Kein großer Streit: Faymann und Spindelegger beim TV-Duell

Michael Spindelegger haben am Montagabend ihr erstes "Kanzlerduell" im TV hinter sich gebracht. Die beiden nutzten die Zeit erwartungsgemäß, um ihre jeweiligen Botschaften an den Wähler zu bringen. Der große Streit blieb aus.

Bundeskanzler SPÖ-Chef Werner Faymann und Vizekanzler ÖVP-Chef Michael Spindelegger haben Montagabend ihr erstes "Kanzlerduell" im TV hinter sich gebracht. Die beiden nutzten die Zeit auf Puls4 erwartungsgemäß, um ihre jeweiligen Botschaften an den Wähler zu bringen, wobei Spindelegger mehrmals bekräftigte, die Wirtschaft "entfesseln" zu wollen, während Faymann für seine Millionärssteuer warb.

Der große Streit im Studio blieb aus
Spindelegger ließ sich etwa auf Nachfrage auch nicht dazu hinreißen, Faymann wie seine Parteifreundin Johanna Mikl-Leitner als "Lügenkanzler" zu bezeichnen. Zwar waren Faymann und Spindelegger bemüht, sich voneinander abzugrenzen, man verleugnete aber auch nicht die gemeinsamen Jahre der Zusammenarbeit, und so wurde auch unverhohlen geduzt.

Arbeitszeit-Diskussion
Vermittelt wurden vor allem die bekannten Botschaften der vergangenen Wochen: Der ÖVP-Chef sprach beharrlich davon, die Wirtschaft "entfesseln" zu wollen (etwa durch eine Senkung der Lohnnebenkosten) und damit nicht die Großkonzerne, sondern primär den "Spenglereibetrieb mit 20 Mitarbeitern" zu meinen. Faymann wiederum warnte davor, die Wirtschaft "im falschen Sinn" zu entfesseln. Im Zusammenhang mit der Arbeitszeit-Diskussion meinte er, bei einer Reduzierung von Arbeitsschutzbestimmungen "mach ich nicht mit".

Spindelegger wiederum ließ den Kanzler wissen, dass er nicht verstehe, warum der in dieser Wirtschaftssituation neue Steuern fordere. Dass Vermögenssteuern Arbeitsplätze zerstören, nannte Faymann einen "Unsinn", und warb für eine Verlängerung der Bankenabgabe oder eine Millionärssteuer. Faymann vergaß auch nicht zu erwähnen, dass man in dieser Legislaturperiode schon vermögensbezogene Steuern mit der ÖVP gemeinsam beschlossen habe. Darauf verwies er auch, als Spindelegger kritisierte, dass die Mindestsicherung vor allem in Wien missbraucht werde. Die rot-regierte Bundeshauptstadt musste auch als Argument herhalten, als Spindelegger abermals eine gesetzlich verankerte Gebührenbremse forderte. Faymann sprach sich hier für Transparenz aus.

Ausgetauscht wurden auch die bekannten Positionen zu Ganztagsschule und Gesamtschule. Eine Kindergartenpflicht für Vierjährige will Spindelegger für jene "überlegen", die es brauchen. Faymann wäre dann für zwei Jahre Kindergartenpflicht, wenn es das Angebot an Betreuungsplätzen - auch qualitativ - gibt.

Einig waren sich beide Parteichefs bei der Zukunft des Euros und erteilten einer Teilung der Währung (Stichwort "Nordeuro") eine Absage - so etwas sei "wirtschaftspolitisch nicht durchdacht", betonte Spindelegger.

Volksnähe
Einen kleinen Wettbewerb lieferten sich die beiden Spitzenkandidaten in Sachen Volksnähe: Nachdem Spindelegger einem jungen Zuschauer Tipps für die Jobsuche angeboten hatte, versprach Faymann einer Mindestsicherungsbezieherin, die sich schlecht behandelt fühlt, seine Telefonnummer. Die Chancen, dass SPÖ und ÖVP auch nach der Wahl wieder zusammenfinden, scheinen groß: Wenn er Erster werde, würde er Faymann als Zweiten einladen, "mit mir eine Regierung zu bilden", erklärte Spindelegger. Er hoffe, dass es nach der Wahl gelinge, eine "stabile Zweierregierung" zu bilden, meinte auch Faymann.

(APA/Red)