Rainer Nikowitz

Rainer Nikowitz

© Udo Titz

Satire
04/02/2022

Rainer Nikowitz: Das blaue Telefon

Unter allen im Moment laufenden Friedensbemühungen ist die Geheimdiplomatie der FPÖ sicherlich am erfolgversprechendsten.

von Rainer Nikowitz

Putin: Da?
Kickl: Ja! I bin da!

Putin: Da??
Kickl: No, waaßt eh! Da Herbert! Aus Esterreich! Der mit dem Freundschaftsvertrag. Aus deiner fünften Kolonne im verrotteten Westen! 

Putin: Manche sagen finfte Kolonne. Ich lieber sage: Nitzliche Idioten.
Kickl: Na also, jetzt erinnerst di wieder! Strasdwitze!

Putin: Was fir Witze?
Kickl: Äh … Oder haaßt dos Nasdrowje?

Putin: Gehe aus Leitung. Warte ich auf wichtige Anruf.
Kickl: Welcher Anruf könnt denn jetzt grad wichtiger sein als der eines Freundes, Towarischtsch! I wüll vermitteln, vastehst?

Putin: Und ich will als Nächstes erobern Pluto. Interessiert auch keine Sau.
Kickl: Du weißt ja, wir san auf deiner Seiten, du kannst dich hundertprozentig auf uns verlassen. Wir finden unsern Hauptwohnsitz in deinem Mastdarm immer noch voll lässig. Die FPÖ is ja schließlich immer dabei, wenn die Gschicht nur widerwärtig und niederträchtig genug is. Aber jetzt muss ich dich trotzdem dringend bitten, dass du damit aufhörst!

Putin: Mit Lieferung von Gas?
Kickl: Dos warat a super! Weil, je mehr Probleme und Chaos, desto besser für uns. 

Putin: Geht aber nicht. Imperialistische Schweine nicht einmal bezahlen in Rubel, wie ich chabe befohlen. 
Kickl: Dos is schon a bissl peinlich, gö? Aber i mein eh was anderes. 

Putin: Womit dann ich soll aufchören? Mit ganze Spezialoperation zu Entnazifizierung?
Kickl: Mit der Spezialoperation an sich hamma kane Probleme nit. Aber: Sag um Himmels willen nit „Entnazifizierung“!

Putin: Wieso nicht?
Kickl: Weil si sonst wahnsinnig viele Leut in meiner Partei fürchten, dass sie die Nächsten sein könnten!

Putin: Tut mir leid. Aber chab ich in Moment andere Sorgen. 
Kickl: Dos versteh ich schon, Towarischtsch. Aber für uns kommt’s halt auch grad knüppeldick. Jetzt hobn se uns „Russia Today“ a no abdraht. Weißt, was dos für uns bedeutet?

Putin: Dass sich müssen chirnamputierte Wähler von dir verlassen nur mehr auf Lügen in Telegram?
Kickl: Genau! Eine Katastrophe für die Meinungsfreiheit! Und die Kneissl verdient jetzt viel weniger! 

Putin: Aber wozu ich bezahle meine nitzliche Idioten in Westen, wenn sie können nicht einmal verchindern das?
Kickl: Was soll i denn machen? Wir haben bei der letzten Wahl halt nit de Mehrheit bekommen.

Putin: Na und? Lukaschenko auch nicht. Und ich schon gar nicht.
Kickl: Leider is unsere demokratische Kultur noch nicht so weit entwickelt. Aber wir arbeiten dran! Tagtäglich!

Putin: Ist nicht genug. Warum es gibt Sanktionen? Weil finfte Kolonne ist nicht mehr als finftes Rad an Wagen! 
Kickl: Dos ist unfair! Immerhin war’s i, der dos BVT ruiniert hat – obwohl i nit vül Zeit dafür ghabt hab! Dos war doch für deine Agenten wie Weihnachten und Ostern gleichzeitig! Eigentlich warat i a Fall für de Staatssicherheit.

Putin: Für Leitung?
Kickl: Mehr für a Verhaftung. 

Putin: Bist du nicht immun?
Kickl: Nur gegen Vernunft. Und Anstand. 

Putin: Besser als nichts. Wenn wäre ganze Westen so, ich ihn längst chätte gemacht zu Osten.
Kickl: Hach, ja! Und dann warat i da Lukaschenko von Österreich! Genauso unumstritten. Und genauso beliebt.

Putin: So. Aber jetzt du musst gehen wirklich aus Leitung. Warte ich auf Bericht von große Freudenkundgebung von Bevölkerung wegen russische Befreiung.
Kickl: Unser nächste Demo am Heldenplatz is aber erst am Samstag.

Putin: Rede ich von Mariupol. 
Kickl: Dos kann dann aber maximal de zweitgrößte sein. Übrigens, nur so interessehalber: Stimmt dos wirklich, dass du di mit Sputnik impfen hast lassen?

Putin: Bin ich schon mutig. 
Kickl: Dos tat i niemals bezweifeln! 

Putin: Aber nicht deppert. 
Kickl: Ah! Da bin i aber froh. Also eh gegen die Impfung.

Putin: Nein. Nur für Pfizer. Darum Sanktionen müssen unbedingt aufchören vor Cherbst, wenn kommt neue Welle und ich vielleicht brauche nächste Booster. Sonst reicht Sicherheitsabstand bei meine lange Tisch nicht mehr aus, und ich kann nur mehr treffen meine Generäle, wenn ich bin in Moskau und sie sind in Petersburg. 
Kickl: Na ja. Bis dahin wird ja der Blitzkrieg wohl vorbei sein, oder?

Putin: Welche Krieg?
Kickl: Ups! 

Putin: Wenn du jetzt wärst in Moskau, dann du dirftest bleiben finfzehn Jahre länger. 
Kickl: Besuchen Sie Russland  – bevor Russland Sie besucht! Ich weiß, der ist alt. 
Putin: Aber immer noch gut!