<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Erste Hilfe

Am Montag beginnt der Weltklimagipfel in Kopenhagen. Wie auch immer das Ergebnis aussehen wird – an gutem Willen und ebensolchen Ideen mangelt es im Vorfeld keineswegs.

China, einer jener Staaten, von denen das zukünftige Weltklima ganz entscheidend abhängt, erklärte sich bereits im Vorfeld zu einer Geste des guten Willens bereit: Künftig werden dort politische Gefangene nicht mehr unter Ausstoßung jeder Menge schädlichen Pulverdampfs mit Genickschuss hingerichtet, sondern klimafreundlich erdrosselt. Im Hinblick auf weiter reichende Maßnahmen zeigt man sich in Peking abwartend, aber verhandlungsbereit. Denn wenn etwa statt reißfester Plastikschnüre nachhaltige, aber weniger zuverlässige Juteschnüre verwendet werden sollten, müsste es für diesen freiwilligen Technologieverzicht Entgegenkommen auf anderen Gebieten geben – etwa bei Kohlekraftwerken oder Tibetern.

Aus Österreich meldete sich H. C. Strache zu Wort. Er wies in seiner den staatstragenden Auftritten von Vizekanzler Pröll und Bundeskanzler Faymann nachempfundenen „Rede zur Lage der Nationalen“ darauf hin, dass ein weltweites Minarettverbot die CO2-Bilanz drastisch verbessern würde. Ein sinnlos in der Gegend herumbrüllender Muezzin produziere außer Hass schließlich auch wesentlich mehr CO2 als zum Beispiel ein schlafender – von einem in Guantanamo unter einer mehr oder minder luftdichten Kapuze sicherheitsverwahrten gar nicht zu reden. Damit sei aber sicherlich fürs Erste genug getan, denn keineswegs dürfe es etwa zu einer Einschränkung der freien Fahrt für autochthone Bürger kommen, und überhaupt habe es ja eigent­lich eh jeder gern warm, sofern er nicht ein Eskimo sei, bei dem er sich im Übrigen auch von noch so geballtem Gutmenschenterror nicht das Recht nehmen lasse, ihn Eskimo zu nennen.

Vizekanzler Josef Pröll erklärte aus Mauritius, er habe seinen ganz persönlichen Beitrag zur Rettung des Weltklimas schon geleistet, denn erstens habe er schon als Umweltminister vor zwei Jahren die Österreicher dringend dazu aufgefordert, auf Fernreisen zu verzichten – und zweitens sei er nicht mehr Umweltminister. Mehr könne man von ihm wirklich nicht verlangen. Aus der Umgebung Barack Obamas verlautete, er werde in Kopenhagen eine Rede halten, mit der er die ganze Welt zu fesseln gedenke. Er werde in drastischen Worten und plastischen Bildern vermitteln, was auf uns alle zukomme. Aber er werde auch ganz klar zu verstehen geben, dass es bei einem Change auch jede Menge Hope gebe, und mit einem flammenden Appell an die internationale Staatengemeinschaft schließen, der sicherlich kaltlassen werde. Danach sei es dann an den anderen zu handeln.

Die zehn größten Erdölunternehmen der Welt erregten mit einem gemeinsamen Communiqué mit der OPEC einiges Aufsehen: Sie erklärten sich bereit, den Ölpreis in schwindelerregende Höhen zu treiben, sobald sich die Bevölkerung in den Industriestaaten wenigstens einigermaßen an Massenarbeitslosigkeit und an die neuen Steuern, die notwendig sein würden, um die Folgen der Finanzkrise zu verarbeiten, gewöhnt habe.

Diese selbst von Globalisierungs-, Kapitalismus- und sonstigen Berufskritikern wohl nur als hochgradig altruistisch zu qualifizierende Maßnahme werde hoffentlich dazu führen, dass der Ausstieg aus fossilen Energieträgern schnell vonstattengehe und nur ungefähr so lang dauere, bis sämtliche fossilen Energieträger der Welt verbraucht seien. Die zugegebenermaßen gigantischen Gewinne, die aus dieser Notmaßnahme entstünden, werde man darüber hinaus für Verbesserungen des Kleinklimas – wie etwa die Umwandlung der Wüste Rub el Khali in Saudi-Arabien in einen Golfplatz und die Installierung von Open-Air-Klimaanlagen in Dubai – investieren.

Der frühere US-Vizepräsident und CEO von Halliburton, Dick Cheney, merkte dazu begeistert an, dass das Al Gore eigentlich schon längst einfallen hätte können, wo er doch immer so gescheit tue. Silvio Berlusconi sagte am Rande einer Pressekonferenz, in der er die kommunistische Unterwanderung der italienischen Justiz, der internationalen Presse und des späten Dschingis Khan geißelte, man müsse das Weltklima behandeln wie eine schöne Frau – also keinesfalls in irgendeiner Form dafür zahlen. Allerdings begrüßte er den Gipfel in Kopenhagen als außerordentlich sinnvolle Veranstaltung, da ihm der Besuch in der dänischen Hauptstadt die Gelegenheit gebe, diese kleine Nackte, die da irgendwo völlig ungeniert herumsitze, endlich persönlich kennen zu lernen.

Karl-Heinz Grasser überraschte heute schließlich mit der Ankündigung, einen Weltklima-Investmentfonds ins Leben zu rufen. Ihm sei es schon immer enorm wichtig gewesen, nachhaltig zu investieren. Außerdem dränge es ihn geradezu, beruflich einmal etwas zu machen, für das sich ein paar Jahre später nicht der Staatsanwalt interessiere. Grasser möchte mit seiner neuen Finanzinitiative vor allem den ­Mittelstand ansprechen, also Investments ab einer Höhe von ungefähr einer Million Euro lukrieren. Die Spesen bewegten sich, wie Grasser mit entwaffnendem Lächeln ausführte, im international durchaus üblichen Bereich.

rainer.nikowitz@profil.at