Krankes Haus: Die Pannenserie des Neubaus der Landesklinik Mödling geht weiter

Krankes Haus: Die Pannenserie des Neubaus der Landesklinik Mödling geht weiter

Die Pannenserie des umstrittenen Neubaus der Landesklinik Mödling reißt nicht ab. Nach dem Einsturz des noch nicht fertiggestellten Hubschrauberlandeplatzes liegen profil nun Fotos vor, die grobe Wasserschäden und weitere Baumängel dokumentieren.

Normalerweise kommt aus Steckdosen Strom. Im soeben fertiggestellten Pavillon des Krankenhauses Mödling fließt mitunter auch Wasser aus den Buchsen. So geschehen in mindestens drei Patientenzimmern während der sintflutartigen Regenfälle im Mai. Die Räume sollten eben bezogen werden – schon müssen sie saniert werden.

Diese Schäden stellen keinen Einzelfall dar, sie reihen sich in eine Pannenserie ein. Im Februar war die noch in Konstruktion befindliche Hubschrauberlandeplattform auf dem Dach des Gebäudes bei Betonierungsarbeiten zusammengebrochen. Vier Arbeiter wurden dabei leicht verletzt. Die Räume, in die später Wasser eindrang, lagen darunter. Die Reparatur war scheinbar nicht erfolgreich.

Damit nicht genug: Auch Räume der Radiologie im Erdgeschoss standen unter Wasser – die Ursache hier war vermutlich ein Wasserrohrbruch. profil vorliegende Fotos zeigen, dass dadurch soeben eingezogene Rigipswände teilweise wieder herausgerissen werden mussten.

Mutmaßliche Planungsfehler
Auch in das Untergeschoss war Wasser eingedrungen, wofür grundlegende Planungsfehler Schuld tragen dürften, vermutet Betriebsrat Rudi Haas: „Der Grundwasserspiegel liegt hier sehr hoch, das wusste jeder. Ich bin zwar nur ein Laie, aber es wundert mich doch sehr, dass darauf bei der Konzipierung offensichtlich nicht Rücksicht genommen wurde. Sonst dürfte es nicht bei jedem heftigeren Niederschlag Wasser in die Räume drücken.“ Auch davon gibt es Fotos, die ­abgeschlagenen Verputz und Entfeuchter zeigen.

Zudem berichtet eine Mitarbeiterin gegenüber profil von einer Reihe weiterer Mängel: Aus dem Siphon dringe Kanalgeruch, weshalb die Schwestern angehalten seien, jeden Morgen überall im Neubau Wasser aufzudrehen. Weiterer mutmaßliche Planungsfehler: Operationssäle und Patientenzimmer seien von den gegenüberliegenden Häusern einsehbar, sodass „Anrainer mit einem Fernglas Frauen mitunter bis in den Uterus blicken könnten“. Nachträglich sei ein filigraner Sicht- und Sonnenschutz angebracht worden, der sich bei geringen Windstößen automatisch einzieht und ohnehin so wirkt, als „würde er sich bei der nächsten heftigeren Böe verabschieden“.

Zudem sei es erst vergangene Woche wieder zu einem Zwischenfall gekommen: Plötzlich schoss eine riesige Fontäne unweit des Gebäudes empor. Arbeiter wollten die alte Wasserleitung kappen, hatten allerdings verabsäumt, vorher die Zufuhr zu unterbinden. Die Feuerwehr musste anrücken, es kam zu Verkehrsbehinderungen.

Über einen – mittlerweile behobenen – Misstand weiß Betriebsrat Rudi Haas bestens Bescheid, da sich bei ihm mehrere Mitarbeiter darüber beschwert haben: Die Pathologie wurde in der Nähe des Personal­speiseraums eingerichtet, wodurch Leichen mitunter an der Warteschlange vor dem Mittagsbuffet vorbeigeführt wurden. Auch für Ärzte keine besonders appetitliche Angelegenheit. Nun wurde eine Lösung gefunden, für die Pathologie werden andere Gänge und Wege benutzt. Der Personalvertreter sieht sich auch mit Klagen über technische Geräte konfrontiert, die für die neuen Operationssäle angeschafft wurden, jedoch nicht oder bedingt funktionieren.

Insgesamt umfasste die Mängelliste des Neubaus in den ersten Wochen nach der Freigabe im Mai rund 800 Posten. 90 Prozent davon sind Bagatellfälle, wie etwa Handtuchhalter, deren Montage vergessen wurde. „Dass solche Kleinigkeiten bei großen Baustellen vorkommen, ist üblich“, erklärt Haas. „Für uns ist es aber extrem belastend, da wir den Normalbetrieb nebenbei aufrechterhalten müssen. Für die Übersiedelung sind die Zeitfenster viel zu knapp bemessen worden. Verzögerungen wirken sich hier umso dramatischer aus.“ Er hofft, dass der Bau sowie die Inbetriebnahme der restlichen beiden Pavillons besser verlaufen.

Generell seien zu viele logistische und organisatorische Änderungen mit der Übersiedelung erfolgt, die eine Vorlauf- und Probezeit benötigt hätten. Laut einem OP-Gehilfen muss sogar bei Operationen improvisiert werden. Es kam zu Terminverschiebungen, weil benötigte Instrumente und Geräte fehlten: Die Sterilisierung wird nicht mehr hausintern, sondern von einem Logistikzentrum in Wiener Neustadt durchgeführt. Die Zustellung von dort funktioniert noch nicht reibungslos.

Rechtzeitige Fertigstellung fraglich
Laut Stellungnahme der verantwortlichen niederösterreichischen Landeskliniken-Holding sei der Betrieb jedoch nicht gefährdet, auch die Operationen nicht, oder zumindest gab es bis dato diesbezüglich keine öffentlichen Beschwerden. Sprecher Berhard Jany betont, es handle sich um „behebbare Mängel“, die „keine unmittelbare Gefahr“ für das Gebäude und Personen darstellen würden. Außerdem seien Baufehler bei Großprojekten nie gänzlich auszuschließen.

Der Schaden, der durch den Zusammenbruch der Hubschrauberlandeplattform entstand, sei „versicherungsanhängig“ und werde vom zuständigen Unternehmen vollständig abgedeckt.
Das zuständige Architekturbüro Loudon & Habeler gab bis zu Redaktionsschluss keine Stellungnahme ab.

Trotz der Erklärungen Janys bleibt fraglich, ob die beiden anderen der insgesamt drei Pavillons planmäßig bis Ende 2017 bezugsfertig werden. Ebenso bleibt abzuwarten, ob es bei den kalkulierten Kosten von 330 Millionen Euro bleibt.

Diese Summe inkludiert auch den Neubau des Klinikums Baden, das sich nur 20 Kilometer entfernt befindet. Warum die beiden Standorte nicht zu einem großen Krankenhaus zusammengelegt wurden, verstehen Experten wie der Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer nicht: „Es gibt eine Unzahl an Studien, die alle zu dem Schluss kommen, dass ein einziger Standort sowohl aus medizinischen, ökonomischen und standorttechnischen Gründen einer teuren Zweihauslösung überlegen wäre.“

Außerdem zeige die Entwicklung, dass der Standort Mödling künftig unter das „nötige Niveau eines Standardkrankenhauses“ zu rutschen drohe.
Dem hält die Landeskliniken-Holding entgegen, der Erhalt beider Standorte sei auf Dauer kostengünstiger und gesetzlich nötig, da nur so die Grundversorgung aufrechterhalten und die vorgeschriebene Erreichbarkeit für jeden Einwohner in 30 Minuten garantiert werden könne.
Laut Pichlbauer würden bei einer Zusammenlegung der Krankenhäuser Baden und Mödling jedoch nur neun Prozent der Einwohner nicht in der gesetzlich vorgesehenen Zeit das Krankenhaus erreichen – ein vertretbares Risiko, dem eine qualitativ weit bessere medizinische Versorgung einer großen Klinik gegenüber stünde.

Angesichts der profil vorliegenden Fotos und ­Berichte erscheint dieses Argument plausibel. ­Fraglich bleibt, ob es auf einer noch größeren Baustelle nicht zu noch gröberen Problemen gekommen wäre.

Eingestürzte Plattform
Bereits im Februar kam es zu einem Unfall auf der Baustelle des Krankenhauses Mödling. Bei Betonierungsarbeiten an der neuen Hubschrauberlandeplattform auf dem Dach des Pavillons A brach die Stahlkonstruktion in sich zusammen. Vier Arbeiter wurden leicht verletzt. Laut Auskunft der niederösterreichischen Landeskliniken-Holding wurde bereits die Ursache für diesen Einsturz evaluiert. Der Schaden sei versicherungsanhängig und werde von der ausführenden Firma vollständig abgedeckt.

Nasse Wände
In den Räumlichkeiten der Radiologie im Erdgeschoss des Pavillons A
kam es im Mai zu Wasserschäden durch eine geplatzte Leitung. Die gerade erst freigegebenen Räume mussten gleich wieder saniert
werden. Wie diese Bilder zeigen, mussten Rigipswände teilweise
herausgerissen und erneuert werden.

Wasserschaden
Die Bilder zeigen fortgeschrittene Sanierungsarbeiten in den Gängen
der Radiologie im Pavillon A, in denen es im Mai durch ein geplatztes Wasserrohr zu Schäden kam. Wände mussten erneuert und die Räumlichkeiten trockengelegt werden. Auf dem Boden sind noch vereinzelt Pfützen zu sehen.

Modell des Neubaus
Der Neubau der Klinik Mödling wurde im Sommer 2011 begonnen und findet zeitgleich mit jenem des Standortes Baden statt. Der Pavillon A wurde im Mai bezogen. Darin sind unter anderem die Pathologie, die Radiologie, vier Operationssäle, Ambulanzen und interdisziplinäre Aufnahmestationen untergebracht. Die Pavillons B und C sollen im Winter 2017 fertig werden. Sie werden unter anderem die Geburtshilfe und die Kinder- und Jugendheilkunde beherbergen.

Überfluteter Keller
Das vorliegende Bild zeigt Entfeuchter im Untergeschoss des Pavillons A. Auch hier wurden Wasserschäden festgestellt. Der Grundwasserspiegel liegt
in Mödling sehr hoch, bei starken Regengüssen steigt er an. Da die
Wände offensichtlich nicht gut genug abedichtet sind, wurde bei einem solchen Niederschlag Grundwasser in die Räume gedrückt.

Leichen nebst Speisesaal
Bis zur endgültigen Fertigstellung des Klinikums im Jahr 2017 wurde als provisorische Lösung der Personalspeisesaal in der Nähe der Pathologie im Untergeschoss eingerichtet. Leichen wurden mitunter an der Warteschlange für das Mittagessen vorbeitransportiert, weshalb es zu Beschwerden seitens von Mitarbeitern kam. Mittlerweile wurde eine Lösung für dieses Problem gefunden, die Pathologie benutzt nun andere Gänge und Wege.

Schimmelbefall
Durch die Wasserschäden bildete sich im Untergeschoss Schimmelpilz.
Das Foto zeigt einen Verputz, der teilweise wieder aufgeraut werden musste, um den Befall zu bekämpfen. Auf die Vorfälle wurde rasch reagiert, jedoch sind nun weitere Sanierungsarbeiten notwendig, um ein weiteres Eindringen von Wasser zu unterbinden.