Rainer Nikowitz: Normalbetrieb

Rainer Nikowitz: Normalbetrieb

Das Gute daran, dass der Zeitgeist gerade rechts ist? Endlich hat allenthalben wieder das gesunde Volksempfinden das Sagen.

Der Ring Freiheitlicher Studenten – eine Organisation mit leider sehr geringer Mitgliederzahl, da ja die Bereitschaft, an der FPÖ auch nur anzustreifen, unerklärlicherweise mit zunehmendem Bildungsniveau drastisch absackt – hat vergangene Woche dankenswerterweise einen empörenden Fall von Verharmlosung des Nationalsozialismus zur Anzeige gebracht. Dies ist umso bedeutsamer, als es für den genannten Tatbestand ja kaum ausgewiesenere Experten geben kann als eine mittelschwer verhaltensauffällige Versammlung deutschnationaler Kapperlständer mit Säbel-Akne und nicht zuletzt deshalb nicht vorhandenem Sexualleben.

Die Straftat passierte 2012, in einem von der nunmehrigen „Jetzt“-Parteichefin Maria Stern hochgeladenen YouTube-Video. Stern singt darin, angetan mit Dirndl und Zöpfen, ein satirisches Lied über HC Strache und seine Mannen. Und sie hebt dabei einmal die Hand zu etwas, das in FPÖ-Kreisen an sich immer als „Winken“ bezeichnet wird. Allerdings nur, wenn es ein Blauer tut. Unsere Freiheitlichen sind bekanntlich durch die Bank sehr freundliche Menschen, und da bricht man halt öfter einmal in spontanes Gewinke aus – da kann man gar nichts dagegen tun, das ist einfach in einem drin. Frau Stern zeigt allerdings im Gegensatz dazu eindeutig den Hitler-Gruß, und das geht ja nun gar nicht, findet RFS-Vorsitzender Lukas Heim. Ins Reich der Psychiatrie weist der Kommentar von Harald Vilimsky zu Sterns Video, er ließ verlauten: „Völlig durchgeknallt!“ Und auch bei dieser Expertise gilt zu beachten, dass der Mann diesbezüglich nun wirklich aus nächster Nähe weiß, wovon er spricht.

Wir hoffen jedenfalls in dieser Angelegenheit auf die volle Härte des Gesetzes. Wenn sich schon nicht irgendein Lager finden lässt, dann müsste es zumindest eine Diversion sein, die so aussieht, dass Stern ab nun nur mehr Lieder singen darf, die aus den antifaschistischen Liederbüchern der „Germania zu Wiener Neustadt“ oder der „Ostmark zu Linz“ stammen. Weiters muss amtlicherseits klargestellt werden, dass, falls Stern noch einmal öffentlich winken sollte, sie es gefälligst ernst zu meinen hat. Und falls die Justiz ihrer Aufgabe nicht wunschgemäß nachkommen sollte – bloß nicht aufgeben, RFS! Sondern dranbleiben und es mit einem anderen Tatbestand noch einmal versuchen. Wie wäre es mit Urheberrechtsverletzung?

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Unter den vielen bedauernswerten Opfern des in den Medien flächendeckend betriebenen linken Meinungsterrors – einmal abgesehen von einigen tapferen kleinen Nischenmedien wie „Krone“, „Österreich“ oder „Heute“ – entwickelt sich Andreas Gabalier langsam, aber sicher zum allerärmsten. Jetzt haben sie ihm nicht einmal den Karl-Valentin-Orden gegönnt, den ihm die sicherlich sonst auch voll lustige Münchner Faschingsgilde „Narrhalla“ verliehen hat! Weil, so die linken Berufsdemonstrierer und Feminismusfrustbuchteln, das Werk des genialen bayerischen Extremkomikers recht wenig mit den sprachlich wie intellektuell ein paar Universen tiefer angesiedelten Texten des singenden karierten Tischtuches aus der Steiermark gemein habe.


Wie sagte der deutsche Astrophysiker Harald Lesch vergangene Woche anlässlich der Präsentation seines neuen Buches zum geistigen Zustand der Welt? ‘Die Vernunft ist gerade auf der Toilette.‘

Zum Glück hat Gabalier aber auch viele Freunde. Die deutsche Pegida rief zu seiner Unterstützung auf, und zwar mit der „Gabalier-Kreuz-Challenge“. Dabei stellen besorgte Bürger eine Pose von Gabalier auf einem seiner Albumcover nach, in der manche ein stilisiertes Hakenkreuz zu erkennen glaubten. Bei Pegida ist allerdings diesbezüglich der Gebrauch des Verbs „glauben“ von einer gewissen Unschärfe gekennzeichnet, „hoffen“ träfe es wohl besser. Jetzt ist der liebe Andreas allerdings immer furchtbar betroffen, wenn ihn jemand ins rechte Eck rückt. Also kann es nur mehr eine Frage von Stunden sein, bis er vermeldet, dass er mit Pegida nichts zu tun haben möchte.

Update 1: Dauert wohl noch ein bisschen.
Update 2: Ist sich leider bis Redaktionsschluss nicht mehr ausgegangen. Aber in der Zwischenzeit sicher schon längst passiert!

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Gian Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS, erklärte vergangene Woche zur Zukunft Olympischer Winterspiele: „Vom Geschäftlichen her sage ich: Ich will nur noch in Diktaturen gehen, ich will mich nicht mit Umweltschützern herumstreiten.“ Schade nur, dass Herr Kasper als Schweizer privat nie in den Genuss von Wohnsitz oder gar Staatsbürgerschaft in einem seiner präferierten Länder gekommen ist. Man würde es ihm herzlich gönnen. Außerdem stellte Kasper in Abrede, dass es den Klimawandel gebe, schließlich habe es im Winter geschneit. Hier weiß er sich auf einer Linie mit zwei anderen großen Vordenkern des Skisports, nämlich ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel und seinem Toupet (bei denen Arbeitsteilung herrschen dürfte; der eine denkt, der andere redet). Die lassen sich nämlich, „… nicht gerne verarschen, auch nicht von der ganzen Klimawelt.“

Wie sagte der deutsche Astrophysiker Harald Lesch vergangene Woche anlässlich der Präsentation seines neuen Buches zum geistigen Zustand der Welt? „Die Vernunft ist gerade auf der Toilette.“ Das ist einerseits deprimierend, macht andererseits aber auch Hoffnung. Weil dort muss schließlich jeder Depp einmal hin.

rainer.nikowitz@profil.at