Hausbau mal anders: Besondere Wohnobjekte
in Österreich und den Niederlanden

Hausbau mal anders: Besondere Wohnobjekte
in Österreich und den Niederlanden

Wer heutzutage baut, richtet sich nach dem aktuellen Standard. Wohnzimmer, Bad, Küche, Schlaf- und Kinderzimmer finden ihren Platz. Es wird über die Ausrichtung des Hauses nachgedacht, um einen idealen Sonneneinfall für den Balkon oder die Terrasse zu erlangen. Ebenso fallen Entscheidungen über die Dachform. Soll es ein Satteldach sein, oder doch lieber ein Flachdach?

Eventuell wird die Fläche sogar für kleinere Highlights wie eine Solaranlage verwendet. Für das Familienauto muss eine ausreichend große Garage her. Wer hier ein Highlight setzen möchte, setzt auf ein Deckensektional-Garagentor von Normstahl, das eine moderne Optik mit Praktikabilität und Platzersparnis kombiniert.

Vielleicht wagt der ein oder andere noch etwas Stuck oder den Bau eines Erkers. Doch dann hören die Besonderheiten beim Hausbau auch schon langsam auf. Dabei kann es auch ganz anders aussehen. Wer auffallen möchte, muss auch schon mal mutig sein. Und soweit es die Baugenehmigungsverordnung erlaubt, können auch völlig verrückte oder interessante und elegante Bauten entstehen. Fünf der ungewöhnlichsten Wohngebäude und Bauten in Europa zeigen, wie es auch gehen kann. Diese umfassen sowohl bewohnbare als auch unbewohnbare Objekte.

Das Hausstehkopf

In Österreich sicher eines der bekanntesten Objekte ist das Hausstehkopf in Tirol. In der kleinen Stadt Terfens kamen die Erbauer des Bauwerkes auf die Idee, zu zeigen, wie die Welt aus der Sicht einer Fledermaus ausschaut. Das gesamte Haus wurde dazu kopfüber erbaut. Angefangen beim Dach, bis hin zum eigentlichen Fundament. Auch die Einrichtung der Räume steht äquivalent dazu auf dem Kopf. Die Decke wird zum Fußboden und der Fußboden zur Decke. Auf Toilette gehen und Baden ist in diesem Haus dann tatsächlich nicht wirklich möglich. Und auch die Garage ermöglicht einen völlig neuen Blickwinkel auf das dort geparkte Auto.

Das Hobbithaus

Während das Hausstehkopf kein wirkliches Wohnen erlaubt, sondern hauptsächlich der verrückten Perspektive wegen erbaut wurde, steht beim Hobbithaus tatsächlich der Wohngedanke im Vordergrund. Der Baukünstler, Wolfgang Lackner, wollte mit diesem Bauwerk ein Konzept erschaffen, das jeder Person erlaubt, sich einen eigenen kleinen und kostengünstigen Rückzugsort zu erschaffen. Bei dem sogenannten Hobbithaus handelt es sich um ein EinBaumHaus, das aus rein natürlichen Materialien erbaut wird. Holz, Lehm und Stroh bilden die Rohstoffe und gehen damit auf eine schon ältere Bauweise zurück.

Hobbithäuser, wie sie umgesetzt werden könnten.

Die Idee entstand aus dem Wunsch heraus, sich gegen den „klassischen Bauwahn“ in Österreich und die Normen und Verordnungen, die damit verbunden sind, aufzulehnen. Es sollte ein individuelles Bauwerk entstehen, das auf rein biologische Materialien zurückgreift. Runde Räume statt geraden Wänden und spitzen Winkeln. Holz und Baumstämme dienen als Stütze für das Dach und Zwischenetagen. Die Höhe der Räume gibt jede Menge Platz zur Entfaltung und zum Wohlfühlen. Die Bauweise kann irgendwo zwischen märchenhaft und gemütlich eingeordnet werden. Der Traum von Wolfgang Lackner: 10.000 Häuser dieser Art bis 2030 zu errichten.

Das Hundertwasserhaus

Geht es um besondere Architektur in Österreich, darf natürlich auch das Hundertwasserhaus nicht unerwähnt bleiben. Friedensreich Hundertwasser, ein österreichischer Künstler, der sich auch mit Architektur beschäftigte, bekam damals vom Wiener Bürgermeister Leopold Gratz die Möglichkeit, seine künstlerischen Ideen bei einem Wohnhaus zu verwirklichen. Zusammen mit dem Architekten Josef Krawin begab er sich an die Umsetzung.

Hundertwasser schwebte ein Gebäude vor, das abseits der geradlinigen Strukturen für Menschen und Bäume geschaffen war. Er erhielt eine Ausnahme von den normalerweise durchzuführenden Bauvorschriften. Das Ergebnis kann noch heute in Wien bewundert werden. Krawin sorgte mit seinen Berechnungen für die entsprechende Statik, so dass das Gebäude gefahrlos umgesetzt werden konnte.

Das Hundertwasserhaus in Wien wurde 1985 erbaut.

Von außen handelt es sich um ein sehr buntes Haus, welches üppig begrünt ist. Etwa 250 Bäume wurden 1985 gepflanzt, die sich zum Großteil auf den Dächern des Hauses wiederfinden. Das Gebäude verfügt über viele verspielte Elemente und eine künstlerisch gestaltete Fassade. In bunten Farben sind die einzelnen Wohneinheiten voneinander abgesetzt, die Linienführung ist dabei nicht gerade, sondern durch leichte Wellen gekennzeichnet. Stilbrüche in der Fassadenbekleidung, vorgesetzte Etagen und verschiedene Rankpflanzen geben dem Haus sein charakteristisches Aussehen. Insgesamt befinden sich in dem Haus 52 Wohnungen, vier Geschäftslokale und 19 Dachterrassen, wovon drei gemeinschaftlich genutzt werden.

Das Kaktushaus „Urban Cactus“

Ein ebenfalls interessantes Projekt zum urbanen Wohnen gab es in den Niederlanden. Über 19 Etagen erstreckt sich das Konzept aus rundlichen, zueinander versetzten Balkonen. Das Gebäude erweckt somit von außen nicht nur den Eindruck eines riesigen Kaktus, sondern sorgt durch die Anordnung in jeder Wohneinheit für bessere Lichtverhältnisse. Das Wohnerlebnis ist durch die großzügigen Flächen und Begrünungsmöglichkeiten der Außenflächen einzigartig. Zwischen 65 und 110 Quadratmeter weisen die einzelnen Wohneinheiten auf.

Insgesamt finden in dem Objekt 98 Einwohner ihren Platz. Die UAX Architekten haben mit ihrem Meisterwerk gezeigt, dass imposantes, ansehnliches Wohnen in einer urbanen Großstadt wie Rotterdam möglich, und dabei zeitgleich eine maximale Innenbeleuchtung durch natürliches Tageslicht und eine maximale Nutzung der Außenfläche umsetzbar ist.

Wohnen auf dem Mars: Ballwohnungen in ’s-Hertogenbosch

Ebenfalls in den Niederlanden befinden sich die Ballwohnungen des Architekten Dries Kreijkamp. Dieser erschuf seine Vision von Wohnen bereits in den 80ern. Dutzende dieser weißen, runden Wohnobjekte wurden dort damals aneinander gereiht. Mittlerweile in die Jahre gekommen, beeindrucken die riesigen runden Gebäude immer noch die Besucher des Ortes ’s-Hertogenbosch.

Der Anblick ist futuristisch und erinnert an riesige Kugeln oder Bälle auf einem Sockel. Die Bälle weisen ringsum Bullaugen auf, so dass ein Blick in jede Richtung möglich ist. Im Inneren sind die Kugeln in drei Etagen aufgeteilt. Die Schlafzimmer befinden sich im Erdgeschoss, Badezimmer im Mittelgeschoss und das Wohnzimmer im Obergeschoss. Vom Wohnzimmer aus besteht auch der beste Ausblick auf die Umgebung. Da jeder der Ballwohnungen nur einen Durchmesser von 5,5 Metern aufweist, werden die Wohnungen in der Regel nur von ein bis zwei Personen bewohnt.