<small><i>Peter Michael Lingens</small></i>
Claudia&#8198;Schmieds Scheuklappen

Privatschulen haben keine Chance, obwohl sie die öffentliche Hand weit billiger als die Regelschule kommen. Ein Fallbeispiel.

Als Verleger eines Jugendmagazins, das an Schulen verwendet wird, lerne ich ziemlich viele Lehrerinnen und Lehrer kennen. Sie sind fast durchwegs netter als die, die ich vor sechzig Jahren hatte. Die meisten sind von ihrer Gesinnung her sympathisch "grün“ - gleich welche Partei sie wählen; für Naturwissenschaften haben sie deutlich weniger übrig als für Sprachen; von Wirtschaft wollen sie eher nichts wissen - und sie ist auch kein eigener Unterrichtsgegenstand, obwohl sie die Welt bewegt.

Lehrer, die Wirtschaft brennend interessiert, sind daher eher selten und fallen auf: Magister Herbert Madl, Germanist und Historiker am Gymnasium Kufstein, aber auch Lektor an der dortigen Wirtschafts-Fachhochschule, zählt zu dieser raren Spezies, und ich beneide auch die Kinder, die von ihm unterrichtet werden - sie werden nicht nur Deutsch und Geschichte können, sondern auch wissen, was die "Finanzmärkte“ sind.

Ich habe Madl zufällig (als Bruder eines Geschäftspartners) bei einem Abendessen in Innsbruck kennen gelernt, und als er mir erzählte, er träumte davon, mit ein paar Kollegen in Kufstein eine "Internationale Schule“ zu gründen, habe ich bedauert, dass meine Enkel in Wien wohnen - ich hätte sie dort hingeschickt.

Gemäß einer Umfrage des Fachhochschulvereins Kufstein denken zahlreiche Tiroler ähnlich - sie wären bereit, bis zu 750 Euro monatlich Schulgeld zu zahlen.

Da es in der Fachhochschule ein Dachgeschoß gibt, das von einer "Internationalen Schule Kufstein“ preiswert angemietet werden könnte, ergäben sich maximale Synergien: Lehrer könnten an beiden Schulen unterrichten, und die gymnasiale Oberstufe ließe sich mit dem Baccalauréat verschränken.

Das Ganze erschien mir ein so hervorragendes Projekt, dass ich es bei einem Termin in anderer Sache der Unterrichtsministerin Claudia Schmied skizzierte und anregte, mit Magister Madl Kontakt aufzunehmen. Denn um es zu verwirklichen, braucht er die Abdeckung von 20 Prozent der Personalkosten durch die öffentliche Hand. Er hat sie nicht erhalten.

Ich kann das weder als Vater noch als Steuerzahler verstehen.

Angeblich will der Staat sparen. Die geplante Privatschule könnte im Vollausbau 200 Schüler ausbilden. Wenn sie nicht zustande kommt, müssen diese 200 Schüler an öffentlichen Schulen ausgebildet werden und fallen damit zur Gänze der öffentlichen Hand zur Last. Meines Wissens verursacht ein Schüler Kosten um die 85.000 Euro im Jahr.

Die 20 Prozent der Personalkosten einer "Internationalen Schule Kufstein“ sind ein Bruchteil davon. Frau Schmied müsste Herrn Madl danken, dass er ihr diese Möglichkeit des Sparens eröffnet.

Aber sie tut es nicht. Und da ich sie nun schon durch mehrere Jahre als durchaus initiative Ministerin erlebe und an sich schätze, scheint mir die Vermutung begründet: Sie tut es aus Ideologie nicht - sie mag keine privaten Schulen. Sonst würden längst auch die anderen nicht katholischen Privatschulen, etwa die Steiner-Schulen, verstärkt öffentlich gefördert, denn auch dort kommt die Ausbildung eines Schülers die öffentliche Hand ungleich billiger als im Regelschulsystem und ist laut PISA-Test um nichts schlechter.

Erleichterte man die Gründung privater Schulen und bezahlte man ihnen, wie im sozialdemokratischen Schweden, pro Schüler einen Kostenbeitrag, so ließe sich Österreichs Schulsystem, das zu den teuersten der Welt zählt, durch das Einbeziehen privaten Kapitals budgetär erheblich verbilligen.

Aber die SPÖ will private Schulen nicht fördern - noch weniger als die ÖVP.

Es schreiben nur auch die roten Granden ihre Kinder vorzugsweise in Privatschulen ein.

Arbeiterkindern wird diese Wahlmöglichkeit vorenthalten, während die private Schule im beschriebenen schwedischen System für sie genauso kostenlos wie bei uns die öffentliche ist.

Alle, etwa auch von Frau Schmied gegen mehr private Schulen vorgebrachten Einwände lassen sich entkräften: Man kann auch privaten Schulen vorschreiben, Anmeldungen aus ihrem Einzugsbereich zu akzeptieren. Die Sorge, dass sie keine betreuungsintensiven Migrantenkinder oder behinderte Kinder aufnehmen, widerspricht erstens der Erfahrung und ist zweitens in dem Moment gegenstandslos, in dem man für diese Kinder entsprechend höhere staatliche Kostenbeiträge fixierte. (Sie kosten ja auch an der öffentlichen Schule deutlich mehr.)

Es könnte zu einer fruchtbaren Konkurrenz zwischen öffentlichen und privaten Schulen kommen, die sowohl der Qualität wie den Kosten zum Vorteil gereichte. (Und im Übrigen auch Lehrern neue Möglichkeiten eröffnete.)

Doch für Claudia Schmied (aber auch meine liebste Kollegin Elfie Hammerl) ist ein solches Konzept nicht "sozialistisch“, sie will ausschließlich ihre staatlich verordnete "Gesamtschule“, die uns jedenfalls noch teurer als schon bisher kommt - wobei ich mit ihr hoffe, dass sie wenigstens erfolgreicher ist. (Meine leisen Zweifel werde ich ein anderes Mal formulieren.)

Schade. Ich hätte mir von jemandem, der einmal im Vorstand einer Bank gesessen ist, mehr Bereitschaft zur "Diversifizierung“ erhofft.

peter.lingens@profil.at