profil vor 25 Jahren: Nach dem Tiananmen-Massaker

"China brennt“, stand in dicken roten Lettern auf dem Cover der profil-Ausgabe vom 12. Juni 1989:

Das chinesische Militär hatte einige Tage zuvor die studentische Demokratiebewegung auf dem Platz des himmlischen Friedens brutal niedergewälzt. Zwischen einigen 100 und einigen 1000 Opfern soll das Massaker zwischen dem 3. und dem 4. Juni 1989 im Pekinger Zentrum gefordert haben.

China-Korrespondent Georg Blume radelte für profil nach dem Blutbad durch die chinesische Hauptstadt: "Die Pekinger Beda-Universität, vor wenigen Tagen noch Zentrum der Studentenbewegung, gleicht heute einer evakuierten Zone. Hier sitzt der Schrecken tiefer als die Trauer.“ Nie war hier der Himmel so nahe, notiert er in seinem Bericht. Aber nicht nur die Angst vor einem neuen Blutbad lag in der Luft, sondern auch die Gefahr, ein militärisches Machtvakuum zu riskieren. Das Volk wünschte sich eine schnelle Rückkehr zur Normalität: "Plötzlich ertönen Stimmen. Menschen lachen, schreien, schimpfen. Es wird wieder geklingelt. Das Leben geht weiter.“

"Ersatzteillager Mensch"
In einer Serie widmete sich profil dem Thema "Ersatzteillager Mensch“. Durch Fortschritte in der Transplantationschirurgie stieg der Bedarf an menschlichen Organen, die immer häufiger auch aus Entwicklungsländern importiert wurden. Fazit der Recherchearbeit in Indien: "In Dharavi, dem bevölkerungsreichsten Slum Asiens, werden oft nicht mehr als 2000 Schilling für eine Niere bezahlt.“

Philip Dulle