profil vor 25 Jahren: Udo Proksch und die "Lucona"-Affäre

"Liebe Freunde! Helft mir aus dem Häfen heraus!“, schrieb Udo Proksch aus der U-Haft an Freunde und Anwälte. Die Lucona-Affäre hatte Ende der 1980er-Jahre nicht nur SP-Politiker zum Rücktritt gezwungen, sondern einen Gutteil der Justiz durchzogen.

In der Ausgabe vom 22. Mai 1989 zeichnete profil die Verbindungen zwischen Proksch, dem Arbeitsrichter Karlheinz Demel und dem bereits zurückgetretenen Nationalratspräsidenten Leopold Gratz nach. Die Kripo fand im Rahmen einer Hausdurchsuchung bei Demel Papiere, Notizen und Aktenvermerke, die ergaben, dass Demel, Gratz und SP-Innenminiser Blecha in Sachen "Rettungsaktion Proksch“ wesentlich öfter zusammengetroffen waren, als sie bis dato zugeben wollten. Im Interview zeigte sich der parteilose Justizminister Egmont Foregger beschämt: Es habe "Fehler und Irrtümer“ in seinem Ressort gegeben.

Das Gesellschaftsressort widmete sich indes den "Multis in Weiߓ. Was sie verdienen, welche Freiheiten sie genießen, und warum niemand ernsthaft daran denkt, das System zu ändern. Stein des Anstoßes: Als Primar verdienten Österreichs Klinikchefs weniger als ihre Oberärzte. Die Leitung der Abteilungen wurde somit oft zum Nebenjob und der Arzt faktisch dazu "gezwungen“, neben dem Spital noch eine Privatpraxis zu eröffnen. Fazit eines Patienten: "Der arrogante Primar kommt einmal die Woche, sagt: ‚Hm, hm’ und geht wieder.”

Philip Dulle