Rainer Nikowitz: Kreisverkehr

Rainer Nikowitz: Kreisverkehr

Mittlerweile ganz normale Nachrichten aus der Welt, in der wir leben.

Wenn du glaubst, es geht nicht mehr – tiefer nämlich –, kommt von irgendwo ein noch kleineres Lichtlein her. In Österreich hört diese nur sehr schwache Funktionszeichen zeigende Birne im Luster auffällig oft auf den Namen Johann Baptist Björn Gudenus, seines Zeichens geschäftsführender Klubobmann einer Partei, für deren segensreichen Aufenthalt in der Regierung man Sebastian Kurz gar nicht oft genug danken kann.

Herrn Gudenus gelang kürzlich wieder einmal die Aufdeckung eines ungeheuren Skandals, den die Gutmenschen und die von ihnen kontrollierten Fake-News-Mainstream-Medien natürlich nur allzu gern unter den Teppich gekehrt hätten. „Wiener Wohnen“ – also quasi die Wiener SPÖ – plane nämlich keineswegs, alle Namensschilder an Klingeln und Postkästen wegen der Datenschutzgrundverordnung zu entfernen, sondern vielmehr, um „die Früchte ihrer Einbürgerungs- und Zuwanderungspolitik, die sich seit langer Zeit bis zum heutigen Tag an den Türschildern der Gemeindebauten ablesen ließ, zu vertuschen.“ Nicht lachen! Und bitte auch keinesfalls die dahinter liegende geistige Anstrengung geringschätzen! Um auf so einen beeindruckend fetzendepperten Mist zu kommen, müssten selbst Menschen, die dafür an sich das nötige Rüstzeug mitbrächten, fest nachdenken. Also kann man sich leicht ausmalen, wie lang erst ein Gudenus dafür gebraucht haben muss. Andererseits: Wenn man in der glücklichen Lage ist, diese doch sehr fordernde und auch zeitraubende Tätigkeit durch reichlich vorhandene Bösartigkeit und Niedertracht ersetzen zu können, tut man sich ja wiederum gleich viel leichter.

Die südlichen Freunde von Gudenus und Konsorten, also die italienischen Hooligans, die sich gerade Minister oder gar Premier nennen lassen dürfen, lieferten vergangene Woche auch wieder ein schönes Beispiel dafür, dass Unintelligenz und Unzivilisiertheit einander keineswegs ausschließen müssen – wo sich doch immer weitere Teile jener Welt, die überhaupt die Wahl hat, darauf zu verständigen scheinen, dass das genau jene Eigenschaften sind, die ein Politiker am dringendsten braucht. Angelo Ciocca, EU-Parlamentarier der Lega Nord, enterte nach einer Pressekonferenz von Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici, in der dieser den italienischen Budgetentwurf zerpflückte (der im Wesentlichen aus der Forderung „Vanilleeis für alle Italiener – und die Rechnung schicken Sie gefälligst nach Norden!“ besteht), das Podium, zog seinen rechten Schuh aus und bearbeitete damit Moscovicis Unterlagen. „Mit einer in Italien gefertigten Schuhsohle!“, wie er später auf Twitter stolz verlauten ließ. Und Vizepremier Matteo Salvini schob noch nach, Italien werde sich nicht länger „dämlichen Regeln“ unterwerfen. Jener Salvini, über den Harald Vilimsky, wiederum einer unserer Besten, findet, er habe als „Gesicht einer Sammelbewegung“ für die EU-Wahl im nächsten Jahr „Charme“.


Auf gut Österreichisch: - 'Selber schuld – und gusch!'

Allerdings zeigen sich in der Freundschaft zwischen den italienischen und österreichischen Wut-Krakeelern leider schon erste kleine Risse. Die feste Absicht unserer Deutschtümler, Südtirolern zusätzlich zu ihrem italienischen Pass auch noch den österreichischen in die Lederhose zu stecken, kommt komischerweise bei den „Italien zuerst“-Verfechtern gar nicht so gut an. So etwas kann die nationalistische Internationale, die sich gerade noch beim gemeinsamen Ziel, Europa in die Luft zu sprengen, um sich dann, vor den rauchenden Trümmern stehend, die Frage zu stellen „Äh … und jetzt?“ gefunden hat, natürlich schon ein bisschen aus der Bahn werfen. Wirklich erstaunlich, wo doch im Lauf der Geschichte sämtliche Nationalisten, die sich an einer sie trennenden Grenze gegenüberstanden, an sich immer schon best buddies waren.

Noch viel müheloser unterschreitet allerdings ein anderer Woche für Woche sämtliche Grenzen dessen, was bislang als akzeptables menschliches Verhalten galt. Nach der Serie von Briefbomben, die in den USA an Kritiker von Donald Trump wie Barack Obama, die Clintons oder auch CNN geschickt wurden, entblödete sich Agent Orange nicht, sofort wieder die Medien zu attackieren: Diese müssten endlich ihre „endlosen Feindseligkeiten“ einstellen. Auf gut Österreichisch: „Selber schuld – und gusch!“ Das ist selbst für seine Verhältnisse ein kaum für möglich gehaltenes Highlight. Wäre interessant zu wissen, was Herbert Kickl darüber denkt. Wer sich bislang noch nicht gefürchtet hat – jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, damit anzufangen.

Eine der Bomben ging übrigens an George Soros. Also an jenen Mann, den nicht nur Trump oder Viktor Orbán mit ihrem Hass verfolgen, sondern über den auch ein gewisser Johann Gudenus zu berichten wusste, es gebe „stichhaltige Gerüchte“, dass dieser – wenig überraschend – auch noch unfassbar geldgierige Jude den Masterplan ausgeheckt habe, Europa mit Abermillionen muslimischer Migranten zu überschwemmen und solcherart zu zerstören. Warum? Na, so halt!

Der Kreis schließt sich. Und wir mittendrin.

rainer.nikowitz@profil.at