© Udo Titz

Satire
06/13/2020

Rainer Nikowitz: Wacker, Innsbruck!

Die Rufmordkampagne gegen Tirol schreitet fort. Dem tritt das mit Füßen getretene Land mit einer energischen Stellungnahme entgegen. Diesmal drucken wir sie sogar ab.

von Rainer Nikowitz

Gleich vorab möchte das Land - wir ersparen uns an dieser Stelle bewusst die oft verwendete Formulierung "heiliges Land", weil wir es, nebst allen anderen Ungeheuerlichkeiten, mit denen man uns im Moment zu schaden versucht, schon leid sind, ständig auf das Offensichtliche hinweisen zu müssen - Tirol gleich einmal eines klarstellen: Wenn ihr da in Wien draußen diese Stellungnahme wieder nicht binnen 24 Stunden veröffentlicht, kracht es diesmal wirklich. Wir haben da unsere Mittel. Da müssen gar nicht gleich die Schützen ausrücken. Und es müssen auch nicht gleich gesprengte Strommasten sein. Und schon gar keine biologische Kriegsführung mit Viren oder so. Aber nur so viel: Hansi Hinterseer ist im Moment ziemlich ausgerastet. Kondition für Playback ohne Ende. Da geht sich ein Sechs-Stunden-Open-Air auf eurem Heldenplatz locker aus.

Die Rufmordkampagne, die an Tirol begangen wird, ist nicht mehr länger hinzunehmen. Zuerst die unglaubliche Skandalisierung der mit völlig ortsüblicher Korrektheit abgewickelten Geschehnisse rund um die Corona-Infektionen in einigen unserer World-Class-Top-Skiresorts. Wir wurden als verantwortungslose, raffgierige Tourismus-Billignutte hingestellt - während die Wahrheit natürlich eine ganz andere ist: Unsere Skilehrer machen es ja alle gratis. Und nunmehr folgt gleich der nächste ebenso durchschaubare Versuch unserer Feinde auf dem Fuß, uns aus dem Geschäft zu drängen: aus einer in Tirol flächendeckend als Ehrfurchtsbezeugung für eine ebenbürtige Gegnerin gebrauchten Bezeichnung "Luada" in völliger Verkehrung der Tatsachen eine quasi systemische Geringachtung für Frauen in unserem Land zu konstruieren. Das können wir nicht länger hinnehmen. Und darum sagen wir: "Mander, s'isch Zeit!"

Um gleich einmal den jüngsten angeblichen "Fall" ein für alle Mal zu klären: Frauen waren in Tirol immer schon sehr hoch angesehen. Wir haben auch einen besonders beeindruckenden Beweis dafür: die Frau Hitt in der Innsbrucker Nordkette! Höher geht's ja nun wirklich nicht, schon gar nicht bei euch Großkopferten da in Wien draußen, die ihr immer alles so genau wisst's. Gut, die Jungfrau in der Schweiz. Die ist noch höher. Aber über den Namen regen sich sicher auch wieder ein paar Emanzen auf. Wir wiederum hätten unseren Felsbrocken ja auch "Herr Schröcksnadel" nennen können. Haben wir nicht. Aber das schreibt natürlich wieder einmal keiner, auch da widerfährt uns keine Gerechtigkeit. Weil wir aber ein ausgesprochen umgängliches Völkchen sind, wollen wir trotzdem unseren guten Willen demonstrieren, hier wirklich immer am Puls der Zeit zu bleiben: Es ist uns gelungen, mit DJ Ötzi einen nun wirklich über jeden Zweifel erhabenen Frauenversteher für die Ausarbeitung der Kampagne "Tirol meets Weiberleut'" zu gewinnen. Sein vorerst nur mündlich skizziertes Grobkonzept trägt den Arbeitstitel: "Hey, Baby!"

"Sämtliche Berichterstattung hat ab nun tirolfreundlich zu erfolgen."

Der gesamte Imageschaden aus beiden Seuchen, mit denen Tirol in jüngster Zeit konfrontiert war - also Corona und Feminismus -, wiegt natürlich schwer. Es bedarf einer österreichweiten Kraftanstrengung, das wieder in die Ordnung zu bringen, in die es gehört. Wir alle sind gemeinsam gefordert. Und gerade den Medien -so wie wir in Tirol sie schon immer verstanden haben - wird natürlich eine besonders wichtige Aufgabe zukommen.

Sämtliche Berichterstattung hat ab nun tirolfreundlich zu erfolgen. Bevorzugterweise hat sie sich um saftige Almwiesen, knorrige Altbauern und dralle Sennerinnen mit einem Dirndl-Dekolleté tief wie die Kundler Klamm zu drehen. Entsprechendes Fotomaterial ist der beigefügten Mappe zu entnehmen, andere Bebilderungen sind ab sofort ausdrücklich untersagt. Als kleinen Leitfaden für verantwortungsvolle Pressearbeit finden Sie anbei auch ein Register von erwünschten respektive nicht erwünschten Wörtern. So ist zum Beispiel "Quarantäne" kein sehr gern gesehenes Wort, "Hüttenkäse" hingegen durchaus. Gar nicht mehr lesen wollen wir "Behördenversagen", dafür aber sehr gerne öfter "Kaiserwetter". Und wenn man statt "frauenfeindlich" "wildromantisch" verwendet, wird aus jedem vorher vielleicht nicht so inspirierten Text im Handumdrehen ein wahres Kleinod. Weiters hat in jedem Artikel folgende Stellungnahme von Landesverweser Günther Platter vorzukommen: "In Tirol ist zum Glück alles noch so, wie es immer war: in Ordnung!" In welchen Kontext diese Aussage eingebettet wird, ist ohne Belang. Auch diesbezüglich setzen wir in Tirol also auf Kontinuität.

Sollte all das sofort und ohne Ausnahme umgesetzt werden, sehen wir von weiteren Maßnahmen einstweilen ab. Aber vergiss nicht, Wien: Wir können auch anders! Du bist nur auf Bewährung. Und der Hansi scharrt schon in seinen Fell-Moonboots!

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