profil vor 25 Jahren: "Todesengel von Lainz", Karl Blecha und der Fall "Lucona"

Ein Primar, der seinem todkranken Bruder eine lebensverkürzende Injektion verabreicht hatte; vier Krankenschwestern, die zwischen 1982 und 1989 dutzende Patienten ermordet hatten: Unter dem Titel "Mörderischer Apparat“ beleuchtete profil am 17. April 1989 das Leben und schnelle Sterben in der 1. Medizinischen Abteilung des Wiener Krankenhauses Lainz. Warum das Morden der "Todesengel von Lainz“ so lange unentdeckt geblieben war, wurde mit fehlendem ärztlichen Personal erklärt: Ohne die eigenständigen medizinischen Handlungen der Schwestern wäre der Betrieb nicht aufrechtzuerhalten gewesen. profil-Fazit: "Erst ihr Eingeständnis störte den Spitalsalltag.“

Im U-Ausschuss zum Fall "Lucona“ wurde Ex-Innenminister Karl Blecha, der im Februar zurückgetreten war, nicht nur von Interpol, sondern auch von Kanzler Vranitzky und den eigenen Genossen schwer unter Beschuss genommen: Verdacht des Amtsmissbrauchs, der Unterdrückung von Beweismitteln und der Falschinformation. Blecha erbat sich Bedenkzeit, erklärte aber gegenüber profil, er werde "die Käseglocke der Immunität“ nicht in Anspruch nehmen. Am nächsten Morgen teilte Blecha dem U-Ausschuss mit, aus allen Parteifunktionen ausscheiden zu wollen.

Philip Dulle