Unternehmer gegen den 12-Stunden-Tag: "Sehr problematisch“

Johannes Gärtner

Johannes Gärtner

Der Consulter und Arbeitszeit-Experte Johannes Gärtner hat sich die Regierungspläne genau angesehen: Im Extremfall könnten Angestellte 13 Wochen in Folge zu 60 Stunden Arbeit eingeteilt werden. Gärtner hält nichts davon und fordert „dringend Erholungsphasen“.

(...) Wie ein klassischer Arbeitervertreter sieht Johannes Gärtner nicht aus. Der Arbeitswissenschafter mit Informatikabschluss führt die Arbeitszeit-Consulting-agentur Ximes. Gärtner berät Unternehmen dabei, wie sie die Diensteinteilung ihrer Mitarbeiter besser gestalten können und welche Schichtmodelle zum Betrieb passen. Obwohl er den Ruf der Arbeitgeber nach mehr Flexibilisierung aus dem täglichen Geschäft kennt, steht der Berater den Plänen der Regierung skeptisch gegenüber. Bisher sei der 12-Stunden-Tag an „checks and balances“ gebunden. Im Extremfall könnten Arbeitnehmer nun zu 13 Wochen durchgehender 60-Stunden-Arbeit eingeteilt werden, rechnet Gärtner vor. Bisher waren maximal acht Wochen am Stück möglich. Und statt jährlich 320 Überstunden könnten nun bis zu 416 Mehrstunden angeordnet werden – eine Steigerung von 30 Prozent. „Man wird nicht überall an die Kante fahren“, beruhigt Gärtner. Er sagt aber auch: „Die zulässigen Perioden für die neue Höchstarbeitszeit sind sehr problematisch. Es mag günstige Umstände geben, etwa Bürojobs. Wenn Sie an einer Maschine stehen, dann fände ich es unvertretbar. Nach mehreren 12-Stunden-Tagen sollte es dringend eine Erholungsphase geben.“ Doch darüber entscheidet der Chef allein.

Besonders kritisch sieht Gärntner, dass laut dem Entwurf auch zwölf Nachtstunden-Dienste über fünf Tage hindurch möglich werden. „Ich spendiere Ihnen eine Pizza, wenn Sie einen Arbeitswissenschafter finden, der das begrüßt.“

Lesen Sie die ganze Geschichte zum 12-Stundentag in der aktuellen profil-Printausgabe (Nr. 26/2018) oder im e-Paper. Betroffene erzählen: Ein Betriebsleiter freut sich auf längere Geschäftsreisen, eine Kassiererin fürchtet noch mehr Druck, und ein Bau-Betriebsrat will die Zuschläge für Mehrarbeit keinesfalls aufgeben.