Rainer Nikowitz: Treibhausdefekt

Rainer Nikowitz: Treibhausdefekt

Rechtsradikale sind in aller Regel auch Klimawandel-Leugner. Aber warum eigentlich?

Man weiß ja nicht genau, woher er sein Wissen hat. Das weiß man bei ihm zwar generell selten, aber im konkreten Fall erscheint vorerst einmal nur gesichert, dass DDr. Strache seine Abschlüsse in Klimatologie und Meteorologie sicher nicht an irgendeiner dahergelaufenen Wanderuni gemacht hat. Jedenfalls erklärte der Vizekanzler unserer nicht zuletzt seinetwegen so glücklichen Republik den menschlichen Anteil am Klimawandel im Interview mit dem „Standard“ vergangene Woche einmal mehr zur Schimäre: „Klimaveränderungen gibt es seit Jahrtausenden. Die Sahara war einmal die Kornkammer Roms und ist dann zur Wüste geworden. Das hat mit vielen Faktoren zu tun, aber sicher nicht mit Fabriken oder sonstigen Entwicklungen, die es damals gar nicht gab.“ Also: Wir sind’s nicht!

Vielleicht basiert Straches Klima-Wissen ja ebenso wie die meisten anderen seiner Expertisen auf dem gerade bei ihm außerordentlich stark ausgeprägten gesunden Volksempfinden. Gerade die Wissenschaft könnte ja viel mehr an gesundem Volksempfinden brauchen, entdecken diese ganzen Gscheiterln dort doch andauernd Sachen, die dem Rechtsradikalen nicht gefallen. Und dann muss er wieder wütend werden und auf Facebook irgendwem irgendwas androhen. Der Rechtsradikale als solcher ist nämlich ein sensibles Wesen, da muss man schon Rücksicht nehmen. Außerdem wäre auch eine Demokratisierung der Wissenschaft wünschenswert. So könnte die FPÖ beispielsweise eine Volksabstimmung darüber abhalten, ob man die Evolutionstheorie einfach so weitergelten lassen sollte, obwohl die sich daraus ergebende Verwandtschaft von Mensch und Affe den Linkslinken ja nur allzu gut in ihren Kram passt. Harald Vilimsky böte sich hier als Kampagnenleiter an – und natürlich auch als Gegenbeweis.


Dass es jetzt auf einmal zum Beispiel keine Rassenlehre mehr gibt, kann ja wohl nicht mehr sein, als eine ideologiegetriebene, neumodische Verwirrung.

Auch bei anderen wissenschaftlichen Fachgebieten kann man noch einigermaßen leicht nachvollziehen, warum der Rechtsradikale mit gewissen Erkenntnissen ein Problem hat. Nehmen wir nur die Zeitgeschichte: Was einem da alles über den Zweiten Weltkrieg erzählt wird, will man als mit der Strafe der späten Geburt geschlagener Freiheitlicher natürlich nicht hören. Ebenso sind jüngere Entwicklungen in der Biologie mitunter von zweifelhaftem Unterhaltungswert in einschlägigen Expertenforen, denn dass es jetzt auf einmal zum Beispiel keine Rassenlehre mehr gibt, kann ja wohl nicht mehr sein, als eine ideologiegetriebene, neumodische Verwirrung.

Aber warum gehört das Leugnen jeglichen menschlichen Einflusses auf den Klimawandel so unverrückbar zum Kanon rechtsrechter Intelligenzleistungen? Wem ist damit gedient?

Die Erklärung, dass sich die FPÖ einfach als Vertreterin sämtlicher Lobotomierten im Land sieht, stimmt zwar sicherlich auch, greift aber hier auf jeden Fall zu kurz. Und auch die Kränkung Norbert Hofers, dessen beste Idee seines Lebens – also 140 km/h auf der Autobahn – unter dem Klimaschutzterror extrem zu leiden hat, ist zwar zweifellos inakzeptabel, eignet sich als singulärer Grund aber nicht.


Also ist auch hier, wie auf so beklagenswert vielen anderen Gebieten, eine riesige Verschwörung im Gange.

Strache selbst hat es einmal so formuliert: „Ich glaube, dass es mächtige Einflusssphären, Geheimdienste und kapitalkräftige Konzerne gibt, die versuchen, sich abzusprechen.“ Also ist auch hier, wie auf so beklagenswert vielen anderen Gebieten, eine riesige Verschwörung im Gange. Und: „Es geht um Geschäftemacherei.“ Und dieses Geschäft werden, so ist zu vermuten, jedenfalls nicht Strache und die Seinen machen, sondern wahrscheinlich – wie eigentlich eh immer – die sattsam bekannte Ostküste.

Dass aber zum Beispiel die Ölindustrie jahrzehntelang Unmengen von Geld investiert hat, um Klimawandel-Leugnung in großem Maßstab zu versuchen, man sich also als ausgewiesener Kleiner-Mann-Versteher zum nützlichen Idioten für das angeblich so misstrauisch beäugte Großkapital machen könnte – Fake News.


Und dann gibt es da auch noch diesen mumifizierten Mönch in Russland, der Strache nicht loslässt.

Schade ist nur, dass Strache auf der anderen Seite schon auch einer ist, der sich wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht völlig verschließt. Jeder einzelne der 6000 Euro, die seine Wahrsagerin gekostet hat, kann praktisch als blaue Wissenschaftsförderung verstanden werden. Die Frau hat ihn ja schließlich unter anderem mit einem „Schutzmantel bei Auftritten“ versehen, und da kann man nur sagen: Don’t leave home without it! Auch bei Kornkreisen zeigt sich HC sehr interessiert und für jeden Forschungserfolg offen. Aber natürlich nur, wenn da endlich was anderes rauskommt als die öde Lüge, irgendwelche Witzbolde könnten nachts das Korn niederwalzen, damit die Straches dieser Welt auch einmal freiwillig über etwas nachdenken.

Und dann gibt es da auch noch diesen mumifizierten Mönch in Russland, der Strache nicht loslässt. Er habe „ein tolles Video“ über den gesehen: „Seine Augen sollen sich bewegen! Das sind interessante Phänomene, die oftmals nicht erklärbar sind und die man kritisch hinterfragen soll.“

Genau. Wissenschaft könnte ja so spannend sein!

rainer.nikowitz@profil.at