Rainer Nikowitz: Ersatzbank

Rainer Nikowitz: Ersatzbank

Kein Grund zur Sorge: Die Suche der SPÖ nach einem kompetenten Nachfolger für Tal Silberstein ist schon bald zu Ende.

In Neapel pfeifen es die V-Männer von allen Dächern, dass ein Shootingstar der süditalienischen Geschäftswelt bald die SPÖ im Wahlkampf beraten könnte. Rocco Roccibaldi hat sich in der dortigen, nicht als übermäßig zimperlich bekannten Hochfinanz-Szene nicht nur als gevifter Netzwerker, sondern auch als zupackender Macher einen ­Namen gemacht. Konkurrenten bezeichnen „Dum-Dum Rocco“, wie er von seinen Fans liebevoll genannt wird, zwar als mitunter etwas übermotiviert – aber daraus spricht sicherlich nur neoliberaler Neid auf einen Manager, der sich ausgesprochen zielstrebig aus ärmsten Verhältnissen hochgearbeitet hat. Anpassungsschwierigkeiten in Wien sollte es keine geben, außer einem Nachtsichtgerät und seiner Mamma braucht Roccibaldi laut eigenem Bekunden nichts, er könne gleich voll loslegen. Leichen im Keller, deren Auftauchen den Wahlkampf der SPÖ erneut wie im Fall Silberstein in Turbulenzen bringen könnten, sind bei ihm übrigens nicht zu befürchten, auch aufgrund der hochprofessionellen Vorbereitung auf den mittlerweile mit Sicherheit begehrtesten Top-Job Österreichs: Rocco hat auf Google Maps den tiefsten See Österreichs bereits gefunden.


Seit seiner Tätigkeit im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf gilt der Russe als Big Player in der internationalen Politberaterszene.

Allerdings ist Roccibaldis Bestellung keineswegs ausgemachte Sache, die Konkurrenz ist hart. So befindet sich im engeren Kandidatenkreis Rasputin Beltschareff, ein vielversprechendes Jungtalent aus St. Peters­burg. Seit seiner Tätigkeit im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf gilt der Russe als Big Player in der internationalen Politberaterszene, ein über ihn grassierendes Bonmot lautet: „Wenn Rasputin und sein Computer wollen, wird Justin Bieber US-Präsident.“ So habe der ursprüngliche Plan nämlich ausgesehen, wie Beltschareff in einem seiner seltenen Interviews verriet. Trump sei nur der leider schief-, weil viral gegangene Witz eines verkaterten Programmierers gewesen. Überraschungen wie diese werde es aber garantiert nicht mehr geben, man habe sich von diesem Mitarbeiter natürlich getrennt, er sei nun Schrankenwärter in der fernöstlichen Taiga. Allerdings geht das für die SPÖ durchaus pikante Gerücht um, dass Rasputin bislang eher der FPÖ zur Seite gestanden sei – vor allem auf den Feldern der Online-Medienarbeit und Forenbetreuung. Er selbst dementiert dies auf Anfrage nicht ausdrücklich und antwortet kryptisch: „Dazu nur zwei Worte: Stefan Petzner.“

Außenseiterchancen werden auch dem aus der Volksmusik- und Schlagerszene kommenden Manager Sammy Dietbert eingeräumt, der vor allem seine Erfahrungen als High-End-Texter einbringen könnte. Die SPÖ müsse eine klarere Sprache sprechen, meinte Dietbert denn auch auf die Frage, was sich ändern müsse, um die Wahl erfolgreich zu schlagen. „Nehmen Sie nur die Zeile: ‚Und über Rhodos küss ich dich.‘ Da ist alles drin an Message, was ich brauche! Die Tussi weiß wann, sie weiß was. Und sie denkt natürlich: ‚Ey, endgeil!‘“


Jetzt schon neu im Kampagnenteam hingegen – wenn auch, wie ausdrücklich betont wird, nur in ergänzender Funktion – ist Frau Lore aus Wien-Simmering.

Aus dem Rennen dürfte hingegen der Amerikaner Michael Takemore, in Las Vegas bekannt unter seinem Künstlernamen „Tricky Mike“, sein. Ursprünglich waren die Chancen des Selfmade-Millionärs, dem man nachsagt, selbst aus nichts noch etwas machen zu können – eine Eigenschaft, die ihm in der SPÖ mit Blick auf die roten Umfragewerte sofort alle Herzen zufliegen ließ –, weil er in aussichtslosesten Situationen immer noch ein Ass aus dem Ärmel hervorzaubert, gar nicht so schlecht gewesen. Doch dann soll er gleich beim ersten Gespräch vorgeschlagen haben, einen nicht ausschließlich von lauteren Absichten getragenen Pensionistenbrief zu verschicken. Als ob das nicht jedem einfiele! Dazu braucht man nun wirklich keine teuren Berater. Aus ähnlichen Gründen kam es auch nicht zu einer Zusammenarbeit mit Dolly Doubledee, seit ihrer Zeit im Hafenviertel von Rotterdam eine Legende bei der Generierung von Sympathiewerten. Allerdings schlug sie den Slogan „Mache alles, öffne nackt!“ vor. Und der ist für die letzte Wahlkampfwoche ohnehin eingeplant. Inklusive Kern-Video auf Facebook, in dem der Kanzler demonstriert, wie ernst er das meint.

Jetzt schon neu im Kampagnenteam hingegen – wenn auch, wie ausdrücklich betont wird, nur in ergänzender Funktion – ist Frau Lore aus Wien-Simmering. Der nach einem bedauerlichen Arbeitsunfall im Wiener Magistrat Frühpensionierten – man macht sich ja manchmal gar keine Vorstellung, was so eine Heftklammer in einem Daumen anrichten kann – erschien vor vier Jahren beim ­Bügeln plötzlich Cary Grant. Anschließend gab er ihr bei einer Tasse Hagebuttentee Börsentipps. Seitdem ist Frau Lore ein in der und um die Zippererstraße viel gefragtes Medium. Ihre einzige, aber deshalb nicht minder verantwortungsvolle Aufgabe im Wahlkampf ist es nun, schnellstens mit dem Bruno in Kontakt zu treten und ihn zu fragen, was um Himmels willen man bloß tun solle.

Bis jetzt hat er nicht geantwortet.