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Rainer Nikowitz
02/13/2010

Rainer Nikowitz Der Waffenbruder

Der Waffenbruder

von Rainer Nikowitz

Mensdorff-Pouilly: Bevor wir anfangen, junger Freund: Brauchen wir vielleicht irgendwas? Eine Zehntausenderpackung Kalasch­nikows? Zehn, zwölf Leopard-Panzer? Oder ein kleines Neutronenbomberl?

profil: Äh …, was sollt ich mit einer Neutronenbombe?
Mensdorff-Pouilly: No, es gibt doch immer einen Nachbarn, der seinen Zwetschkenbaum böswillig über die Grundstücksgrenze wachsen lasst.

profil: Dann ess ich die Zwetschken halt einfach auf.
Mensdorff-Pouilly: Was sind Sie? Ein Gandhi für Arme?

profil: Für sehr Arme.
Mensdorff-Pouilly: Nu ja, soll sein. Mir is ja an sich nix Menschliches fremd. Also, fang ma an. In Lesotho warten a paar Kindersoldaten auf mich. Und die Konkurrenz schlaft net.

profil: Also, Herr Mensdorff …
Mensdorff-Pouilly: Wissen S’ was? Jetzt, wo wir uns schon ein bissl besser kennen – sagen S’ doch einfach Pouilly zu mir.

profil: Wie Sie wollen. Herr Pouilly, haben Sie in Ihrem Leben schon einmal irgendwen bestochen?
Mensdorff-Pouilly: Ja.

profil: Dieses Eingeständnis kommt jetzt doch etwas überraschend. Bisher haben Sie ja alle Vorwürfe, die gegen Sie erhoben werden, bestritten.
Mensdorff-Pouilly: Das tu ich immer noch.

profil: Aber wen haben Sie denn dann bestochen?
Mensdorff-Pouilly: Einmal einen Platzanweiser in der Oper, damit er mich von meiner Loge auf einen Platz mit Sichtbehinderung setzt.

profil: Warum denn das?
Mensdorff-Pouilly: Ich kann Opern nicht ausstehen. Aber Sie wissen ja, in meinen Kreisen … Da muss man sich das Gewinsel ab und zu anhören. Aber dann mag ich diese Koloratur-Matronen wenigstens net sehen.

profil: Gut. Aber meine Frage bezog sich eher auf Ihre Geschäfte.
Mensdorff-Pouilly: Hören Sie, ich arbeit in der Rüstungsbranche. Die ist generell so sauber, da können Sie aus einem Bombentrichter essen.

profil: Es ist doch ein offenes Geheimnis, dass man bei großen Rüstungsdeals gleich einmal zwischen zwei und vier Prozent der Auftragssumme für Bestechung einkalkuliert.
Mensdorff-Pouilly: Gehen S’, so ein Blödsinn! Aber, wenn Sie es schon ansprechen: Braucht Ihre Frau nicht irgendwas? Einen Brillantring? Eine Busenvergrößerung? Einen Job bei der ÖVP?

profil: Wie kommen Sie jetzt darauf?
Mensdorff-Pouilly: No, laut einer aktuellen Umfrage würden in Privathaushalten 72,8 Prozent aller Frauen ihren Männern zum Ankauf einer Neutronenbombe raten.

profil: Wer wurde denn da befragt? Die Leseschwäche-Selbsthilfegruppe von Sarah Palin?
Mensdorff-Pouilly: Über die lass ich nix kommen! Die haben mir schon alle Badezimmer daheim in Luising finanziert.

profil: Wie viele haben Sie denn?
Mensdorff-Pouilly: Ich bin mit dem Zählen noch nicht durch. Man kommt ja zu nix, vor lauter Untersuchungshaften.

profil: Die Sie natürlich immer zu Unrecht treffen.
Mensdorff-Pouilly: Die in Österreich war ja ganz angenehm. Aber in London haben sie mir sechs Tag lang keinen Kamm gegeben. Kann man sich das vorstellen?

profil: Entsetzlich! Was sagt Amnesty International dazu?
Mensdorff-Pouilly: Ach, wissen Sie, einer wie ich hat halt leider keine Lobby, die sich für ihn ins Zeug haut.

profil: Stimmt. Man sollte wirklich dringend mehr Lobbying für Lobbyisten betreiben.
Mensdorff-Pouilly: Ganz meine Red, junger Freund. Wissen S’ was? Wenn Sie die Neutronenbombe doch nehmen, leg ich eine F-16 drauf. Na?

profil: Das ist natürlich sehr verlockend. Aber danke.
Mensdorff-Pouilly: Sie sind ja vielleicht ein harter Knochen! Bei den Tschechen ist das viel leichter gangen. Also gut: eine F-16 und 5000 Landminen. Die sind mir eh in El Salvador überblieben. Und dann hätt ich gern die Telefonnummer von ­Ihrer Mutter.

profil: Was wollen Sie von meiner Mutter?
Mensdorff-Pouilly: Vielleicht hören Sie ja auf die. Ich hab da mein spezielles Mutter-Set, da is ein Pelzmanterl drin, ein paar Hansi-Hinterseer-Videos, eine Perlenkette, die ich der Mitzi …

profil: Sie wollen also meine Mutter bestechen?
Mensdorff-Pouilly: Hören S’, das is aber ein ganz schiaches Wort für ein paar harmlose Geschenke! Passen S’ auf, was Sie sagen. Man muss ja schließlich auf seinen Ruf achten.

profil: Ob Sie damit jetzt nicht ein bissl spät dran sind? Was sagt eigentlich Ihre Frau zu Ihren Geschäftspraktiken?
Mensdorff-Pouilly: Was für eine Frage! Was glauben S’, womit ich sie damals herumgekriegt hab? Mit meiner Frisur vielleicht?

profil: Damals hatten Sie ja sicher noch einen Kamm.
Mensdorff-Pouilly: Ha! Das ist witzig! Wissen S’ was? Die F-16, die Minen – und dann no 100 total schicke Sprengstoffgürtel. Na?

profil: Oh mein Gott.
Mensdorff-Pouilly: Na also. Jetzt wird er weich!

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