Spion bei Kreisky

Bruno Kreisky 1983 auf einer Wahlkampfveranstaltung für die österreichische Nationalratswahl.

Bruno Kreisky 1983 auf einer Wahlkampfveranstaltung für die österreichische Nationalratswahl.

Hofrat im Bundeskanzleramt arbeitete für ungarischen Geheimdienst.

Wie profil in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, hat ein hoher Beamter im Bundeskanzleramt jahrelang und bis heute unentdeckt für den kommunistischen Geheimdienst in Ungarn spioniert. Unter dem Decknamen „Livingstone“ hat der Beamte und spätere Hofrat der Sektion IV (Verstaatlichte Unternehmen) zwischen 1965 und 1982 interne Unterlagen und Berichte über Wirtschafts- und Innenpolitik nach Budapest geschickt. Er informierte auch über Personalentscheidungen von Bundeskanzler Bruno Kreisky, so auch über die Bestellung von Willibald Pahr zum Außenminister 1976. Dafür erhielt er in den 1970er-Jahren von Ungarn jährliche Honorare bis zu 35.000 Schilling. 1987 verstarb der Spion, der hohe Auszeichnungen der Republik erhielt.

"Von Moskau aus waren die Ungarn klar auf Österreich angesetzt"

Der ungarische Historiker und Universitätsprofessor Lajos Gecsényi hat die in 18 Ordnern gesammelten Berichte und Akten von Livingstone heuer im Historischen Archiv des Nachrichtendienstes in Budapest gesichtet und eine Auswahl davon exklusiv profil zur Verfügung gestellt. Der damalige Innenminister Karl Blecha erklärte dazu gegenüber profil: „Von Moskau aus waren die Ungarn klar auf Österreich angesetzt. Offenbar haben die ungarischen Agentenprofis aus Bequemlichkeit fleißige einheimische Mitarbeiter angeworben. Sie mussten dann selbst weniger arbeiten.“