profil-Morgenpost: Taktiker und Josephinisten

Ursula von der Leyen

Ursula von der Leyen

Eva Linsinger

Eva Linsinger

Good morning! Bonjour! Guten Morgen! In drei Sprachen hat Ursula von der Leyen am Dienstag im Europaparlament um die Stimmen der Europaabgeordneten gebuhlt - eine letzte taktische Finesse nach etlichen Personal- und sonstigen Angeboten an alle Fraktionen.

Es hat gereicht, von der Leyen wird neue EU-Kommissionspräsidentin. Wenn auch äußerst knapp: Mehr als 383 Stimmen bekam sie nicht, nur wenige über dem Minimum von 374. Ein überzeugendes Votum schaut anders aus - von der Leyen erhielt auch die Rechnung für all das unwürdige Gezerre und Gedeale vor ihrer Kür präsentiert.

Sie haben die Nase voll von kruden Hinterzimmerdeals? Von seltsamen Politkompromissen und merkwürdigen Tauschgeschäften hinter verschlossenen Türen? Vor Parteitaktik, Inszenierung, Tarnen und Täuschen? Von gebrochenen Versprechen, vollmundigen Zusagen und ebenso wortreichen Kehrtwendungen? Von Scheingefechten und strategischem Getöse? Kurz: Vom Alltag in der Spitzenpolitik, der bevorzugt dann in seiner pursten und unverhohlensten Form zu besichtigen ist, wenn es um die Besetzung von Spitzenjobs geht?

Können wir gut verstehen. Geht uns manchmal genauso.

Wenn Sie sich nach einer kurzen Pause von der hysterischen Daueraufgeregtheit der Parteipolitik sehnen, wenn Ihnen der Sinn nach wohlabgewogenen, uneitlen Worten steht, dann sei Ihnen das Interview mit Vizekanzler und Justizminister Clemens Jabloner im aktuellen profil ans Herz gelegt. Jabloner spricht von seiner Prägung als Josephinist und erklärt, warum er auch gegen seine persönliche Überzeugung Gesetze vollzieht: „Als Berufsbeamter fühle ich mich dem Gemeinwohl verpflichtet.“ Jabloner wirkt wie ein Ruhepol, auch im aufgeladenen Streit zwischen den Staatsanwaltschaften und dem Sektionschef.

Derartiges kann nach hektischen Taktiktagen wie dem gestrigen auf Europaebene manchmal ganz wohltuend sein.

Good bye! Au revoir! Auf Wiedersehen! Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag!