Arbeiterkammer: Rudolf Kaske geht in schweren Zeiten von Bord

Arbeiterkammer-Präsident Kaske geht mit Ende April

Plus bei einziger Wahl als AK-Präsident.

48 Jahre hat er gearbeitet, jetzt ist es für den Präsidenten der Arbeiterkammer genug. Rudolf Kaske hat sich entschlossen, in rund einem halben Jahr aus der Spitzenpolitik auszuscheiden. Ausschlaggebend war freilich nicht Amtsmüdigkeit angesichts der bevorstehenden schwarz-blauen Koalition, sondern eine schwere Erkrankung seiner Frau.

AK drohen schwere Zeiten

Ganz leicht wird es dem 62-Jährigen vielleicht nicht fallen, das Amt des Arbeiterkammer-Präsidenten abzugeben. Denn der AK drohen schwere Zeiten unter Schwarz-Blau. Von Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft bis Senkung der Kammerlage geht die Problemlage für die Kammer, mit der sich nun ein neuer Chef herumschlagen muss.

Andererseits hat Kaske immer wieder einmal damit geliebäugelt, sich vorzeitig zurückzuziehen und den politischen Ruhestand in seinem spanischen Feriendomizil zu genießen. Die Präsidentschaft in der Arbeiterkammer war für Kaske der Höhepunkt einer langjährigen verdienstvollen Gewerkschafter-Karriere. Dort bis ins Greisenalter zu verharren, hätte auch nicht zu ihm gepasst.

Kaske gilt als einer der offensten und vermutlich als der freundlichste Spitzengewerkschafter überhaupt. Im höheren Funktionärsalter hat er sich auch allzu flotte Sprüche abgewöhnt, die ihn dereinst bekannt gemacht hatten. Als der damalige Chef der Tourismus-Gewerkschaft unter Schwarz-Blau davor warnte, dass die Republik brennen werde, wenn man die geplanten Sozialeinschnitte tatsächlich durchführe, taten ÖVP und FPÖ noch so, als stünde ein Bürgerkrieg bevor.

Dabei ist Kaske ein klassischer Sozialpartner, der persönlich sogar konsensorientierter ist als manch seiner Untergebenen in der Kammer. Seine Amtszeit leichter machte, dass die SPÖ während dieser in der Regierung war, was der Kammer traditionell die Umsetzung eigener Ziele erleichtert. Freilich, in roten Oppositionszeiten kann die AK ihr Profil besser schärfen. Kaskes Nachfolger wird öffentlich wohl ein Stück härter auftreten können und wollen.

Die Karriere Kaskes ist für einen Gewerkschafter nicht so untypisch. In eine Arbeiterfamilie hineingeboren wuchs er in der Wiener Leopoldstadt auf. Seine Kochlehre absolvierte Kaske im Wiener Hotel Intercontinental und arbeitete dort auch danach noch einige Zeit. Bis heute gilt das Kochen als eine seiner Leidenschaften. Betriebsräte kamen auch dann und wann einmal in den Genuss eines Kochkurses durch Kaske, der sich auf die Fahnen schreibt, all seine Aufgaben nie als Bürojob verstanden zu haben.

Seine ersten Schritte in der Arbeitnehmer-Vertretung setzte er als Jugendvertrauensrat. In der damaligen Tourismusgewerkschaft (HGPD) schwang sich Kaske recht jung zum Zentralsekretär auf. Sein aktionistisches Talent zeigte sich rasch im Kampf um die Fünftagewoche, etwa als er mit 500 Menschen das Salzburger Sternbräu des ÖVP-Politikers Günter Puttinger "besetzte", indem man sich einfach an die Tische setzte und beim billigsten Getränk verharrte. Bei einer ähnlichen Aktion im Zillertal wurden die Gewerkschafter gar als "Teufeln" verflucht, habe doch in der Region schon seit 100 Jahren niemand mehr zu demonstrieren gewagt.

Kaskes forsches Auftreten brachte ihn in den eigenen Reihen voran. 1995 wurde er Chef der HGPD und blieb das auch bis zu deren Auflösung im Rahmen der "vida"-Gründung 2006. Bis dahin sollte es der auch für schräge Brillen und modische Anzüge bekannte Kaske noch zu erstaunlicher Bekanntheit für den Vorsitzenden einer Kleinstgewerkschaft bringen.


Wenn einmal dieses Arbeitslosenheer marschiert, dann brennt die Republik.

Als die Regierung Schüssel 2000 ihre ersten Sozialeinschnitte plante, drohte die Gewerkschaft mit Generalstreik und Kaske unterstützte dies mit markigen Worten: "Wenn einmal dieses Arbeitslosenheer marschiert, dann brennt die Republik." Massive Kritik von ÖVP und Freiheitlichen war die Folge, richtig zurückgerudert ist Kaske nie. Einige Jahre später geriet Kaske noch einmal ein wenig in die Bredouille, als der BAWAG-Skandal aufflog, war er in der Gewerkschaftsbank doch Aufsichtsratsmitglied und einige Zeit stellvertretender Vorsitzender des Gremiums.

Mehr als ein paar Kratzer blieben nicht. Weiter ging es auf der Karriereleiter mit dem Vorsitz in der "vida", einem außerordentlich heterogenen Gewerkschaftsprodukt, das vom Eisenbahner über den Piloten bis zum Fußpfleger alles mögliche vereint. Leicht hatte er es in der "vida" nicht, sind die Interessenslagen der in der Gewerkschaft zusammengeführten Berufsgruppen doch sehr unterschiedlich. Insofern war Kaske für den Absprung in die AK durchaus dankbar. Die einzige Wahl, die er dort zu schlagen hatte, beendete er mit einem Plus. Im Anschluss führte er die Kammer recht unaufgeregt durch die vergangenen fünf Jahre.

Politik nurmehr in ehrenamtlicher Funktion

Sollte Kaske politisch in Zukunft auftauchen, dann nur in ehrenamtlicher Funktion, versicherte er am Dienstag. Am ehesten könnte sich eine Aufgabe im Pensionistenverband ergeben. Vielleicht wird sich Kaske aber auch tatsächlich den Ruhestand gönnen. Verdient hätte er ihn. Mit 48 Berufsjahren hat der oberste Arbeitnehmer-Vertreter die Voraussetzungen für die "Hacklerregelung" übererfüllt.

Zur Person: Rudolf Kaske, geboren am 22.5.1955 in Wien, verheiratet, Stiefvater von zwei Töchtern. Ausgebildeter Koch. Ab 1987 Zentralsekretär der Gewerkschaft HGPD, ab 1995 deren Vorsitzender. Ab 2006 Chef der Gewerkschaft vida, seit März 2013 Präsident der Arbeiterkammer.