Morgenpost

Opernball 2024: „Sollen sie doch Kuchen essen!“

Gestern fand der 66. Opernball in der Wiener Staatsoper statt. Von Priscilla Presley bis hin zum Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen waren alle dabei – außer jene, die keine zehn Euro für ein stilles Wasser zahlen konnten.
Eva  Sager

Von Eva Sager

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Ich bin ja selbst nicht ganz unschuldig. Seit ich denken kann, verbinde ich die Faschingszeit – abseits von den erschreckend schlechten Witzen beim Villacher Fasching („lei, lei“) und dem „Imster Schemenlaufen“, einem Fastnachtsbrauch im Tiroler Oberland – mit dem Wiener Opernball. Mit Mirjam Weichselbraun vom ORF, die versucht den kultigen Stargast von Richard Lugner vor die Kamera zu bekommen (heuer war das die US-Schauspielerin und Ex-Frau von Elvis Presley, Priscilla Presley), mit den exzentrischen Blumengestecken (dieses Mal aus pinken Rosen, Ranunkeln, Wicken und Anthurien) und mit der Frage, wie viel man für eine Lodge eigentlich bezahlen muss (zwischen 14.000 und 24.500 Euro).

Der ganze Spaß ist grundsätzlich nicht billig. Eine Eintrittskarte für den „Ball der Bälle“ kostet 385 Euro, einen fixen Sitz- oder Stehplatz während der Eröffnung garantiert die aber noch lange nicht. Für den Weißen Spritzer legt man laut Speisekarte 14,50 Euro hin, für den Rosé schon 30,00 Euro und beim billigsten Champagner bekommt man für 39,00 Euro um die 100 Milliliter. Die alkoholfreien Getränke helfen einem da auch nur bedingt weiter, ein kleines Cola beläuft sich auf satte 12,50 Euro, das Red Bull sogar auf 15,00 Euro.

Wirklich stören tut das am Opernball wahrscheinlich niemanden. Über 5000 Gäste waren heuer anwesend, darunter alles, was Rang und Namen oder Geld hat (in den meisten Fällen letzteres), die Karten schon seit Monaten ausverkauft. Übersetzt man die Popularität des Opernballs in Zahlen klingt das ungefähr so: 52.600 Gläser, 1000 Sektkühler, 160 Debütantenpaare, rund 2,5 Millionen Fernsehzuschauer:innen.

Das finden zwangsläufig nicht alle gut. Zwei Gegendemonstrationen haben sich gestern in Wien formiert – eine, ganz traditionell, angemeldet von der Kommunistischen Jugend Österreich (KJÖ), die andere von der Protestplattform „Es Reicht!“, die unter anderem von der Österreichischen Hochschüler:innenschaft und SPÖ-Vorfeldorganisationen unterstützt wird. „Der Opernball ist ein Symbol für die immense Ungleichheit in der Gesellschaft und in Zeiten, in denen sogar Vollzeit-Arbeitende zurückstecken müssen, eine reine Provokation“, begründet die KJÖ ihre Entscheidung, auch heuer wieder gegen den Opernball zu demonstrieren. Ähnlich sieht das der Österreichische Gewerkschaftsbund. Auf X (vormals Twitter) lässt dieser verlauten: „Eine große Loge am Opernball kostet bis zu 24.500 €. Arbeitnehmer:innen mit einem Durchschnittseinkommen müssten dafür fast ein ganzes Jahr arbeiten (netto)“ und „Wer sich das leisten kann, dem tut auch eine Millionärssteuer nicht weh, versprochen!“

Bei der Imster Fasnacht hat ein Cola heuer übrigens 2,50 Euro gekostet und ein stilles Wasser gab’s bei den Brunnen sogar gratis. Priscilla Presley war zwar nicht da, der Lugner dafür aber auch nicht.  

Eva  Sager

Eva Sager

schreibt über Popkultur, Gesellschaft und Gegenwart.