profil vor 25 Jahren: Der geheimste Dienst

Sie „bespitzeln Politiker, observieren Demonstranten und hören Telefone ab“, und zwar „ohne jede Kontrolle“, berichtete profil am 27. Februar 1989. Gemeint war nicht die NSA, sondern Österreichs „geheim­s­ter Dienst“, das Heeresnachrichtenamt (HNA). Herr über die Heeres-Agenten war der jeweilige Vertei­digungminister, was aber etwa Friedhelm Frischenschlager 1985 nicht davor bewahrt hatte, von der eigenen Truppe ausspioniert zu werden. Ende 1955 gegründet, war das Heeresnachrichtenwesen lange ein „Instrument des Kalten Krieges“. Dank des Horchpostens Königswarte bei Hainburg konnte „bis tief in die Sowjetunion hinein“ gelauscht werden. In den 1960er-Jahren verbuchten die Heeresspione international „hochangesehene Erfolge“, etwa als sie 1968 „als erster Geheimdienst der Welt vom bevorstehenden Einmarsch“ der Warschauer-Pakt-Truppen in die CSSR berichteten. 1989 kam der Dienst innenpolitsch ins Gerede. Wegen verschwundener Akten und abgehörter Telefonate wurden Rufe nach parlamentarischer Kontrolle laut. Verteidigungsminis-ter Robert Lichal winkte ab, es sei alles unter Kontrolle, „außerdem sei das HNA nicht mit der Staatspolizei vergleichbar, da es ,nur Auslandsaktivitäten‘ setze“. Ein Insider sah das ganz anders: Gegen das HNA sei „die Stapo ­eine Ansammlung harmloser Haserln“.

Nicole Schmidt