profil-Morgenpost: Tag der Tage

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Guten Morgen!

Die Spin-Doktoren der neuen Regierung überlassen von Beginn an nichts dem Zufall, so viel ist klar. Der vermeintliche Fauxpas, die Angelobung bei der Übertragung in der ORF-TVthek mit Untertiteln aus der zuvor gelaufenen Telenovela „Alisa – Folge deinem Herzen“ zu versehen, war in Wirklichkeit natürlich keiner – sondern ein erstes, starkes Signal einer neuen Offenheit im ORF. Nicht in jedem öffentlich-rechtlichen Sender der Welt sagt der Bundespräsident bei einem feierlichen Staatsakt zum Bundeskanzler: „Na, du Küken?“

Und selbstverständlich war auch das Datum der Angelobung mit Bedacht gewählt, nur einfältige Gemüter würden dieses auf das Ende der Weihnachtsferien zurückführen. Ein Zusammenhang mit dem am 7. Jänner begangenen, aus den USA kommendem „Ich-lasse-mir-das-nicht-mehr-bieten-Tag“ ist evident, sonst hätte man sich ja auch genauso gut am 8., also am „Tag des Schaumbads“, angeloben lassen können. Die Grundidee des im Original „I’m Not Going To Take It Anymore“-Tags zielt dem Vernehmen nach im Wesentlichen darauf ab, Ungerechtigkeiten in der Welt nicht tatenlos hinzunehmen, ein Motto, dem sich beide Regierungsparteien sicherlich gern verschreiben werden. Die ÖVP subsummiert möglicherweise darunter sogar Resozialisierungsversuche bei schwarz in die Stadt gegangenen und grün zurückgekehrten Kindern, aber ein weiteres Motto dieser Koalition lautet ja: Jedem das Seine.

Die Absonderungen einer Oppositionspartei und ihrer Social-Media-Infanteristen zur neuen Justizministerin Alma Zadic wiederum sind damit zu erklären, dass der 7. Jänner mancherorts auch noch in anderer Hinsicht gefeiert wird. Denn neben dem „Tag der Fossilien“ beging man auch noch den „Furz-Tag“.

Das nächste profil liegt bei Abonnenten mit Hauszustellung übrigens am Sonntag vor der Tür. Nie war diese Form, profil zu beziehen, überlegenswerter, handelt es sich doch um den 12. Jänner, also den traditionellen „No Pants Subway Ride“-Day, der von New York ausgehend seinen Siegeszug um die Welt angetreten hat. Glücklich, wer da das Haus nicht verlassen muss.

Guten Tag!

Rainer Nikowitz

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