Elfriede Hammerl: Pension splitten

Elfriede Hammerl: Pension splitten

Mama kriegt Rentenanteile von Papa. Klingt gut. Hat aber Haken.

Also: Pensionssplitting. Heißt, dass der berufstätige Elternteil dem nicht berufstätigen, weil kinderbetreuenden Elternteil für einen gewissen Zeitraum bis zu 50 Prozent seiner künftigen Pensionansprüche übertragen kann. Hat in Österreich allerdings zwei Haken. Erstens: Geht nur, wenn Elternteil zwei gar nicht erwerbstätig oder höchstens geringfügig beschäftigt ist. Die meisten Mütter arbeiten aber Teilzeit. Und zweitens: ist freiwillig. Weswegen Elternteil eins nur in seltenen Fällen etwas von seinem Pensionsguthaben an die kinderbetreuende Gefährtin abtritt. Voll nicht nett, aber Tatsache.

Deswegen will die Familienministerin ein verpflichtendes Pensionssplitting durchsetzen. Das ist zwar grundsätzlich besser als die Goodwill-Variante, weil nicht einzusehen ist, dass einer Pensionszeiten hortet, während die Betreuerin der gemeinsamen Kinder durch die Finger schaut, sollte aber nicht als Zaubermittel gegen die weibliche Altersarmut missverstanden werden.

Wie gesagt: Ein Großteil der jungen Mütter arbeitet Teilzeit. Solange das Pensionssplitting für sie nicht gilt, dient es nur der Familie mit Retro-Rollenverteilung. Sieben Jahre lang kann die Frau in diesem Fall am Pensionskonto des Mannes mitnaschen. Demütigendes Wort, mitnaschen, trifft aber die Situation, in der er mit patriarchaler Geste etwas von seinem Pensionsanspruch hergibt – wobei bis jetzt noch nicht einmal dazugesagt wird, in welchem Verhältnis verpflichtend geteilt werden soll. (Ja, ein Rollentausch ist möglich, er würde die Sache jedoch nicht besser machen.)

Personen, die sich jahrelang vom Arbeitsmarkt nehmen, finden, wir wissen es, nur schwer wieder zurück, und schon gar nicht in gut bezahlte Jobs. Ihr Pensionskonto wird sich daher trotz eines gesplitteten Zeitraums nie wieder ordentlich füllen.

Der Verdacht, dass die türkis-blaue Regierung mit ihrem jugendlichen Chef eine deutliche Schwäche für altvaterische Familienmuster hat, liegt wieder einmal nahe. Das steht ihr natürlich frei. Sie sollte uns bloß nicht einzureden versuchen, dass ihr die wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen wirklich ein Anliegen ist.

Natürlich kann man Pensionssplitting auch anders gestalten. Die NEOS zum Beispiel schlagen vor, die Pensionskontogutschriften beider Elternteile ab der Geburt eines gemeinsamen Kindes für einen bestimmten Zeitraum automatisch halbe-halbe zu splitten. Mutter und Vater könnten dann Erwerbs- und Erziehungsarbeit nach eigenem Gutdünken zwischen sich aufteilen, ihre Pensionskonten würden auf jeden Fall im gleichen Ausmaß wachsen.


Zur Patentlösung sollte man das Pensionssplitting sowieso nicht hochloben. Geteilt ist weniger als ganz.

Das klingt schon besser. Die Möglichkeit eines Opting-out, wie es die NEOS ebenfalls vorsehen, wäre allerdings kontraproduktiv. Denn aus freien Stücken gibt Papa der Mama keine Scheibe von seinem Pensionsanspruchskuchen – das hat sich hinlänglich gezeigt.

Zur Patentlösung sollte man das Pensionssplitting sowieso nicht hochloben. Geteilt ist weniger als ganz. Um im Alter nicht arm zu sein, tut man gut daran, sich eine möglichst ganze eigene Pension zu erwirtschaften. Und um trotz Kindern im Alter nicht arm zu sein, braucht man neben einem anständig bezahlten Job und ausreichend qualitätvollen Kinderbetreuungseinrichtungen auch Arbeitszeiten, die sich mit Kindern vereinbaren lassen. Punkt.

Und jetzt weiter zum Papamonat. Auch für ihn gilt: Einer ist besser als keiner. Aber das war’s dann auch schon. Beziehungsweise: Das darf es eben nicht gewesen sein. Wer der Sozialministerin (die als solche zu bezeichnen zugegeben einer gewissen Überwindung bedarf) und dem Vizekanzler zuhört, könnte den Eindruck gewinnen, damit sei das Vereinbarkeitsdilemma ebenfalls weitgehend gelöst. Strache schwärmt von der wundervollen Erfahrung, die ihm der ­Papamonat geschenkt habe, und von der wundervollen Bindung, die er zu seinem Sohn aufbauen konnte, als wäre nach einmonatigem Einsatz eine solide Vater-Sohn-Beziehung dauerhaft und selbstrollend auf Schiene gebracht.

In einem Interview mit dem „Kurier“ (vom 17. Februar) sagt er, befragt, ob das Baby im Ehebett schlafe: „Unser Sohn schläft nachts nicht bei uns im Bett. Er schreit aber auch nie in der Nacht. (…) Ich bin überzeugt, wenn die Eltern eine gewisse Gelassenheit, Routine, Souveränität und Sicherheit ausstrahlen, dann reflektiert das Kind auch diese Stimmung und findet schnell seinen gewohnten Rhythmus.“

Na servas. So viel Weisheit nach nur einem Monat! H.C. als Neonatologe h.c.! Alle Eltern von Schreibabys werden schuldbewusst zur Selbstgeißelung schreiten. Oder aber sich denken, dass vier Wochen Vaterschaft einfach nicht ausreichen, um große Töne spucken zu dürfen.

Nein, der Papamonat ist schon okay, und vielleicht werden ihn ja wirklich mehr Väter konsumieren, sobald sie einen Rechtsanspruch darauf haben. Aber die Frage, wie es danach – sobald sich heraustellt, dass auch grenzgeniale Kinder weiterhin gewickelt und gefüttert werden müssen – mit wem weitergehen soll, ist damit nicht beantwortet.

elfriede.hammerl@profil.at
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