Die Lage am Morgen: Alexander Van der Bellen, Fritz Dittlbacher und Schrödingers Katze

Fritz Dittlbacher und Alexander Van der Bellen

Fritz Dittlbacher und Alexander Van der Bellen

Die Lage am Morgen: Interregnum, Tag 2.

Tag 2 des Interregnums nach der Ibiza-Affäre. Noch wird nach dem Übergangskanzler (aber vielleicht wird es ja eine Frau) und seinen (in diesem Fall: ihren) Ministern gesucht. Und das heißt, wir müssen zwischendurch auf die Betrachtung eines ebenso erstaunlichen wie inzwischen liebgewonnenen Phänomens verzichten – das Van-der-Bellen-Dittlbacher-Paradoxon.

Wenn Bundespräsident Alexander Van der Bellen dieser Tage aus der Hofburg zur Lage der Nation spricht, dann geschieht folgendes: Möglichst kurz bevor er die im linken hinteren Eck des Maria-Theresien-Zimmers befindliche Tapetentüre öffnet, geht der ORF live auf Sendung. Vor der Türe wartet ZiB-Chefreporter Fritz Dittlbacher und bemüht sich, den exakten Zeitpunkt des Aus-der-Türe-Tretens von Van der Bellen zu antizipieren, um dieses einen Sekundenbruchteil zuvor oder wenigstens gleichzeitig ankündigen zu können. Van der Bellen wiederum versucht abzuschätzen, wann Dittlbacher diese Ankündigung vornehmen wird, um sie im gleichen Augenblick in die Tat umzusetzen.

In diesen Momenten befinden sich der Bundespräsident und der ORF-Reporter sozusagen in einer doppelten Schrödingers-Katze-Konstellation, die bereits beim Gedanken daran philosophische Schwindelanfälle auslöst: Sie sind für den jeweils anderen die Katze – gleichzeitig bereit und noch nicht bereit.

Wobei Dittlbachers Ausgangslage eindeutig die schwierigere ist. Nicht nur, dass er nicht sehen kann, was hinter der Tapetentüre vor sich geht; er steht auch noch mit dem Rücken zu ihr. Van der Bellen hingegen kann zumindest von innen an der Türe lauschen. Oder durch das Schlüsselloch lugen. Oder ganz simpel auf den Fernseher schauen, darauf warten, dass Dittlbacher zur Ankündigung seines – Van der Bellens – Erscheinens ansetzt und vorher noch schnell einen Zug aus der Zigarette machen.

Wie auch immer: Mittlerweile funktioniert das Zusammenspiel der beiden so perfekt, dass man an spukhafte Fernwirkung (alias Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon, auch so eine Unbegreiflichkeit aus der Quantenphysik wie Schrödingers Katze) denken könnte – vielleicht geht das Phänomen ja irgendwann in die Wissenschaftsgeschichte ein, und irgendjemand gewinnt den Nobelpreis damit.

Wann mit dem Ereignis wieder zu rechnen ist? Am besten, Sie öffnen gleich die virtuelle Tapetentüre zu unserem Liveblog, dort beobachten die Kolleginnen und Kollegen aus der Digital-Ressort das Geschehen: Ihr Quantenzustand ist klar definiert – er lautet: online, und zwar immer.