Österreich

FPÖ-Mitarbeiterin hetzt gegen Journalistin Alexandra Föderl-Schmid

Seit Donnerstag galt die Stellvertretende Chefredakteurin der Süddeutschen Zeitung, Alexandra Föderl-Schmid als vermisst, heute wurde sie lebend aufgefunden. Dem ging eine Hetzjagd wegen angeblicher Plagiatsvorwürfe voraus, besonders in den Sozialen Medien. Vorne mit dabei: eine FPÖ-Mitarbeiterin.
Eva  Sager

Von Eva Sager

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Begonnen hat alles mit Kritik an Föderl-Schmids Umgang mit Quellen in ihren Artikeln. Wenig später kam dann noch der selbsternannte „Plagiatsjäger“ Stefan Weber dazu. Er untersuchte, offenbar beauftragt vom rechtspopulistischen Onlineportal „Nius“ rund um Julian Reichelt, ihre Doktorarbeit aus 1996 auf Plagiate. Vergangenen Montag erklärte die Süddeutsche Zeitung (SZ) dann, dass eine externe Kommission die Doktorarbeit ebenfalls überprüfen werde, bis dahin würde sich die stellvertretende Chefredakteurin auf eigenen Wunsch aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. 

Die Häme im Internet war groß. Und sie hörte auch nicht auf, als Föderl-Schmid am Donnerstag als vermisst gemeldet wurde, im Gegenteil, sie dauert bis heute an. Eine parlamentarische Mitarbeiterin einer Arbeitsgemeinschaft von FPÖ-Abgeordneten, darunter Susanne Fürst und Gerhard Kaniak, postete gestern auf X (vormals Twitter), dass sie hoffe, Föderl-Schmid hätte sich nicht „auf diese tragische Weise der Verantwortung entzogen“. Es folgten weitere hetzerische Beiträge, die sie entweder selbst verfasste oder teilte. 

Jene Mitarbeiterin war laut einer profil vorliegenden Liste zumindest mit Stand 09. Februar 2024 noch für FPÖ-Abgeordnete tätig. Und sie fällt nicht zum ersten Mal auf: Sie nahm an einer Demonstration der rechtsextremen Identitären Bewegung teil, war Chefredakteurin des Mediums „Wochenblick“, dass das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) als „Desinformationsprojekt am rechten Rand” bezeichnete, schreibt mittlerweile für ein weiteres Fake-News-Projekt („Der Status“), postete laut der Wochenzeitung Falter ein Meme von Adolf Hitler. Bezeichnend: Die Mitarbeiterin interviewte für „Der Status“ auch Stefan Weber. Der störte sich dort offenbar nicht an den rechtsextremen Ausritten seiner Interviewpartnerin.

Nachdem Föderl-Schmid lebend aufgefunden wurde, erklärte die FPÖ-Mitarbeiterin den Grund für ihre Haltung zu der Journalistin auf X. „Die schlimmste Hetze des Standard gegen mich fand zu der Zeit statt, als Alexandra Föderl-Schmid dort Chefredakteurin war. Mir braucht niemand etwas von der Viktimisierung dieser Person erzählen. Gegen mich wurde WIRKLICH gehetzt, OHNE dass ich etwas Unlauteres getan hätte.“

Die FPÖ wollte sich auf profil-Anfrage nicht dazu äußern. Wie der FPÖ-Klub die Postings der parlamentarischen Mitarbeiterin beurteilt, ob Konsequenzen im Raum stehen oder ob die Aussagen der Parteilinie entsprechen würden, ließ man unbeantwortet. „Wir kommentieren private Meinungsäußerungen gar nicht und sehen daher keine Veranlassung, ihre Fragen zu beantworten“, heißt es. Auch die genannte Mitarbeiterin kommentierte unsere Anfragen nicht.

Hilfe bei Krisen und Suizidgedanken

Angehörige finden Informationen unter www.suizidpraevention.atwww.agus-selbsthilfe.de oder https://www.gesundheit.gv.at/leben/suizidpraevention/anlaufstellen/broschueren-links.html

 

Eva  Sager

Eva Sager

schreibt über Popkultur, Gesellschaft und Gegenwart.