Illegale Zweitwohnsitze in Tirol: Bürgermeister betroffen?

Wie profil-Recherchen zeigen, steht auch ein Bürgermeister aus Oberösterreich im Verdacht, seine Immobilien unrechtmäßig zu nutzen.

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Britische Skilehrer in Jochberg, Urlauber-Razzien in St. Anton, südafrikanische Covid-Mutationsfälle: Tirol sorgt auch im zweiten Pandemie-Winter für Aufregung. Zurecht drängt sich die Frage auf, ob trotz Lockdown mancherorts die Tourismussaison einfach im Verborgenen weiterlief. Seit vergangener Woche wurden deshalb Kontrollen von Zweitwohnsitzen bundesweit verstärkt. Im Land Tirol läuft darüber hinaus eine Debatte um geschätzt 10.000 "illegale Freizeitwohnsitze". Gemeint sind damit Immobilien, die zu Urlaubs- und Ferienzwecken genutzt werden, dafür aber keine Widmung besitzen. Wegen steigender Grundstückspreise und begrenztem Wohnraum sieht das Tiroler Raumordnungsgesetz strenge Regelungen vor: Nur in Gemeinden mit weniger als acht Prozent Zweitwohnsitzen werden reine Ferienwohnsitze noch genehmigt. In touristisch gefragten Regionen ist diese Quote – vor allem historisch bedingt – längst übererfüllt. So etwa auch im Nobelskiort Kitzbühel: 18 Prozent der gut 10.000 Haushalte werden hier offiziell als Freizeitwohnung gelistet. Die Dunkelziffer dürfte weit darüber liegen.

Wie profil-Recherchen zeigen, steht auch ein Bürgermeister aus Oberösterreich im Verdacht, seine Kitzbüheler Immobilien unrechtmäßig als Feriendomizil zu nutzen. Stein des Anstoßes sind zwei Wohnungen in Top-Lage, wenige Meter von der Kitzbüheler Hahnenkammbahn entfernt. Andreas Fazeni, amtierender ÖVP-Ortschef im oberösterreichischen Gramastetten, erwarb die Immobilien ab 2012. Im vorliegenden Kaufvertrag wurde festgelegt: "Ein Freizeitwohnsitz wird vom Käufer nicht geschaffen." Jener Nachbar, dessen Familie Fazeni die Wohnung damals verkaufte, sieht in dessen Nutzung mittlerweile einen Vertragsbruch – und das Vorliegen eines illegalen Freizeitwohnsitzes. Der Politiker sei lediglich zu sporadischen Urlaubszwecken vor Ort, ist sich der Einheimische sicher. Ein umfangreiches Anzeigenkonvolut brachte der frühere Hotelier deshalb bereits im Jahr 2019 beim Land Tirol ein. Seitens der Gemeinde Kitzbühel bestätigt man entsprechende Anzeigen und Ermittlungen. Die Prüfungen seien aber „leider meist alle sehr langwierig und dauern noch an“, heißt es aus dem Stadtamt. Bei Verstößen stünden Verwaltungsstrafen bis 40.000 Euro an, im schlimmsten Fall droht eine Zwangsversteigerung.

Der betroffene ÖVP-Politiker widerspricht: "Herr Mag. Andreas Fazeni nutzt die Wohnung in Kitzbühel nicht illegal, insbesondere nicht als Freizeitwohnsitz", so die Stellungnahme seines Anwaltes gegenüber profil. Mehrmalige Nachfragen, zu welchem Zweck der Bürgermeister seine Tiroler Immobilien stattdessen verwendet, blieben jedoch unbeantwortet. Keine Antworten gab es zudem auf die Frage, inwiefern der Bürgermeister auch im Lockdown seine Kitzbüheler Wohnungen nutzte. Gesehen wurde der begeisterte Skisportler dort tageweise etwa Ende Jänner. Als Politiker trägt Fazeni die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung jedenfalls mit. „Diese Situation ist kein Urlaub“, zitierten ihn die „Oberösterreichischen Nachrichten“ während des ersten Lockdowns. „Wenn die Ausgangsbeschränkung von ein paar Unverbesserlichen ignoriert wird, dann muss man mit Ausgangssperren rechnen.“

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