Das digitale Spielzimmer

Das digitale Spielzimmer

Von Kopf bis Fuß wird unser Leben zunehmend von smarten Lebenshilfen beherrscht. profil stellt fünf neue HighTech-Gimmicks vor - ob diese nun die drohende Vernichtung der Menschheit bedeuten, himmelschreiender Blödsinn sind oder teilweise doch recht praktisch, das entscheide jeder für sich selbst.

Haarspalterei

Einst eine harmlose Vermutung, die mit einiger Motivationsarbeit vor dem Spiegel getrost verdrängt werden konnte, wird der "Bad Hair Day" nun zur grausamen Gewissheit: Die smarte Bürste "Kerastase Hair Coach", die diesen Jänner auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas vorgestellt wurde, misst Struktur und Zustand der Mähne mit jedem Bürstenstrich -und präsentiert eine unerbittliche Hochrechnung aus Schuppenanteilen, Trockenheit, Spliss und Grad der Wuscheligkeit. Dank dieser Daten kreiert die dazugehörige App "personalisierte Pflegeroutinen", so die Entwickler. Kritische Stimmen vermuten dahinter jedoch einen Coup der Hut-Lobby, die den Zeiten selbstbewusster Haar-Entblößung endlich ein Ende setzen möchte.

Smart Art

Im Gegensatz zu seiner göttlichen Namensgeberin jagt der Artnapper "Artemis" nicht in Wäldern, sondern durchstreift auf der Suche nach Kunstwissen die Tiefen des World Wide Web. Kreiert von der in Wien lebenden Software-Entwicklerin Pamina Georgiou, steht der interaktive Bot Kunstinteressierten per Facebook-Messenger binnen Sekunden mit sagenhaftem Hintergrundwissen zur Seite und soll so die antiquierten Audio-Guides ersetzen. Das Konzept: Museumsbesucher machen ein Foto des Kunstwerkes und schicken es an "Artemis". Die künstliche Intelligenz, der eine selbstlernende Bilderkennungssoftware zugrunde liegt, antwortet mit komplexer Hintergrundinformation.

Rollende Fracht

Lieferroboter sind auf dem Vormarsch, und die wohl sympathischste Kreation auf dem Gebiet ist "Gita", die der Division für autonome Mobilität des italienischen Automobilherstellers "Piaggo" entstammt. Der himmelblaue Rollroboter lernt Wege, indem er "seinen" Menschen auf Schritt und Tritt folgt. Auf diese Weise erstellt "Gita" 3D-Karten und ist in der Lage, den Einkauf künftig auch alleine nach Hause zu bringen. Um radfahrenden Besitzern ebenso ergeben folgen zu können, schafft es das 66 Zentimeter große Cargo-Rad, in seinem Innenraum bis zu 18 Kilogramm zu schleppen -und das mit einer Geschwindigkeit von bis zu 35 km/h. Die Kombination aus so viel Treuherzigkeit und Nutzen wirft die Frage auf, wann Lieferroboter den Hund als loyalsten Gefährten des Menschen ersetzen.

Roboter Gita

Roboter Gita

Kehrtwände

Die Digitalisierung gilt derzeit als Patenthandhabung für kulturelles Erbe: Von der Bibliothek des Vatikan Museums bis zur Mona Lisa werden sämtliche analogen Kunstschätze in den Computer verbannt. Dem Überdruss dieser massiven Digitalisierungswelle muss die sentimentale Retro-Innovation "Joto" entsprungen sein: Mit einem Stift und Internetverbindung ausgestattet, überträgt die Robotik-Weißwandtafel digitale Information wie Tweets, Todo-Listen und Zeichnungen auf die Wohnzimmerwand und erinnert damit ganz an längst vergangene Zeiten, als Menschen tatsächlich noch handgeschriebene Notizen und Kritzeleien hinterließen.

Wegweisend

"Le Chal"(auf Hindi: "Nimm mich mit") heißen die Hightech-Einlagen, die dem gleichnamigen indischen Start-up entsprungen sind. Wie einst Dorothys rote Sandalen ihre Trägerin durch Fersenstöße ins sichere Kansas zauberten, leitet "Le Chal" seine Besitzer mithilfe sanfter Vibrationen ans gewünschte Ziel. Magie spielt hier eine untergeordnete Rolle -vielmehr ist es die Bluetooth-Verbindung zu GoogleMaps, die speziell Kindern und Demenzerkrankten, aber auch Sportenthusiasten den rechten Weg weisen soll. Da "Wearables" heutzutage kaum ohne Optimierungsmission auskommen, messen die flotten Sohlen obendrein Geschwindigkeit, Schrittzahl und verbrannte Kalorien.