition nur in der Unter- und in der unteren Mittelschicht zu finden sind. Also lassen wir Kevin bloß sein Leben genießen, wenn wir uns nicht fragen, ob und wie er sich verändern könnte?

Aber bitte, wenn unbedingt Veränderung angesagt sein soll, wie wär’s denn wirklich mit Aufstieg durch Bildung? Wie Kevin es danach mit seiner Verwandtschaft hält, lassen wir einmal beiseite, Aufstieg ist immerhin Aufstieg. Heutzutage sind alle Schulen allen zugänglich, zumindest die öffentlichen, wenn Kevin also halbwegs intelligent ist und leistungsorientiert – wo ist das Problem?

Das Problem könnte darin liegen, dass Kevin von niemandem eindrücklich vermittelt wird, was denn nun das Wertvolle an der so genannten Bildung sein soll.

Kürzlich wurde im Fernsehen wieder einmal der mehrfach preisgekrönte englische Film „Billy Elliott – I Will Dance“ aus dem Jahr 2000 ausgestrahlt. In einer kleinen Szene wird mit nur wenigen Worten skizziert, wie unterschiedlich der Umfang an kultureller Ausrüstung schon bei Elfjährigen sein kann.

Billy Elliott, der Sohn eines englischen Minenarbeiters, entwickelt in diesem Film eine für sein Milieu absolut untypische Leidenschaft: Er sieht eine Gruppe balletttanzender Mädchen trainieren, macht mit, entpuppt sich als Talent, wird von der Ballettlehrerin gefördert und landet schließlich zum Vortanzen an der weltberühmten Londoner Royal Ballett School. Die Atmosphäre ist einschüchternd und Billy fühlt sich sichtlich als der Fremdkörper, der er an diesem noblen Ort ist. In der Garderobe fragt ihn ein Mitbewerber – diesfalls ein Kind, das gelernt hat, höflich Konversation zu machen -: Du kommst aus Durham? Steht dort nicht diese tolle Kathedrale?

Billy Elliott schaut abweisend und hebt unbehaglich die Schultern. In seinem Achselzucken liegen Hilflosigkeit und Verzweiflung. Billy weiß nichts von der Kathedrale, in der er noch nie war, und er begreift, dass das ein Manko ist, weil man in der Welt, der er sich nähern will, mehr kennen muss als das Arbeiterviertel, über das er nicht hinausgekommen ist. Seine Verzweiflung schlägt in blanke Wut um, als ihn der fremde Knabe tröstend umarmen will, er streckt ihn mit einem Kinnhaken zu Boden und unterstellt ihm sexuelle Belästigung, was er, wie sich denken lässt, weit drastischer ausdrückt. Das ist nicht nur Abreaktion, sondern auch ein Versuch, soziale Unterlegenheit zu kompensieren. Billys Abwehr macht den anderen zum Außenseiter, er ist derjenige, der sich schämen soll.

Im Film wird dennoch alles gut. Auch im wirklichen Leben könnten trennende Barrieren bestimmt überwunden werden, wenn – ja, wenn was? Wie und von wem soll Kevin das Wunder geistiger und seelischer Bereicherung erfahren, das der Anblick berühmter Kathedralen, das Lesen erhellender Sätze, das Anhören überwältigender Musik auslösen kann?
Wenn Kevin Glück hat, gerät er an eine Volksschullehrerin, die sich nicht damit zufrieden gibt, ihm zu diagnostizieren, dass er ein potenzieller Problemfall ist.

Danach kann er allerdings immer noch das Pech haben, früh an einem Schulsystem zu scheitern, das bis jetzt weniger darauf angelegt ist, schlummernde Begabungen zu entdecken und zu fördern, als bereits den Zehnjährigen nachzuweisen, was sie nicht können, wofür sie nicht taugen und was sie sich abschminken sollen. Die Spreu vom Weizen trennen. Aussieben. Wir kennen die Sprüche. Das zehnjährige Kind als Spreu, Abfall, Ausschuss.

Selbst wenn Kevin erstaunlicherweise nach der Volksschule in einer so genannten höheren Schule landen sollte, bedeutet das nicht, dass er dort bleibt. Sobald er in irgendeinem Gegenstand nicht problemlos mitkommt, wird es brenzlig für ihn. Seine Mutter kann ziemlich sicher nicht mit ihm lernen, und Geld für Nachhilfestunden wird sie auch nicht haben.

Ich will Sie jetzt nicht damit ermüden, über sämtliche Verläufe zu spekulieren, die Kevins Schulkarriere nehmen kann. Tatsache ist: Wenn Kevin kein Billy Elliott mit einer großen, herausragenden Begabung ist, sondern einer wie viele, nicht schlechter, aber auch nicht besser, steht zu befürchten, dass ihm die Wunder der Architektur, der Kunst, der Musik, der Literatur, das Vergnügen am Erwerb kognitiver Kompetenz versagt bleiben werden.

Wir sind eine Gesellschaft der Ungleichen. Was an sozialer Durchlässigkeit im Lauf der Jahrzehnte und Jahrhunderte erzwungen und errungen wurde, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Klassen und Schichten deutlich von einander abgegrenzt sind, und dass die Zäune um die Reviere der oberen Kasten denjenigen, die sie überklettern, bildlich gesprochen zumindest ein paar Löcher ins Gewand reißen, an denen sie auch später noch identifiziert werden können.

Kevin wird, selbst wenn er seiner Herkunft entkommt, bestimmte Erkennungscodes der Upper Class nicht beherrschen, er wird, selbst wenn er studiert hat, nicht an einer der Privatuniversitäten studiert haben, an der die Sprösslinge der Hochfinanz unter sich sind, seine Tischmanieren mögen tadellos sein, aber seinem Auftreten wird die souveräne Selbstsicherheit der Oberschicht fehlen und auch die Selbstverständlichkeit, mit der deren Sprösslinge Führungsansprüche stellen. Er verfügt nicht über die Netzwerke, die ihnen dank ihrer Familien zur Verfügung stehen, und er wird es sich nicht leisten können, unbezahlte Praktika zu machen, um interessante und langfristig nützliche Erfahrungen zu sammeln. Nie wird er zum Beispiel mit den finanziell unabhängigen jungen Akademikern und Akademikerinnen konkurrieren können, die heutzutage in Österreichs Botschaften für kein Geld tätig sind, belohnt einzig durch die Herausforderung, der sie sich stellen und die Tatsache, dass sich das gut machen wird in ihrem Curriculum Vitae.

Eine so ungleiche Gesellschaft – mit einer geradezu unfassbaren Angst vor mehr Gleichheit. Das ist ja Gleichmacherei! Mit diesem Satz, mit der Schreckensvokabel Gleichmacherei, lassen sich bei uns Reformen im Ansatz diskreditieren. Das ist ja Gleichmacherei! Als stünden wir nur eine Handbreit vor uniformer Trostlosigkeit.

Als die österreichische Wissenschaftministerin heuer kurz nach ihrem Amtstantritt erklärte, sie könne sich ein Gymnasium für alle Schülerinnen und Schüler bis vierzehn vorstellen, war das in zweifacher Hinsicht schockierend. Erstens, weil sie damit im Widerspruch zur offiziellen Linie ihrer Partei stand, die die gemeinsame Schule für die Sechs- bis Vierzehnjährigen seit Jahrzehnten mit dem Untergang des Abendlandes gleichsetzt, und zweitens, weil sie das Wort Gymnasium verwendete. Nicht irgendeine Schule für alle stellt sie sich vor, sondern das angeblich Anspruchsvollste, das wir bis jetzt zu bieten haben!

Ein Wort nur, aber es signalisierte, dass es bei einem Mehr an Chancengleichheit nicht um Verlust, sondern um Gewinn gehen muss, dass nicht nach unten, sondern nach oben nivelliert werden kann und soll. Eben das wird jedoch gern bestritten. Gleichheit ist Einebnen ist Niederbügeln ist Abstieg. Niemand will gleich sein.

Alle wollen ungleich sein, aber ungleich besser. Alle wollen, gleich wie alle anderen, ungleich besser sein als die anderen. Auch Kevin will sich überlegen fühlen. Deshalb fühlt Kevin sich Kemal überlegen. Und Kemal wiederum fühlt sich sowohl Ayse und Jacqueline als auch Charlotte überlegen.

Irgendwie findet scheint’s jeder, der weit unten ist, noch einen, den er unter sich wähnt. Kevin weiß es nicht, aber in Wirklichkeit braucht er Kemal, um seinem Selbstbewusstsein auf die Sprünge zu helfen. Und wenn die männlichen Underdogs alle durchdekliniert sind, dann gibt es immer noch die Frauen, von denen ein Mann glauben kann, dass er ihnen kraft seiner männlichen Natur etwas voraus hat.

Dass auch diejenigen, die von mehr Gleichheit auf jeden Fall profitieren würden, statt dessen um den Verlust von Privilegien bangen, die sie gar nicht haben, stablisiert das System.

Der Wunsch, nicht nur einzigartig zu sein, sondern als etwas Besonderes, Einzigartiges auch gelten zu wollen, ist legitim. Das Wort Gleichmacherei ist deswegen so bedrohlich, weil es den Verlust von Individualität suggeriert.
Tatsächlich jedoch wird tradierte Ungleichheit nicht bewahrt, um einer großen Bandbreite unterschiedlicher Persönlichkeiten Rechnung zu tragen. Nicht um Respekt vor Individualität geht es, wenn vor Gleichmacherei gewarnt wird, sondern um Respekt vor angeborenen Vorrechten beziehungsweise um deren Gefährdung. Wer Chancengleichheit als Gleichmacherei abwehrt, unterwirft seine Individualität eben gerade einem Konzept der Gleichmacherei, in dem die Hauptschüler, die Gymnasiasten, die Frauen, die Männer, die InländerInnen, die AusländerInnen zu uniformen Gruppen erklärt werden. Statt individueller Lebensentwürfe: Rollenbilder, denen es zu entsprechen gilt. Was als Rücksichtnahme auf Unterschiedlichkeit verkauft wird, ist in Wirklichkeit Gruppenzwang. Die Gruppen sollen sich voneinander unterscheiden, ihre Angehörigen hingegen nicht, sie sollen verwechselbar bleiben, wie schon seinerzeit die Dienstboten. Wer ein Interesse daran hat, die Gruppen aufzulösen, ist ein Störefried.

Das zweite Schlüsselwort, mit dem Ungleichheit gerechtfertigt wird, ist Leistung. Nun sind wir ja alle der – keineswegs abwegigen – Meinung, dass unterschiedliche Leistungen je nach ihrem Wert unterschiedlich be- und entlohnt werden sollen. Leistung soll sich lohnen. Auch hier: keine Gleichmacherei. Wer Außergewöhnliches leistet, den soll man nicht gewöhnlich behandeln. Wertvolle Arbeit muss ideell und materiell als wertvoll anerkannt werden.

Gut. Aber wer bestimmt den Wert und die Höhe der Entlohnung? Wir haben es gerade in letzter Zeit staunend verfolgt: Manager, die Firmen in den Ruin getrieben haben, kassieren für diese Leistungen schnell noch Abfertigungen in Millionenhöhe, ehe sie das nächste Unternehmen vielleicht in den Abgrund führen. Vorstandsvorsitzende lukrieren in einem Monat mehr, als kleine Angestellte in ihrem ganzen Arbeitsleben verdienen werden, und es ist schwer vorstellbar, dass sie um so viel mehr oder um so viel Wertvolleres leisten. Und, was wir nicht verfolgt haben, weil Einkommen aus Vermögen mit nobler Diskretion behandelt werden, im Gegensatz zu den vergleichweise ordinären, weil mit einer – wenn auch überschätzten – Erwerbstätigkeit verbundenen Managergehältern: Die Leistung, in die richtige Familie hineingeboren worden zu sein, ist überhaupt unüberbietbar. Wie immer Kevin sich abstrampelt, seine Leistung wird sich nie so lohnen wie zum Beispiel die Leistung, viel Grundbesitz geerbt zu haben.

Das alles soll uns nicht dazu verleiten, Kevin mit einem Heiligenschein zu versehen. Kevin seinerseits wird unverdiente Privilegien möglicherweise ebenfalls seiner Tüchtigkeit zuschreiben. Kevin fühlt sich Kemal – oder Arigona – überlegen, weil er im Gegensatz zu ihnen wenn schon nicht in die richtige Familie, so doch in das richtige Land geboren wurde. Oder vielmehr doch in die richtige Familie, denn wären nicht schon seine Eltern hier ansässig gewesen, würde ihm das Hier-zur-Welt-gekommen-Sein auch nichts nützen.

Wir haben uns unseren Wohlstand auch erarbeiten müssen, wird Kevin sinngemäß vielleicht im Internet posten, und er wird fordern, dass Wirtschaftsflüchtlinge gefälligst draußen bleiben sollen aus unserem schönen Land, das wir seinerzeit mit unserem Fleiß aus Schutt und Asche wieder aufgebaut haben. Kevin wird sich dabei als verdienter Nutznießer eines Wiederaufbaus fühlen, an dem er quasi genetisch beteiligt war, weil sein Urgroßvater zufällig zur Zeit dieses Wiederaufbaus hier lebte statt anderswo, wobei wir jetzt nicht darüber nachdenken wollen, wie es zur Notwendigkeit des wieder Aufbauens aus Schutt und Asche kam, weil wir, anders als Kevin, nicht mit dem Begriff des genetischen Erbes arbeiten möchten, weder beim Stolz auf Leistung noch im Zusammenhang mit Schuld.

Kevin meldet sich jedenfalls zu Wort. Er ist zwar für manche vielleicht unberührbar, aber keineswegs unsicht- oder unhörbar. Kevin ist öffentlich präsent, nicht nur als Phänotyp, der mit einer gewissen Gehässigkeit wahrgenommen und beschrieben wird.

Vielmehr scheint es, als habe sowas wie eine Kevinisierung des öffentlichen Raumes stattgefunden, wo Kevin nicht mehr verhaltensauffällig ist, weil es nicht auffällt, wenn er seine Latschen in den U-Bahn-Sitz vis a vis bohrt, fettige Pizzakartons unter sich lässt und sommersüber hauptsächlich mit Tätowierungen bedeckt durch die Gassen der Innenstädte flaniert. Übliches Benehmen.

Kevin hat die öffentlichen Plätze usurpiert und die Werbung, wo er verkünden darf, dass Geiz geil ist und wo er als grölender Baumarktrowdy im Feinripp-Unterhemd den Hero geben darf. Kevin ist eine umworbene Zielgruppe.

Kevin ist nämlich ein Quotenbringer. Auch das öffentlich rechtliche Fernsehen hört auf ihn und kommt ihm entgegen, aber nicht, um einen Bildungsauftrag zu erfüllen, sondern um das Wirtschaftssubjekt Kevin nicht zu verprellen, das via Quote Werbeeinnahmen garantiert.

Warum sollte Kevin eigentlich was anderes werden wollen, wenn er doch längst tonangebend ist? Und hat die Nivellierung nach unten in Wahrheit nicht längst stattgefunden, wenn Kevins Rüpelhaftigkeit den selbstverständlichen Umgang im Alltag prägt?

Das könnte man vermuten, weil Kevin eben doch auffällt, allein schon dadurch, dass er so zahlreich ist. Andererseits gibt es ausreichend Möglichkeiten, die Tuchfühlung mit ihm zu vermeiden, deswegen könnte man auch sagen, an Kevin wurde Terrain abgetreten, er hat Reservate bekommen, Homelands, wo er sich ausbreiten kann, aber die wirklich wichtigen, ertragreichen Reviere sind ihm verschlossen.

Kevin wird verschaukelt, könnte man befürchten. Kevin, das umworbene Wirtschaftssubjekt, ist nämlich häufig ein Konsumidiot. Man kann ihm alles mögliche reindrücken, unnötigen Schrott, für den er sein weniges Geld ausgibt, zweckloses Dekor für sein Auto, schon wieder einen neuen Computer, dessen Kapazitäten er vermutlich nicht ausnützt, überdimensionierte Flachbildfernseher, auf denen er Dokusoaps über Gescheiterte verfolgen kann. (Ob diese Freaks echt oder inszeniert sind, steht nicht zur Debatte, Hauptsache, sie vermitteln Kevin das Gefühl, er mache es besser.)

Kevin verschuldet sich für Gegenstände, die demnächst schon wieder elektronischer oder anderer Müll sein werden, erstens, weil sein Kreditrahmen für das, wofür sich die besser verdienenden Kreise verschulden, gar nicht ausreichen würde, und zweitens, um gleichzuziehen mit der Masse der Konsumierenden, aus der er aber andererseits wieder herausragen will, zum Beispiel, indem er früher besitzt, was alle anderen, wie er vermutet, demnächst auch besitzen werden, irgendein Ultrasupergigaphone zum Beispiel, mit dem er im wesentlichen nicht viel mehr tun wird als Jacqueline an- und das Kinoprogramm abrufen.

Kevins angeblich hedonistischer Lebensstil wird spätestens dann fragwürdig, wenn er seinen Arbeitsplatz verliert, was ihm aufgrund mangelhafter Qualifkation relativ leicht passieren kann. Fragwürdig zum einen, weil zweifelhaft ist, ob seine wirtschaftlich wenig gesicherte, masterplanlose Lebensweise wirklich dazu taugt, genießerisch genannt zu werden, und zum anderen, weil sein Konsumverhalten im Licht seiner finanziellen Bedürftigkeit plötzlich von einem zweifelhaften Charakter zeugt. Kevin, die umworbene Zielgruppe, mutiert ganz schnell zum Sozialschmarotzer, der den Wohlfahrtsstaat abzockt. Wozu bitte braucht einer wie Kevin zwei Fernseher? Das muss man doch einmal fragen dürfen!

Aber nehmen wir an, Kevin ist nicht nur nicht leistungsschwach, sondern mehr als bloß durschnittlich begabt, das heißt verhaltensauffällig in dem Sinn, dass er durch besondere Talente auffällt und unbeirrt seinen Weg geht, der ihn demzufolge hinausführt aus seinem Milieu. Nehmen wir an, Kevin ist ein Aufsteiger. Was heißt das für die anderen Kevins? Ich fürchte: nichts.

Aufsteiger tendieren dazu, die Ungleichheit perpetuieren zu wollen. Endlich auch wer sein. Zum alten Adel kam der bürgerliche, zum bürgerlichen der sozialdemokratische, und von der Nomenklatura in den Staaten des real existiert habenden Sozialismus wollen wir erst gar nicht reden.

Der Aufsteiger Kevin wird zwar immer wieder darauf hingewiesen werden, dass er ein solcher ist – aus kleinen Verhältnissen werden die Zeitungen noch über den 60-Jährigen schreiben, wenn sie über ihn schreiben, und das signalisiert nicht nur Bewunderung für den Selfmademan, sondern auch ein unerbittliches Festhalten an Klassenschranken – der Aufsteiger Kevin wird also zwar immer ein Parvenü bleiben, aber das wird ihn wahrscheinlich nicht hindern, seinerseits zu fragen: Muss denn jeder? und: Wo kommen wir denn hin, wenn alle? Die Früchte des Aufstiegs schmecken vielen umso besser, je weniger erreichbar sie für andere sind.

Eine so ungleiche Gesellschaft. Dabei begann sie mit einem Paukenschlag, der Gleichheit verkündete. Mit einer Erklärung, die aufräumte mit der Vorstellung von gottgewollter Ungleichheit, und die mit dem Satz anfing:
Die Menschen werden frei und gleich an Rechten geboren und bleiben es.
So lauten, Sie wissen es sicher, die ersten Worte der Menschen- und Bürgerrechtsdeklaration durch die Französische Revolution, die als prägendes Ereignis in der Geschichte der Moderne gilt. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Nicht erzwungene Uniformität, sondern ein frei gestaltetes Leben mit gleichen Möglichkeiten.

Ein gutes Konzept. Es hätte freilich zu denken geben sollen, dass die verbale Identität von Mensch und Mann im französischen Originaltext offenbar auch genauso gemeint war: Frei und gleich an Rechten sollten die Männer sein. Olympe de Gouges, die den Text auf die Frauen ausweitete – Die Frau wird frei geboren und bleibt dem Mann an Rechten gleich heißt es bei ihr, und: Die Frau hat das Recht, das Schafott zu besteigen. Sie muss gleichermaßen das Recht besitzen, die (Redner-)Tribüne zu besteigen – Olympe de Gouges endete dafür auf dem Schafott.

Das war die widersprüchliche Initialzündung für die modernen Gesellschaften: ein Bekenntnis zur Gleichheit bei gleichzeitiger Manifestation von Ungleichheit durch den Ausschluss der Schwestern aus der menschlichen Gemeinschaft.

So hat es sich bis heute gehalten: Geschlechtergerechtigkeit wird, als was sonst, als Gleichmacherei erbittert bekämpft. Darunter leiden nicht nur Ayse und Jacqueline, sondern auch Sophie und Charlotte. Denn die geleugnete, aber in den gesellschaftlichen Strukturen tief verwurzelte Misogynie hat bei aller schichtspezifischen Charakteristik klassenübergreifende Qualitäten. Jacqueline ist deshalb doppelt benachteiligt, durch die Klasse, in die sie hineingeboren wurde, und durch ihr Geschlecht.

Und dieser Widerspruch, der Bruch, der die Glaubwürdigkeit der Menschenrechtsdeklaration erschütterte, ist bis heute vorhanden. Gleichheit für alle unter der Bedingung, dass alle nicht wirklich alle sind, sondern nur ganz bestimmte, das ist die Erbsünde, an der wir tragen. Recht und Gerechtigkeit sind demzufolge nicht deckungsgleich. Sobald Gerechtigkeit eingefordert wird, verschanzen wir uns hinter dem Recht. Formal darf niemand benachteiligt werden, das muss genügen. So wird Gerechtigkeit zum Un-Recht, zur Bedrohung der Freiheit, an ungleichen Voraussetzungen zu scheitern. Freiheit als Ausgeliefertsein. Vogelfrei.

Der Deklaration der Bürgerrechte durch die Französische Revolution ging die amerikanische Unabhängigkeitserklärung voraus. Auch sie postulierte – schon 1776 – gleiche Rechte von Geburt an, auch sie schränkte diese gleichen Rechte und Möglichkeiten, schuldhaft, auf eine Gruppe von Auserwählten ein. Ausgeschlossen waren nicht nur die Frauen, sondern auch alle Männer mit nicht weißer Hautfarbe, gemeint waren weiße Männer. Diesen gestand die Unabhängigkeitserklärung allerdings etwas zu, worüber sich die französischen Revolutionäre nicht ausließen: das Streben nach Glückseligkeit. The pursuit of happiness.

Ein schöner Gedanke: Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt wurden, worunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit sind.

Ein schöner Gedanke, wenngleich daraus nicht hervorgeht, ob die Menschen einander bei diesem Streben nach einem glücklichen Leben unterstützen oder einzelkämpferisch agieren sollen und ob es sowas wie eine gesellschaftliche Verantwortung dafür gibt, dass möglichst viele die angestrebte Glückseligkeit auch erreichen können.

Ist Kevin glücklich?
Warum nicht, sagen die Ungleichheitspropagandisten, und betrachten Kevin, den Konsumidioten, den Sich-Verschulder für Ramsch und Schrott, den Bildungsfernen und angeblich Bildungsfeindlichen, als Hedonisten, der glücklich den Augenblick hochleben lässt, weil ihm jedes Talent für weiterreichende Perspektiven fehlt.

Andererseits muss man über keinerlei psychologische Spezialkenntnisse verfügen, um den Verdacht zu hegen, dass Kevin nicht aus purem Glücksgefühl den Unterricht stört, wenn er ihn denn stört, dass er Kemal nicht deswegen als Bedrohung empfindet, weil er sich zufrieden und sicher fühlt, und dass seine unaufhörliche Suche nach dem ultimativen Konsumgenuss möglicherweise auf ein quälendes Mangelgefühl zurückgeht, das materiell nicht zu beheben ist.

Sie alle sitzen hier, weil Sie gelernt haben, wie man Glückseligkeit erlangt, zumindest für die Dauer eines Konzerts, jedenfalls hoffe ich das, in Ihrem Interesse, und ich meine mit Glückseligkeit nicht den Eskapismus, zu dem triviale Behübschungskünste verhelfen, sondern die aufregende Wirkung einer Kunst, zum Beispiel einer Musik, die unter existenzielle Notwendigkeiten fällt, weil sie uns vor innerer Not bewahrt: Freude, Furcht, Erschütterung, Erhellung, Katharsis.

Die Momente der kathartischen und der magischen Glückseligkeit bewahren uns nicht vor allen Widrigkeiten des Lebens, aber sie sind eine Form von Reichtum, ohne den die Tage schnell grau und trostlos werden.

Manche Menschen verzichten anscheinend freiwillig darauf. Das konsum- und auch sonst idiotische Streben nach immer neuen und letztlich sinnlosen Kicks ist keine bloße Spezialität der Kevins, nur wird es an Hotelerbinnen anders bewertet. Vielleicht tue ich den Hotelerbinnen unrecht, wenn ich kein Mitleid mit ihnen habe, aber ich denke mir, sie können es sich aussuchen, ob sie verhaltensauffällig sein wollen, während Kevin stigmatisiert ist, ohne sich dafür entschieden zu haben. (Nein, kommen Sie mir bitte nicht mit dem Stigma der Erbinnen oder Erben, so viel Bedauern habe ich nicht vorrätig, als dass ich es an dummdreiste Privilegierte verschwenden könnte, auch wenn die – ein alter Trick – ihre Pole Position gern zum Fluch erklären, damit kein Neid aufkommt.)

Also: Was machen wir mit Kevin?
Wie erlebt er Glückseligkeit?
Vielleicht so wie Sie, wenn er lernt, wie das geht.
Was denn? Sollen alle Bruckner hören?
Ja. Kevin sollte Bruckner hören.
Kevin und Jacqueline und Kemal und Ayse.
Nicht um aufzusteigen, sondern selbstverständlich, in einer Welt, die ihnen den gleichen Zugang zur Glückseligkeit zugesteht wie allen anderen.
Das wünsche ich mir. Und Kevin und Jacqueline. Und Kemal und Ayse. Und uns allen.

elfriede.hammerl@profil.at