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Foto-Reportage

Corona-Demos dokumentiert: Die trügerische Vielfalt des Protests

Was erzählen uns Flaggen, Zeichen und Symbole auf Corona-Demos? Eine junge Fotografin hat sie für uns eingefangen.

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Die junge Fotografin Marie E. Mark dokumentierte die Symbole der Corona-Demos in den letzten Monaten. profil-Autorin Christa Zöchling analysiert die Demo-Szene und ihre Symbolik.

 

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Grundton jeder Corona-Demonstration sind Trommelwirbel, Ratschen und Sirenen in einem Meer rot-weiß-roter Fahnen. Man lässt sie im Wind tanzen, trägt sie um den Körper geschlungen oder als Fähnchen an einen Kinderwagen gesteckt. Bisweilen müssen auch einfache Stiegl-Bräu-Fahnen für das patriotische Gefühl herhalten.

Oder das Schwenken der offiziellen Dienstflagge des Bundes, was nur den höchsten Organen zusteht, in diesem Fall aber erlaubt sein mag, weil das Staatswappen auf den Kopf gestellt ist.

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Eröffnet wird der Zug meist mit einem meterlangen Banner rechtsextremer „Patrioten“,  vormals „Identitäre“  mit wechselnden Parolen - „Wir sind das Volk“.  – „Globalistendreck“  oder „An uns bricht Eure Nadel“.

Hier stößt sich keiner an deutschen Reichskriegsflaggen, die auch im Nationalsozialismus  (mit und ohne Hakenkreuz) verwendet wurden.  Oder an einer Fahne der Jenaer Burschenschaft,  stolz getragen von einem Herrn in einem original Wehrmachtsmantel. Viele Plakate sind in Fraktur geschrieben. Auch jene, die „Nie wieder Faschismus“  fordert und mit den Farben der Reichskriegsflagge wirbt.

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Die historischen Anspielungen  scheinen verwirrend, folgen aber einem sehr einfachen Grundschema: Weder das NS-Regime noch der Austrofaschismus waren in den Augen der Teilnehmer jemals so schlimm wie unsere aktuelle Regierung. ÖVP-Kanzler Karl Nehammer, Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein und Ärztekammerpräsident  Thomas Szekeres gehörten demnach auf die Anklagebank des Nürnberger Kriegsverbrechertribunals.

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Träger von Israel-Fahnen sagen, sie trügen die Fahne, weil sie sich „wie Juden behandelt“ fühlen. Die Impfpflicht wird mit den Nürnberger Rassegesetzen verglichen. Sie halten Papptafeln „Impfen macht frei“ in die Kamera,  eine freche Anspielung auf den Nazi-Spruch über den Eingängen zu Konzentrations-und Vernichtungslagern: „Arbeit macht frei.“

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Der perfiden Art und Weise, den Nationalsozialismus zu verharmlosen, sind theoretisch Grenzen gesetzt- die des NS-Verbotsgesetzes. Doch viele Jugendliche glauben, sie solidarisieren sich mit NS-Opfern, weil sie sich selbst als Opfer fühlen.

Es treten ferner auf: Propagandisten  der rechtsextremen Kleinpartei „Dritter Weg“, erkennbar am Symbol auf der Mütze, die „Querfront“ rund um dem notorischen Neonazi Gottfried Küssel  und die sogenannte „Freie Linke“, die Corona als einen geplanten „Schockzustand“- Bösewicht Bill Gates!- beschreiben, und auf das Pferdeentwurmungsmittel Ivermectin schwören. 

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Religiöse Fundamentalisten versprechen „Jesus kommt zurück“ oder werben mit dem Spruch „Deus Vult“ (Gott will es) der historische Schlachtruf der ersten Kreuzzügler.

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Auf den ersten Blick nicht einzuordnen sind die aus dem amerikanischen Trump-Milieu eingesickerten Zeichen und Symbole: die Südstaatenflagge, mit der weiße Rassisten gern black-live-matters-Kundgebungen stören; die historische  Gadsden-Flagge, die eine zum Zubeißen bereite Klapperschlange zeigt und ebenfalls von Trumpanhängern verwendet wird; Die Fahnen der QAnon-Bewegung, die an eine Verschwörung der demokratischen Elite glaubt, in der entführte Kinder in Kellern gefoltert werden, um aus ihrem Blut ein Verjüngungsserum zu gewinnen - eine Variante des antisemitischen Topos von „Juden trinken Kinderblut“; Häufig machen sich QAnon-Anhänger auch nur mit dem Kürzel „WWG1WGA“ bemerkbar.  Der Schlachtruf „Let’s go Brandon“  ist ein Geheimcode für  „Fuck Joe Biden“.

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Die Parole „unwaxxed sperm is the next bitcoin“  ist   ebenso bizarr. Ihre Anhänger glauben, Impfen führe zu verminderter Spermienproduktion und das Sperma ungeimpfter Männer sei ein kostbares Gut. Der Kurs von „unwaxxed sperms“ ist im Kryptowährungsmarkt tatsächlich gelistet, zuletzt stark gesunken.

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All diese Fahnen und Symbole waren schon beim  Sturm auf das US-Kapitol vor einem Jahr zu sehen. Auch in  Wien liegt eine Drohung immer in der Luft.  Gerade dann, wenn ein Redner wenige Meter vor dem Tor am Ballhausplatz ins Megaphon dröhnt, an einen Sturm auf das Bundeskanzleramt sei nicht gedacht.  

Eine Frage an all die Bürgerinnen und Bürger, die gegen die Corona-Politik der Regierung auf die Straße gehen: Hört Ihr nicht, seht Ihr nicht?

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