Kinder- und Jugendheimskandal: Polizeieinsätze als „Teil der Erziehungsmaßnahmen“

Kinder- und Jugendheimskandal: Polizeieinsätze als „Teil der Erziehungsmaßnahmen“

Neue E-Mails von Mitarbeitern des Jaidhofer Heimes: Die Jugendlichen „leben nach den Knastregeln“ – es sei „wichtig, auf Konfrontation zu gehen“.

Wie profil in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, wurden Franz Aschauer, dem Bürgermeister von Jaidhof (Bezirk Krems-Land), die vielen Polizeieinsätze von einer Mitarbeiterin der Jugend-Einrichtung als „Teil der Erziehungsmaßnahmen“ verkauft. profil veröffentlichte bereits in der Vorwoche ein Polizeiprotokoll, laut dem es in dem Heim in nur elf Monaten zu 33 Amtshandlungen gekommen sein soll – unter anderem wegen „Selbstmord-Versuchen, Sexualdelikten, Sachbeschädigungen, Körperverletzungen und Diebstählen“.

"Die sind Knastumgang gewöhnt"

profil liegen nun neue Unterlagen vor: Mitarbeiter der Einrichtung mussten teilweise drei Nachtdienste in Folge verrichten. Eine Mitarbeiterin brachte es nur ein Jahr nach der Eröffnung (2015) des Heimes auf über 600 Überstunden. In einem profil vorliegenden E-Mail schreibt ein Betreuer über die Jugendlichen: „Die sind Knastumgang gewöhnt und leben nach den Knastregeln.“ Es sei „wichtig, auf Konfrontation zu gehen“. Ein Mädchen bat Bürgermeister Aschauer telefonisch um Hilfe. Laut dem Ortschef sagte sie: „Sie behandeln mich schlecht. Ich kann nicht mehr da bleiben, ich werde weglaufen.“

Der Träger des Heims, die „Therapeutischen Gemeinschaften“ (TG) wollte auf die Vorwürfe aus „datenschutzrechtlichen Gründen“ nicht eingehen.