© Walter Wobrazek

Meinungen
08/26/2017

Rainer Nikowitz: Gleichenfeier

Sebastian Kurz hat von der FPÖ Positionen und damit Wähler übernommen. Das muss doch auch umgekehrt gehen!

von Rainer Nikowitz

Kickl: So, Männer! Jetzt geht der Wahlkampf erst richtig los. I hab nämlich endlich die Strategie gegen den famosen Herrn Kurz gfunden! Strache: Des war aber a höchste Zeit! I hab mir im Stillen scho überlegt, ob wir net vielleicht a den Petzner fragen sollten. Hofer: I hätt an den Gusenbauer gedacht. Kickl: Is ja herzallerliebst! Aber, Freunde der Blasmusik: Von mir aus muss i sowieso net unbedingt der Einzige in der Partei sein, der si a Strategie überlegt. Ihr dürft’s nämlich ruhig a nachdenken. Hofer: Am dürfen tät’s ja net scheitern. Strache: Wie i damals den Job da übernommen hab, ham mir alle hoch und heilig versprochen, dass i dafür net nachdenken muaß. Hofer: Oba jetzt sag scho: Was is dir denn eingfallen? Kickl:Unser Wirtschaftsprogramm! Strache: Aha. Hofer: Allerhand. Kickl: No a Alzerl mehr an überbordender Begeisterung und i fühl mi wie der Justin Bieber. Strache: Na ja, wie soll i sagen: Wirtschaft … Des is jetzt net so der Bringer am Viktor-Adler-Markt. Hofer: Net amol i tät uns ausgrechnet wegen unserm Wirtschaftsprogramm wählen. Und die Leut draußen scho gar net. Kickl: Aber ihr wisst’s ja no gar nit, was drinsteht! Strache: Dos versuch ma dir ja grad schonend beizubringen: Es is uns wurscht! Hofer: Bevor i des les, les i lieber no a Jelinek-Biachl. Außerdem: Wir verstehen ja gar nix von Wirtschaft. Kickl: Wenn ma ab jetzt nur mehr über Sachen reden, von denen ma was verstehen, dann wird si die nächste „Pressestunde“ mit dem HC mehr in Richtung Presseminuten bewegen. Außerdem: die Strategie! Kömma endlich über de reden? Strache: Oiso guat. Wie is denn jetzt dei bahnbrechende Strategie? Kickl: Von nun an wird zurückgestohlen! Hofer: Des is guat! Geht in die Richtung von „Holen Sie sich, was Ihnen zusteht!“ – aber noch darüber hinaus! Ist kompromissloser, härter, asozialer … Kickl: Äh … Des is net der Inhalt vom Wirtschaftsprogramm – sondern der von der Strategie. Strache: Na geh! Dabei hätt der Ansatz unseren Wählern sicher guat gfallen. Kickl: Was sagt euch Folgendes: Senkung der Steuer- und Abgabenquote auf unter 40 Prozent, finanziert durch Entbürokratisierung, Eindämmung der Zuwanderung und Kürzungen bei Sozialleistungen, keine Erbschafts- und Schenkungssteuer, Absage an jeglichen Klassenkampf … Hofer: Hmm. Des hab i glaub i scho amoi ghört. Strache: I a. Aber net verstanden. Kickl: Des waren alles Kurz-Forderungen. Und jetzt – san’s unsere! Hofer: Unser Wirtschaftsprogramm is desselbe wie des vom Kurz? Kickl: Im Wesentlichen ja. Strache: Jetzt wähl i uns a nimmer. I kann den Typen net leiden. Kickl: Eh net. Aber denk amol scharf nach: Warum kannst eam denn net leiden? Strache: Dos weißt du doch ganz genau: Jahrelang war i die Nummer eins in den Umfragen. Dann kummt des Burschi daher, sagt über die Flüchtlinge desselbe wie i – und nimmt ma den Thron weg. Kickl: Ganz genau. Hofer: Der hat uns unsere DNA gstohlen! Kickl: Mei Red! Und drum stehl ma ihm jetzt seine! Strache: Dos nennst du a Strategie? Kickl: Warum nit? Bei eam hat’s ja a funktioniert. Hofer: Ja. Weil de Leut halt irgendwie auf eam stehen. Strache: Hör i da heraus, dass du die Möglichkeit in Betracht ziehst, dass sie auf mi net stehen? Hofer: Na ja … Was i di scho lang fragen wollt: Warum tragst du eigentlich net solche Anzüge? Strache: Weil i nimmer einepa… Seit wann beschäftigen wir uns mit solchene Nebensächlichkeiten? Kickl: Weil Nebensächlichkeiten scho immer unser Kernkompetenz waren? Strache: Aber was is, wenn de Leut sagen, wir schmeißen uns mit so an Wirtschaftsprogramm an den Kurz zuwe? So als Koalitionsvorleistung? Kickl: Na ja … Der ane oder andere wird des vielleicht sagen. Hofer: Stimmt jo a. Rot-Blau wird knapp. Also müss ma uns beim Kurz als Juniorpartner in Stellung bringen, bevor’s der Doskozil macht. Strache: Ah! Dos is a Strategie, die i a versteh. Kickl: Dann isses ja guat. I hätt a glei die Wahrheit sagen können, aber damit hätt i zugegeben, dass ma über den zweiten Platz eh scho heilfroh wären – solang ma nur in die Regierung kommen. Strache: Ah, wer weiß, wozu dos no guat ia. Vielleicht kommt alles ja do no ganz anders. Hofer: Wieso? Strache: Schau: Wenn si unsere zwa Parteien programmatisch immer ähnlicher werden – dann kommt’s ja voll auf den Spitzenkandidaten an! … Was is? Hab i an Rammel im Gsicht oder was? Wieso schaust du mi jetzt so komisch an? Hofer: Weil i fürcht, dass du recht hast.