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04/23/2022

Fertighaus: Fokus auf Energie und Klimaschutz

Christian Murhammer, Geschäftsführer des Fertighausverbands, spricht im Interview über die Herausforderungen für die Branche, die hohen Materialpreise und welche Rolle der Klimaschutz spielt.

Christian Murhammer ist Geschäftsführer des Österreichischen Fertighausverbands, der derzeit 15 Fertighausunternehmen und 35 Zulieferbetriebe umfasst.

Wie hat sich die Fertighausbranche in Österreich in den vergangenen beiden Jahren entwickelt?

Christian Murhammer: 2021 war eines der wachstumsstärksten Jahre in der Geschichte der Fertighausbranche in Österreich. Was auf den ersten Blick großartig klingt, stellt die Anbieter jedoch vor große Herausforderungen. Das Material war noch irgendwie zu beschaffen oder im Unternehmen vorhanden – aber wer sollte das Material verbauen? Stichwort: Fachkräftemangel. Auch in Zeiten übervoller Auftragsbücher dürfen die Auftraggeber nicht überdurchschnittlich lange auf ihr Traumhaus warten müssen. So mussten die Mitarbeiter der Unternehmen Überdurchschnittliches leisten. Teilweise wurde im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr gearbeitet und das Personal aufgestockt, wo immer es möglich war.

Hohe Preise für Materialien und Lieferengpässe betreffen viele Branchen - gilt das auch für Ihre?

Ja, leider machen diese Herausforderungen auch vor der Fertighausindustrie nicht halt. Das große Glück ist, dass die Fertigbauunternehmen nicht zum Baumarkt um die Ecke einkaufen gehen, wenn ein Auftrag einlangt. Sie verfügen über gut gefüllte Lager, ein bewährtes Beschaffungsmanagement mit langfristigen Verträgen und eingespielten Lieferketten sowie eine vorausplanende Beschaffung, die sich am Auftragsstand orientiert. Auch Regionalität bei der Materialbeschaffung sorgt für ein Mehr an Versorgungssicherheit. Die Lager und Lieferverträge helfen jedoch nicht allein bei der Verfügbarkeit der Baumaterialien, sie helfen auch Preisschwankungen etwas abzufedern.

Wie haben sich die Preise für die Kunden zuletzt entwickelt und wie wird es heuer weitergehen?

Teilweise sind die Entwicklungen der Materialpreise absurd. Der Holzpreis etwa legte nach einigem Auf und Ab in den letzten 16 Monaten um 75 Prozent zu, Spanplatten um 60 Prozent und so weiter. Natürlich bedeuten diese Materialpreissteigerungen nicht, dass die Hauspreise im gleichen Ausmaß steigen. Hier kommt den Auftraggebern der Materialmix zugute, der in einem Fertighaus steckt. Während manche Materialien preislich zugelegt haben, sind andere annährend gleich geblieben. Dadurch haben Preise für Fertighäuser in den letzten eineinhalb Jahren lediglich um einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz zugelegt. In die Zukunft kann niemand blicken. Experten rechnen jedoch in der zweiten Jahreshälfte mit einem Ende der Preisrallye bei Baumaterialien.

Welche Trends sind jetzt bei der Errichtung von Fertighäusern zu beobachten?

Gebäude aus Holz werden sehr stark nachgefragt. Ebenso sparsame und ökologisch unbedenkliche Gebäude. Ein weiterer Trend ist jener zu schlüsselfertigen Ausführungen. Im Vergleich zu 2020 wurden im Vorjahr um zehn Prozent mehr schlüsselfertige Fertighäuser geordert. Ein sehr junger Trend ist die Bildung von Auftraggebergemeinschaften. Mehrere Familien, manchmal auch zwei Generationen, erwerben gemeinsam ein etwas größeres Grundstück und errichtet darauf ein Fertighaus mit mehreren Wohneinheiten in Kombination mit Gemeinschaftsflächen. Für die einzelne Familie kommt dieses Modell des Wohnens günstiger als die alleinige Errichtung eines Hauses. Die Wohnqualität entspricht jedoch der eines Einfamilienhauses.

Spielen Klimaschutz und Energiekosten bei der Auswahl heute eine große Rolle?

Natürlich stehen gerade jetzt die Energiekosten in Kombination mit der Energieverfügbarkeit im Mittelpunkt des Interesses. Zwei Aspekte sind in diesem Zusammenhang von Bedeutung: Geringer Energiebedarf durch gut gedämmte, dichte Gebäudehüllen und ein Höchstmaß an Autarkie durch selbst produzierten, selbst gespeicherten und selbst verbrauchten Strom.

Was spricht in dieser Hinsicht für das Fertighaus?

Das Einsparen von Energie unterstützt auch den Klimaschutz. Doch vorgefertigte Gebäude können weit mehr zum Schutz unserer Umwelt und des Klimas beitragen. Weit über 80 Prozent aller Fertighäuser sind aus Holz. Somit wird in ihren Wänden das Treibhausgas CO2 gespeichert und so der Atmosphäre entzogen. Zudem werden Fertighäuser in Werken vorgefertigt. Die Baustellen müssen um ein Vielfaches weniger angefahren werden, was erneut der Umwelt zugute kommt. Das Fertighaus verbraucht also bei Produktion und Errichtung und auch während der Nutzungsphase ein Minimum an Energie. Und beim Rückbau kommt der Trennung und Wiederverwendung der Materialien im Sinne der Kreislaufwirtschaft eine immer größere Bedeutung zu.

Gibt es in Österreich überhaupt noch genug Gründe, um dort Fertighäuser zu errichten?

Es gibt noch Baugründe, speziell in den Flächenbundesländern im Osten Österreichs, allerdings explodieren die Preise. Sicher auch deshalb, weil die Verfügbarkeit rückläufig ist. Dabei wären genug Flächen in gut erschlossenen Gebieten von Gemeinden noch ausreichend vorhanden. Baulandreserven, leer stehende Altbestände und Spekulationsobjekte blockieren allerdings dieses wertvolle Bauland. Dabei sollten diese Flächen ebenso verpflichtend genutzt werden wie die innerkommunale Nachverdichtung.

Wegen Corona liegt das Home Office im Trend. Wird das auch bei der Planung eines Fertighauses nun stärker berücksichtigt?

Die Fertighausberater orten eindeutig eine gestiegene Nachfrage nach Arbeitsbereichen in den eigenen vier Wänden. Allerdings ist der ausschließlich als Büro zu nutzende Raum eher die Ausnahme. Im Sinne einer möglichst effizienten Raumnutzung werden die Arbeitszonen entweder in andere Räume integriert oder der eigene Büroraum erhält Zusatzwidmungen, wie beispielsweise als Gästezimmer.

Für die österreichische Fertighausbranche war 2021 ein sehr gutes Jahr: Das Institut Kreuzer Fischer & Partner hat bei Fertighäusern einen Anstieg von 19,2 Prozent im Vergleich zu 2020 festgestellt. Das führte auch dazu, dass die Mitgliedsbetriebe des Fertighausverbands im Vorjahr um zwölf Prozent mehr Personen als 2020 beschäftigt haben. Der Fachkräftemangel macht ihnen allerdings zu schaffen.

Lehrstücke

Seit vorigen Herbst gibt es einen Lehrgang für Fertighaus-Fachberater, der von der Akademie des Fertighausverbands in Kooperation mit BFI Niederösterreich durchgeführt wird. Inhalte sind unter anderem Ablauf von Bauprojekten und Produktionsprozessen, Vertrieb, Finanzierung, Wohnbauförderung sowie grundlegendes Wissen zu Technik, Planung und Recht. Diese Ausbildung soll eine Grundschulung sein, die dann von den Unternehmen weiter vertieft werden kann. Der Lehrgang wird berufsbegleitend durchgeführt, Absolventen erhalten ein Zertifikat und werden mit den Personalabteilungen der österreichischen Anbieter vernetzt.

Heimgeschichten

Das Möbelmuseum Wien zeigt noch bis Ende Mai die Ausstellung „Home Stories. 100 Jahre, 20 visionäre Interieurs“, die vom Vitra Design Museum aus Weil gestaltet wurde. Es geht darum um die Frage, wie sich die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen hundert Jahre auf das Wohnen ausgewirkt haben. Die Umbrüche werden durch 20 Interieurs dargestellt, die unter anderem von Andy Warhol, Adolf Loos oder Elsie de Wolfe stammen. Dabei zeigt sich, dass so manches heute wieder modern sein könnte – etwa die von Ludwig Mies van der Rohe geschaffenen Arbeitszonen im Wohnbereich aus den 1920ern. Den Start der Ausstellung machen zeitgenössische Interieurs, etwa eine Mikro-Wohnung eines Madrider Architekturbüros.

Herzeigbar

Die zur Otto-Gruppe gehörende Unito-Gruppe startet in Kooperation mit dem Fertighausunternehmen Haas ein Experiment: Im Musterhauspark Blaue Lagune in Vösendorf bei Wien wird das Wohnsortiment der Marke Otto hergezeigt. Das soll Kunden die Möglichkeit geben, die Produkte auch in echt ansehen zu können. Rund 200 Waren wie Möbel, Heimtextilien und Dekor werden dafür in einem Haas-Haus aufgestellt. Ein Hintergrund der Aktion ist auch, dass der Online-Möbelhandel noch stärker als das gesamte E-Commerce wächst: Dieser Sektor hat laut Unito seit der Corona-Pandemie um 40 Prozent zugelegt. Auch für den steirischen Fertighaus-Hersteller Haas soll die Zusammenarbeit etwas bringen: Dadurch könnte man Kunden noch besser zeigen, wie das zukünftige Leben in einem Familienhaus aussehen könnte, heißt es.