Rainer Nikowitz

Rainer Nikowitz

© Udo Titz

Satire
08/06/2022

Rainer Nikowitz: Ich sag ja nur!

Nur wegen einem Selbstmord lasse ich mir meine Redefreiheit aber sicher nicht beschneiden! Wir sind ja hier nicht in einer linksgrünen Meinungsdiktatur.

von Rainer Nikowitz

Das ist ja wieder einmal typisch. Da bringt sich diese Frau um, ja? Diese angebliche Ärztin da, in Oberösterreich. Und wer hat darunter am meisten zu leiden? Ich! Mir wollen sie jetzt schon wieder weiß Gott was alles verbieten! 

Dabei kann ich doch überhaupt nichts dafür, dass die jetzt so ein schlechtes Gewissen bekommen hat, dass sie das gemacht hat. Ich kenne diese Frau ja nicht einmal! Ich habe zwei, maximal drei Mal in den sozialen Medien von meinem verfassungsmäßig verbrieften Recht auf freie Meinungsäußerung in Bezug auf sie und ihre zweifelhaften Ansichten Gebrauch gemacht. Und deswegen werd ich da jetzt gleich wieder hergestellt wie ein Verbrecher? Das kann es ja wohl nicht sein. Weil, bei Gott: Die hat das ja so was von verdient gehabt! Dass sie sich meine freie Meinung anhören muss, meine ich. Geradezu gebettelt hat sie darum! Ich meine, einfach so Menschen gegen Covid zu impfen – und das als Ärztin!! Geht’s noch?

Und dann soll ich als vernünftiger, freier Bürger auf einmal kein Recht mehr haben, dieses Verbrechen entsprechend zu kommentieren? Und jetzt, wo diese Frau weg ist und endlich keine Gefahr mehr für uninformierte Bürger und unschuldige Kinder darstellt – da soll ich mich nicht einmal mehr öffentlich darüber freuen dürfen? Das will man mir auch noch verbieten? Ja wo sind wir denn bitte? In Deutschland vielleicht? Oder irgendwo in Skandinavien in einer anderen von diesen anderen linksgrünen Meinungsdiktaturen? Da gibt es ja schon genügend abschreckende Beispiele, wo die Freiheit überall mit Füßen getreten wird. Da braucht keiner von denen über den Putin reden. Weit hamma’s bracht! Ich sag Ihnen eines: Jeder dahergelaufene Kameltreiber hat in diesem Land mehr Rechte als ein anständiger Bürger wie ich, das ist die traurige Wahrheit. Danke, Merkel! 

Die Frau hat geimpft! Als Ärztin!! Und ich als anständiger Bürger soll zu diesem Verbrechen nichts sagen dürfen?

Es läuft in dieser Sache eigentlich eh wie sonst auch immer, ich brauche mich da gar nicht groß wundern. Das System sorgt nämlich immer dafür, dass alles immer verlässlich mich am härtesten trifft! Alles, was das System will, alles, woran es denkt und arbeitet, ist: mich zu unterdrücken, wo es nur kann. Mir meine Freiheit zu nehmen. Und alle meine Rechte. Aber nicht mit mir. Mit den Schlafschafen kann man das ja vielleicht machen. Aber ich als wacher, kritischer Bürger spiele da sicher nicht mit. 

Und ich denke da schon auch über mich selber hinaus, so ist das nicht, ich mache mir so meine Gedanken, oh ja. Im Gegensatz zu den meisten anderen aber meine eigenen. Und ich mache mir auch Sorgen. Sorgen um unsere Demokratie nämlich. Denn was ist denn bitte eine Demokratie wert, die mein verfassungsmäßiges Recht auf Meinungsfreiheit kalt lächelnd beschneidet? Nur weil vielleicht irgendwer nicht hören will, dass ich ihn gern auf langsamer Flamme grillen würde, weil er eine andere Meinung hat als ich? Wieso sind solche Empfindlichkeiten mein Problem? Wehret den Anfängen, sage ich da! Da muss man auf der Hut sein! Ich meine, wenn ich zulasse, dass die mir heute verbieten, mit einem Galgen in der Hand gegen Van der Bellen zu demonstrieren – was kommt denn dann morgen? Darf ich dann schon morgen nicht mehr anonym ins Internet schreiben, dass alle Corona-Impfer ins Arbeitslager gehören, und wenn sie das überleben sollten, dann an die Wand? Oder sonst irgendeine nun wirklich legitime, weil einfach richtige Meinung?  

Und das soll dann eine lebendige Demokratie sein? Unter Einbindung aller? Dass ich nicht lache! Wo bin ich dann bitte eingebunden? Oder auch, wenn man eine Klarnamenpflicht im Internet einführen würde, sodass jeder, der etwas postet, auch gleich mit seinem richtigen Namen dafür geradesteht. Dann wäre ich ja auf einen Schlag meiner Stimme beraubt! Meine gesamte demokratische Hörbarkeit wäre weg. Denn klarerweise würde ich ja dann die Pappn halten, ich bin ja nicht deppert.

Es macht ja schließlich demokratiepolitisch einen gewaltigen Unterschied, ob unter einem Satz wie „Eine Drecksau weniger!“ steht: von „Wotan69“ oder von „Kevin Pschistratek“. Das wird Ihnen jeder seriöse Politikwissenschafter bestätigen, wie sehr die Demokratie da drunter zu leiden hätte, wenn sich der Kevin outen müsste. Schauen Sie auf Telegram, da gibt es genügend unabhängige Information dazu. 

Aber wie ich Sie kenne, werden Sie das wahrscheinlich nicht machen, denn wie ich weiß, lesen Sie ja gerade die Systempresse. Sie haben keine Ahnung – und dabei wird es leider auch bleiben. Schlimm ist nur, dass Leute wie Sie halt leider immer noch wahlberechtigt sind. Darum glaube ich ja auch nicht daran, dass Wahlen etwas ändern. Also müsste man da einmal etwas anderes unternehmen. Und gerade die Informierten, die wirklich wissen, was abläuft, haben da eine besondere Verantwortung, etwas zu tun. Alle zusammen – dann sind wir nämlich viele. Und bleiben anonym.